Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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WDS.media GmbH.

Interview mit Kai Hartelt, Geschäftsführer der WDS.media GmbH


Die WDS.media GmbH betreut seit mehr als zehn Jahren als Full-Service Agentur im Bereich Werbung und Marketing Kunden aus Industrie und Wirtschaft. Schwerpunkte der Arbeit sind die Beratung, Konzeption, Gestaltung und Umsetzung von Werbung. Das Leistungsportfolio des Unternehmens wird kontinuierlich erweitert. Es umfasst sowohl klassisches Marketing als auch die Neuen Medien. Gemeinsam mit Simon Brenzinger leitet Kai Hartelt am Unternehmenssitz Lippstadt die Geschicke des Unternehmens.

 
Herr Hartelt, welche Faktoren sind Ihrer Meinung nach für das Wachstum Ihrer Agentur ursächlich?

Ich denke mal, dass zwei Faktoren ganz entscheidend sind:  das eigene Können und ein Blick in die Zukunft. Lassen Sie mich das kurz erklären. WDS hat ein sehr organisches Wachstum gehabt. Das bedeutet, dass wir genau auf die Kompetenzen und die Expertisen unserer Mitarbeiter geschaut haben. Wir sind eine Full-Service-Agentur, das heißt wir decken sowohl den klassischen Bereich der Werbung ab, als auch die Neuen Medien. Das funktioniert jedoch nur, wenn ich mir wirklich mithilfe meiner Mitarbeiter die Expertisen in jedem einzelnen Geschäftsfeld schaffe. Wir haben uns hier sukzessive erweitert. Es ist außerdem wichtig zu schauen, was der Kunde aktuell braucht und vorausschauend zu denken, was der Kunde in Zukunft haben möchte. Das hat immer gezählt.

Haben Sie einen festen Kundenstamm oder gibt es hier eine hohe Fluktuation?

Die meisten Kunden arbeiten heute auf Projektbasis mit Agenturen zusammen. Wir haben eine Kundenfluktuation von 8 bis 9 %, über 15 Jahre. Das ist sehr wenig und darauf sind wir stolz. Es ist unser Bestreben und unser Bemühen, als immer noch relativ kleine Agentur, durch Schnelligkeit, Flexibilität und Kreativität die Kunden an uns zu binden. Das ist das Entscheidende für unser Geschäft.

Wie wurde das von Ihnen beschriebene organische Wachstum innerbetrieblich vorangebracht?

Das war ein Zusammenspiel. Wenn ein Mitarbeiter Expertise in einem gewissen Bereich hat, dann kann er nicht den kompletten Bereich alleine abdecken. Das heißt, der Mitarbeiter muss sein Fachwissen in ein interdisziplinäres Team einbringen. Das war das Entscheidende. Wir haben dann einen Testballon gestartet, das heißt, wir sind nicht auf Anhieb auf Kunden losgegangen, sondern wir haben die WDS Innovation Group geschaffen, die Ideen generiert und ausprobiert, um zu sehen, ob wir in einem bestimmten Bereich auch wirklich Expertise schaffen können.

Die WDS Innovation Group, besteht die aus Mitarbeitern oder auch aus Kunden?

Das ist eine Zusammensetzung von Mitarbeitern unterschiedlicher Disziplinen. Da sind Konzepter, Texter, Projektmanager, Programmierer und Designer dabei. Die Vorgabe von der Geschäftsführung war es, eine Innovation Group zu gründen und sich mit gesellschaftspolitischen Themen zu beschäftigen. Wir haben einfach geschaut, welche Produkte es in den Geschäftsfeldern, in denen wir tätig sind, vielleicht noch nicht gibt oder welche man weiterentwickeln kann. Die Ergebnisse arbeiten die Mitarbeiter aus und stellen sie der Geschäftsführung vor. Dann wird entschieden, ob dieses Produkt für unsere Kunden interessant ist oder ob wir es sogar selbst zur Marktreife führen.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Ja, bei einer Mitarbeiterin war es so, dass die Großmutter kurzfristig ins Heim musste. Pflegefälle kommen immer kurzfristig. Die Angehörigen wussten nicht, was zu tun ist und an wen sie sich wenden könnten. Und selbst mit dem Know-how, das die Agentur im Bereich der Neuen Medien hat, ist es gar nicht so einfach gewesen, für die Großmutter einen Heimplatz zu finden. Das hat uns auf die Idee gebracht, eine Datenbank aufzubauen, die mit einem speziellen Transparenzsystem arbeitet. Wir geben den Heimen die Möglichkeit, sich transparent darzustellen und diesen Transparenz-Check können sich Angehörige als PDF-Exposé ausdrucken. Sie sehen dann vor Ort, ob die Angaben auch wirklich alle stimmen. Auf dieser Grundlage ist schließlich WDS.care entstanden, eine zweite GmbH, die sich auf Dienstleistungen im Bereich der Pflege spezialisiert hat. Wir haben also diversifiziert. Ein weiteres Beispiel wurde entwickelt auf Basis des Mediums Internet, auch da gab es einen Namen: Parody Factory. Das bedeutet, die Kunden können über eine Website Grußbotschaften niederschreiben. Dann suchen sie sich eine Stimme aus. Ein professioneller Stimmenimitator spricht den individuellen Text daraufhin ein. Innerhalb von 36 Stunden steht die Grußbotschaft als Flash-Datei oder als MPEG-Datei bereit.

Wie viel Prozent der Ideen aus dieser Gruppe werden zur Umsetzung gebracht?

Bezogen auf neue Ideen, die wir hinterher an Kunden verkaufen, werden ungefähr 10 bis 15 % umgesetzt. Wenn auf ein existierendes Produkt aufgebaut wird, ist das schon mehr. Da werden ca. 30 bis 40 % umgesetzt.

Woher rekrutieren Sie die Talente für Ihre Agentur?

Wo die Talente herkommen, ist eine sehr spannende Frage. In der letzten Zeit war es so, – ich sprach von einem organischen Wachstum der Agentur – dass wir auch sehr gezielt nach Leuten mit speziellen Kenntnissen gesucht haben. Ganz klassisch über Anzeigen. Generell denke ich, wir haben hier bei WDS ein sehr angenehmes Arbeitsklima und die Mitarbeiter tragen sehr viel Eigenverantwortung. Sie haben sehr viel Potenzial, sich hier zu entwickeln und sich selbst einzubringen.


Wie ist bei Ihnen die Mitarbeiterfluktuation?

Die Mitarbeiterfluktuation liegt bei 4 %. Ich glaube, das ist gerade für den Bereich der Werbeagentur relativ gering. Im Endeffekt gab es über den Zeitraum von jetzt knapp 15/16 Jahren zwei Personaltrennungen.

Welche Rolle spielt Ihr Unternehmensstandort Lippstadt bei der Anwerbung von Mitarbeitern?

Früher wollte immer jeder nach Düsseldorf in den Medienhafen, nach Hamburg oder Köln. Die Kreativen wollten zu den Global Playern im Agenturgeschäft. Heute erhalten wir Bewerbungen von den Leuten, die bei den großen Agenturen arbeiten oder gearbeitet haben. Viele Talente sind heute bereit, nach Lippstadt zu ziehen. Ich denke, das liegt an einer Übersättigung in speziellen Gebieten der Werbebranche. Jeder möchte heute eine Ausbildung zum Mediendesigner machen. Es gibt also ein Überangebot. Zum anderen ist es so, dass die großen Agenturen, welche zum Teil bereits Konzerngröße haben, ihre Mitarbeiter zu sehr in Prozesse und Schemata pressen. Dadurch entsteht nicht selten der Wunsch, sich in einer kleineren Agentur freier entwickeln zu können. Zunehmend haben wir Bewerbungen aus der gesamten Bundesrepublik – auch Initiativbewerbungen.

Wie strukturieren Sie Ihre Betriebsabläufe? Wie wichtig ist es Ihnen, dass es gewisse Regeln, Rahmen und Abläufe gibt?

Den Bereich Finanzcontrolling hat mein Kollege Simon Brenzinger gut im Griff. Im Bereich Marketing und Vertrieb muss ich ehrlich sagen, dass ich nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch mich selbst nach einem gewissen Zeitraum wieder „neu justieren“ muss. So selbstkritisch sollte man sein. Der Grund dafür ist schnell erklärt: Wir haben ein sehr antizyklisches Geschäft. In einigen Phasen kann man „in Ruhe arbeiten“ und dann gibt es Monate, häufig gegen Ende des Jahres, in denen Unternehmen ihre Marketingbudgets noch einmal ausreizen.In diesen Phasen kommt es zu „Peaks“. Diese Peaks auch intern mit einem optimalen Prozessablauf in Einklang zu bringen, ist relativ schwierig. Aber auch für eine Agentur ist es unerlässlich, dass ein gewisser Prozess eingehalten wird. Herr Brenzinger hat im Bereich des Finanzcontrollings eigens für unseren Spezialfall eine solide Basis aufgestellt, die vieles ausgleichen kann.

Sind Sie beide als Geschäftsführer sehr unterschiedlich?

Wir sind nicht nur als Geschäftsführer, sondern auch als Menschen sehr unterschiedlich. Aber dadurch, dass wir so unterschiedlich sind, funktioniert das Ganze. Gegenseitiges Vertrauen ist ein wichtiger Punkt. Wir gehen sehr unterschiedlich an Aufgaben heran, aber das macht die Sache spannend und für den Kunden erfolgreich.

Welchen Grundsätzen folgen Sie in Bezug auf die Führung der Mitarbeiter?

Zunächst sollen sich die Mitarbeiter frei entwickeln können. Und natürlich sind wir auch bemüht, das Leben außerhalb der Agentur zu fördern. Das heißt, es gibt Freizeitaktivitäten, die gemeinsam durchgeführt werden. Und ich sage jedem Bewerber beim Vorstellungsgespräch, dass wir von den Arbeitszeiten nicht starr sind. Für uns ist das Wichtigste, dass der Kundenwunsch immer erfüllt wird. Das geht nur in einem Team, das sich blind versteht. Die Basis dafür legen wir mit einer möglichst eigenständigen Arbeitsweise, die viele Freiheiten erlaubt, flankiert von einem Regelwerk, das den Rahmen festlegt. Wenn Sie so wollen ist das eine Mitarbeiterführung nach liberalem Vorbild.

Neben Freiräumen gibt es demnach für die Mitarbeiter manchmal auch die „klare Ansage“?

Ja, definitiv. Die „klare Ansage“ gibt es, wenn man so will, im Eigeninteresse der Mitarbeiter. Denn wenn wir es nicht schaffen, einen Kunden zu halten, dann weiß jeder Mitarbeiter, dass es auch um seinen Arbeitsplatz geht. So einfach ist das. Deswegen sitzen wir alle in einem Boot.

Herr Hartelt,  Ich bedanke mich für das freundliche und sehr aufschlussreiche Gespräch.

 

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