Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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Gering Kälte Klima GmbH.

Interview mit Klaus Gering, Geschäftsführer der Gering Kälte Klima GmbH


Die Gering Kälte Klima GmbH, 1982 vom Kälteanlagenbaumeister Klaus Gering gegründet, ist über die letzten 28 Jahre zu einem wichtigen mittelständischen Kälte/Klima Anbieter im Raum Osnabrück gewachsen. Das Unternehmen bietet innovative und energetisch optimierte Kälte-, Klima- und Lüftungskonzepte, sowie individuelle Automatisierungslösungen. Schwerpunkte sind die Konzeption und Installation von Kühlanlagen, Anlagen zur Wärmerückgewinnung, Lüftungstechnik sowie weitere Klimaanwendungen.


Herr Gering, was waren ihrer Meinung nach wichtige Weichenstellungen für das erreichte  Unternehmenswachstum bei der Gering Kälte Klima GmbH?

Angefangen habe ich als selbstständiger Handwerksmeister der alle technischen, handwerklichen und kaufmännischen Arbeiten in einer Person erledigt.  Um wachsen zu können musste ich mich zunächst um Kunden bemühen. Unser Wachstum ist also zum einen auf Kundenakquise zurückzuführen. Ein weiterer wichtiger Punkt in unserem Wachstumsprozess war die Erkenntnis, den gestiegenen Arbeitsanfall auf mehrere Schultern zu verteilen. Sie müssen für wachsende Mitarbeiterzahlen eine andere Struktur aufbauen. Dann brauchen Sie schon jemanden, an den Sie eine gewisse Entscheidungskompetenz abgeben können.

Neben der Kundenakquise waren demnach Mitarbeiter ein wichtiger Wachstumsfaktor für Ihr Unternehmen?

Ein wichtiger Punkt ist die Qualität der Mitarbeiter, genau. Wenn ich Entscheidungskompetenzen und Aufgaben abgebe, benötige ich Mitarbeiter die in der Lage sind, das umzusetzen, was ich mir vorstelle. Man kann versuchen gute Mitarbeiter über den Arbeitsmarkt zu finden oder man bildet sie selber aus. Wir haben die Strategie gewählt, selber auszubilden. Trotzdem wird unser Wachstum zur Zeit dadurch gehemmt, dass wir nicht genügend qualifizierte Azubis finden, ganz zu schweigen von fertig ausgebildeten Facharbeitern. Als Kleinbetrieb hat man es beim Anwerben neuer Mitarbeiter oft nicht leicht. Für viele ist es nicht sehr attraktiv in einem relativ kleinen Unternehmen zu beginnen. Wir legen daher sehr viel Wert auf ein attraktives Arbeitsumfeld.

Wie hoch ist die Mitarbeiterfluktuation in Ihrem Unternehmen?

Nichts ist teuerer als ein Personalwechsel. Wir haben sehr wenig Fluktuation. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die familiäre Bindung im Betrieb erheblich stärker ist, wenn die berufliche Laufbahn bereits mit der Lehre in unserem Haus beginnt.

Gibt es weitere Maßnahmen um die Mitarbeiterbindung zu stärken?

Wir legen sehr viel Wert auf Weiterbildung. Es finden sowohl innerbetriebliche Schulungen statt, als auch externe Lehrgänge. Wenn wir Defizite erkennen oder neue Informationen benötigen, holen wir uns Kompetenz von außen dazu. Das betrifft zum Beispiel technisch-handwerkliche Themen oder „Organisation des Arbeitsplatzes“.

Das Unternehmensgen der Gering Kälte Klima GmbH, wie würden Sie das beschreiben?

Der größte Teil der Mitarbeiter ist auch im Betrieb ausgebildet worden. Durch die langjährige Zugehörigkeit in der Firma haben wir eine sehr offene Kommunikation hier im Betrieb. Wir können miteinander sprechen, das ist ganz wichtig. Außerdem lege ich Wert auf eine gewisse Disziplin und Genauigkeit. Ich höre oft, dass das bei uns sehr viel ausmacht.

Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus, Herr Gering, würden Sie sagen Sie sind der Rolle des „typischen Handwerkers“ entwachsen?

Da muss man etwas differenzieren: Ich würde gerne mehr Werkzeug in die Hand nehmen, aber das funktioniert nicht mehr in der erreichten Struktur. Ich habe ein Faible dafür, mich sehr intensiv zu informieren. Ich lese sehr viele Fachzeitungen und greife gerne neue Techniken und Themen auf. Mit diesem Blick über den Tellerrand wird man mehr Unternehmer als Handarbeiter.


Wie hat sich diese Rollenveränderung ihrerseits im Unternehmen ausgewirkt?

Irgendwann habe ich die Projektbetreuung von der Auftragsbestätigung bis zur Endabnahme nicht mehr alleine geschafft. Die jungen Meister haben die Projekte mit betreut, das heißt sie sind mehr und mehr dazu übergegangen Arbeitsvorbereitung zu übernehmen, die Einweisung in die Baustellen vor Ort durchzuführen, den Kontakt zu den Bauherrn, zu den Architekten, Planern, etc. aufrecht zu erhalten. Wir haben jetzt die Größenordnung erreicht, wo einer das alleine nicht mehr bewältigen kann. Wir haben heute Einzelprojekte in der Industrie, die so groß sind, wie der Gesamtjahresumsatz vor zehn Jahren.

Wie organisieren Sie die Durchführung von Projekten dieser Größenordnung?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine gute Projektplanung und eine intensive Arbeitsvorbereitung mit Zeichnungen und Dokumentation die besten Voraussetzung schafft, einen Auftrag im vorkalkulierten Rahmen abzuwickeln.

Heute verkaufen wir in den großen Projekten hauptsächlich Gesamtlösungen. Das heißt, wir liefern die ganze Regelung, Steuerung, die Rohrinstallationen, die Pumpen für Kaltwassersysteme, die Kälte sowieso und das alles komplett montiert. Dabei arbeiten wir wenn nötig mit anderen Firmen zusammen, zum Beispiel mit Elektrobetrieben für Kabelinstallationen.

Gesamtlösung heißt demnach bei der Firma Gering ein „Rundum-Sorglos-Paket“ für den Kunden?

Wenn jemand gesucht wird, der alles verantwortlich zusammenführt und am Ende nur eine Rechnung schreibt, dann sind wir sehr wettbewerbsfähig. So möchten wir auftreten. Wir haben immer wieder festgestellt, dass bei Großprojekten an Schnittstellen Reibung entsteht. Gerade in der Industrie, wo Fertigungsprozesse von unserer Arbeit abhängig sind und auftretende Probleme richtig Geld kosten, wünscht sich der Kunde einen Ansprechpartner der die Gesamtverantwortung für das Projekt trägt. Bei uns heißt es, wenn etwas nicht funktioniert sind wir verantwortlich und kümmern wir uns darum, dass das Problem behoben wird.

Was sind aus Ihrer Sicht entscheidende Faktoren für das Gelingen und die Organisation dieser Großprojekte?

Durch die Anschaffung einer CAD-Anlage sind wir jetzt in der Lage zu kommunizieren – mit unseren Planern, mit dem Bauherrn und mit den Industriebetrieben. Wir bekommen die Pläne und Änderungswünsche per Email und mit Hilfe von CAD setzen wir diese direkt um. Wir können zum Beispiel bei komplexen Anlagen eigene Programme für die Steuerung schreiben. Das minimiert Reibungsverluste durch Schnittstellen ungemein. Diese Zuarbeiten für den Kunden kann unser Wettbewerb oft nicht leisten – bei der Datenverarbeitung oder bei technischen Zeichnungen.

Gibt es weitere Erfolgsfaktoren für Großprojekte?

Selbstverständlich gibt es auch bei uns Probleme zu bearbeiten. Dann ist es für uns wichtig, sofort zu hinterfragen woran es gelegen hat. Es gibt so ein paar Standpunkte, die wir unbedingt immer einhalten wenn wir ein Projekt beginnen. Die Projektleiter müssen von Anfang an mit vor Ort sein. Diese Strategie, die Leute von Anfang an richtig einzuführen und in das Projekt einzubinden hat dazu geführt, dass wir unsere Fehlerquote extrem senken konnten. In meinen Augen sind daher die Projektbegleitung und eine gute Vorbereitung die halbe Miete.

Das heißt, dass Sie insbesondere in diesem Bereich gute, kompetente Fachkräfte brauchen, richtig?

Richtig. Wir haben gute motivierte junge Meister, die in der Kundschaft akzeptiert werden. Wir versuchen die unterschiedlichen Stärken der Mitarbeiter optimal einzusetzen, in der Neukundengewinnung, der Arbeitsvorbereitung oder im Bereich Automatisierung. Allerdings ist die Auslastung in diesem Jahr sehr hoch, so dass wir hier wieder an Grenzen stoßen. Wie es im Moment mit den Aufträgen aussieht, werden wir in Kürze tatsächlich auf den Markt gehen müssen, um von außen Personal nachzuführen.

Das bedeutet, dass Sie für Ihr Unternehmen optimistisch in die Zukunft blicken?

Ja. Mit dem Umzug im Jahr 2000 in ein helles freundliches Gebäude mit einer gepflegten Grünanlage sind wir für die Kunden auch präsent. Unsere Auftragslage ist ab dem Zeitpunkt stark gestiegen. Die Qualität unserer Arbeit war vorher die gleiche, aber das Gebäude verleiht uns ein anderes Image. Die Kunden trauen uns jetzt mehr zu und die Aufträge kommen. Mit unserem erweiterten Leistungsspektrum und der allgemein guten Wirtschaftslage gehen wir mit positiver Einstellung in die Zukunft.

Herzlichen Dank, Herr Gering, für dieses außerordentlich interessante Gespräch.

 

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