Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
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PURPLAN GmbH.

Interview mit Andreas Sandmann, geschäftsführender Gesellschafter der PURPLAN GmbH in Wallenhorst.

Die PURPLAN GmbH ist ein Hersteller von Anlagen zur Lagerung und Verarbeitung flüssiger Stoffe, der seine Kunden in Niederlassungen weltweit von der Planung über den Aufbau bis hin zur Wartung der Anlagen mit höchstem technischen Know-how betreut – u. a. in Russland, China, Iran, England, Österreich und Malaysia. Als junges Unternehmen wurde die PURPLAN GmbH 2009 für den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Aufsteiger“ nominiert, eine Auszeichnung, die unter anderem für die exzellente Verknüpfung von Ingenieurs- und Handwerksleistungen verliehen wird. Zusammen mit Oliver Schawe leitet Firmengründer Andreas Sandmann das Wallenhorster Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2003.

Herr Sandmann, worauf gründen Sie den Erfolg Ihres Unternehmens?

Als Anlagenbauer schafft man sich ein großes Know-how. Einmal auf der Ingenieurs-Seite das planerische Know-how und auf der anderen Seite im handwerklichen Bereich das Wissen über den Bau von Anlagen, das Abwickeln von Montagen. Wir fügen dieses ingenieurswissenschaftliche Know-how und das handwerkliche Know-how zusammen und treten mit dieser Kernkompetenz am Markt auf. Das unterscheidet uns von vielen Wettbewerbern: Es gibt viele Betriebe, die können sehr gut planen und es gibt viele Betriebe, die können sehr gut, schnell und günstig bauen. Aber es gibt wenige, die das Ganze zusammenführen.

Gibt es durch diese Zusammenführung der Kompetenzen besondere Herausforderungen?

Die Schnittstelle zwischen den Handwerkern, den Meistern und den Ingenieuren ist schwer zu handhaben. Das sind nach wie vor zwei Berufsgruppen, die in Teilbereichen nicht immer gerne miteinander arbeiten. Und diese Schnittstelle reibungslos zu gestalten, mit den Leuten zu reden und herauszustellen, dass wir ein Betrieb sind, dass jeder seine Stärken hat, die wichtig sind und sich ergänzen, das halte ich für eine ganz entscheidende Sache, die einen Betrieb nach vorne bringt.

Bedeutet das, dass Kommunikation für Sie ein Erfolgsfaktor ist?

Die Kommunikation an der Schnittstelle ist ein Erfolgsfaktor, weil sie hilft, viele Komplikationen, Probleme, Irritationen, die auf der Baustelle Geld kosten, schon im Vorfeld zu vermeiden. Das wirkt sich auch auf die Wahrnehmung der Kunden aus: Der Kunde sieht PURPLAN als einen einheitlichen Betrieb, ohne Verluste an den Schnittstellen. Das ist ein ganz anderes Auftreten.

Was sind für Sie weitere Wachstumsfaktoren?

Als Erstes – ganz direkt – der Kunde, weil der Kunde derjenige ist, für den wir arbeiten, für den wir Anlagen bauen und planen dürfen und derjenige, der uns finanziert. Und das sind auch Entwicklungsfaktoren, die man nicht unterschätzen sollte, weil man bei einem guten Verhältnis zum Kunden in der Zusammenarbeit Innovationen betreiben kann. Das heißt, man betreibt diese Innovation nicht einfach in der eigenen Halle, plant irgendetwas und versucht, es dann zu verkaufen. Sondern man macht Innovationen, Entwicklungen, Entwicklungsschritte mit dem Kunden zusammen. Dadurch entwickelt sich eine intensive Kundenbindung, ich würde eher sagen eine Kundenbeziehung. PURPLAN-Kunde zu sein bedeutet dementsprechend Teil eines Projektteams zu sein, das zusammen ein optimales Projekt erarbeiten, bauen und durchführen will. Unsere Grundhaltung ist dabei, dass wir den Kunden auf gleicher Augenhöhe begegnen und das Kundenprojekt zu unserem eigenen machen.

Das heißt, auch hier leistet Kommunikation einen wichtigen Beitrag zum Erfolg, richtig?

Wir versuchen, unsere Kunden immer wieder zu überraschen, indem wir die Kommunikation mit ihm üben, indem wir sehr gute Anlagen bauen und indem wir bei Problemen, die hinterher eventuell auftauchen, kommunikationsbereit sind. Diese Kommunikationsbereitschaft fordern wir aber zu Anfang des Projektes auch von dem Kunden, indem wir ihn in das Projekt einbinden. Das ist heutzutage sehr wichtig: Der Kunde muss wissen, was die Anlage ausmacht, ich muss ihn immer wieder begeistern und überraschen, ich muss in bestimmten Punkten diskussionsbereit sein. Indem dieser seine gesamte Betriebserfahrung einbringt, kann ich eine optimal auf ihn zugeschnittene Anlage bauen.

Wie schaffen Sie diese Kommunikationskultur mit Mitarbeitern und Kunden?

Wichtig ist zuhören zu können, sich auf den anderen einzulassen. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, er hat besondere Wünsche. Diese Wünsche muss ich mir zunächst einmal anhören, um dann auf sie eingehen und sie umsetzen zu können. Kommunikation ist eine sehr wichtige Sache, auch in diesen technischen Bereichen, und wird meiner Meinung nach viel zu oft unterschätzt.

Welchen Rat würden Sie im Hinblick auf die Kommunikation geben?

Man lernt nicht von seinen Stärken, sondern man lernt von seinen Schwächen. Und diese Schwächen, das sind die Sachen, die auch im Projekt nicht gut gelaufen sind. Das sind Probleme, die kommuniziere ich nicht gerne, aber genau die muss ich kommunizieren, damit es beim nächsten Mal besser läuft. Nach jedem Projekt tauschen wir uns über die „Lessons Learned“ aus. Jeder Projektleiter stellt in der Projektrunde ganz kurz vor, was gemacht wurde. Wie ist der technische Erfolg, wie ist der wirtschaftliche Erfolg. Ist der Kunde zufrieden bzw. begeistert? Und was gab es für Ausrutscher oder Schwierigkeiten? Gerade von diesen Schwachstellen kann der Nächste etwas lernen.

Sie haben also eine echte Fehlerkultur etabliert, verstehe ich Sie da richtig?

Ja genau. Man muss lernen, dass man selbst Fehler macht, denn die macht jeder. Man muss die Fehler der Anderen in einem gewissen Rahmen tolerieren. Man muss die Fehler sehen, aufnehmen und beim nächsten Mal vermeiden. Aber wenn ich nur einen von den vorherigen Fehlern durch Kommunikation vermeide, kann ich unter Umständen schon 5.000 bis 10.000 Euro sparen. Es wird keinem der Kopf abgerissen, wenn er einen Fehler macht.

Das heißt, die Kommunikation ist genauso wichtig wie Zahlen und Fakten?

Die Unternehmenskommunikation baut auf den „ZDF“ – Zahlen, Daten und Fakten auf. Wenn ich im Betrieb die Zahlen, die Fakten, das Wissen, das Know-how nicht klar greifbar habe, kann ich auch nicht mit Bauchgefühl arbeiten und über Kommunikation reden. Die Basis muss stehen und die muss sattelfest sein. Die Mitarbeiter in die Unternehmenskommunikation einzubeziehen, das ist wirklich eine Aufgabe: Dass man Stärken kommuniziert, Schwächen kommuniziert, und sich dadurch mit dem Unternehmen identifiziert.

Welche Rolle spielt die Internationalisierung für das Unternehmenswachstum?

Die Internationalisierung halte ich in unserem Betrieb für ganz wichtig. Das Wachstum wollen wir eigentlich aus der Diversifizierung generieren, indem wir die kleinen Bausteine, die wir in unseren Anlagen haben, immer weiter ausbauen, z. B. Wärmetechnik, Kältetechnik, Schaltschrankbau, Softwareentwicklung. Das sind kleine Bausteine, die wir für unsere Projekte regelmäßig brauchen, aus denen man theoretisch aber auch einen eigenen Betrieb machen kann. Dies ist eine Stufe. Die andere Stufe ist die Internationalisierung, da die Welt einfach global ist, weil die Projekte global sind. Indem ich ein internationales Vertreternetz aufbaue, indem ich auf dem einen oder anderen Kontinent Niederlassungen errichte, bin ich in der Lage, die Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern und massiv auszubauen.

Herr Sandmann, herzlichen Dank für dieses äußerst interessante Gespräch.

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