Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

mehr lesen 

 

 

 

Teutoburger Energie Netzwerk eG.

Interview mit Helmut Eicker, Vorstandsvorsitzender des Teutoburger Energie Netzwerk eG

Die Teutoburger Energie Netzwerk eG (TEN) basiert auf einem Zusammenschluss regionaler Elektrizitätsgenossenschaften, die bereits in den frühen 20er Jahren gegründet wurden. Das genossenschaftliche Unternehmen versorgt heute über 25.000 Kunden mit Strom, der schon jetzt vor allem aus umweltfreundlichen Energiequellen stammt und in Zukunft vollständig aus erneuerbaren Energien gewonnen werden soll. Daneben bietet die TEN eG auch Beratungsleistungen rund um das Thema „Energie“ an. Seit dem Jahr 2000 lenkt Helmut Eicker, der bereits seit 35 Jahren in der Energiewirtschaft tätig ist, als Vorstandsvorsitzender die Geschicke des Unternehmens.


Herr Eicker, was ist aus Ihrer Sicht entscheidend für erfolgreiches Unternehmenswachstum?

Wir haben eine interessante Produktpalette entworfen, die sich insbesondere auf ökologische Füße stellt. Wir sind bereits seit den 80er Jahren in der Nutzung der örtlichen Energieressourcen tätig, d.h. schon bevor dieser Trend modern geworden ist. Das hat uns einen gewissen Vorsprung und die Erfahrung gebracht, durch die wir auch über unsere lokalen Grenzen hinaus bekannt wurden. Deswegen sind wir sehr stark im Beratungsgeschäft tätig. Wir bauen zurzeit den größten Solarpark Niedersachsens, mit einer Gesamtleistung von 8 MW auf 20 Hektar. Wir haben viele ausländische Interessierte, die herkommen, um sich die Anlage anzuschauen und zu denen sich dann geschäftliche Beziehungen entwickeln. Obwohl wir ein regionaler Energieversorger sind, hat unser Konzept einen großen wirtschaftlichen Erfolg. Die Wirtschaftlichkeit ist für uns sehr wichtig, weil wir zum einen zu der am stärksten regulierten Unternehmensgruppe im deutschen Wirtschaftsgefüge gehören und zum anderen für uns die Förderung unserer Gesellschafter (im Genossenschaftswesen nennt man das Mitglieder) an erster Stelle steht. In unserem Bereich wird für die Zukunft wichtig sein, dass wir nicht nur die üblichen Assets eines Energieversorgers bedienen, sondern darüber hinaus neue Geschäftsfelder suchen, um unseren Erfolg auszudehnen.

Das Thema Innovation hat also für Sie eine recht große Bedeutung. Was hat denn den Anstoß dafür gegeben, dass Sie – auch gerade hier in der Region – schon so früh erfolgreich in den Markt „erneuerbare Energien“ einsteigen konnten?

Das hängt unter Anderem auch mit der Erwartungshaltung der Bürger zusammen. Die machen mit und sind letztendlich zum größten Teil unsere Inhaber. Gerade in den letzten zwei Jahren spüren wir das deutlich: Es kommen immer mehr Bürger hinzu, die sich unserer Idee und unserer Unternehmensphilosophie anschließen. Diejenigen, die schon seit vielen Jahren hier bei uns Mitglied sind, haben so viel Vertrauen in unser Unternehmen, dass sie ihre Kapitalbeteiligung ständig erhöhen. Sie sehen, dass wir in die richtige Richtung gehen und in die richtigen Projekte investieren. Wir sind auf dem Weg eine wirklich unabhängige Region zu werden mit eigenen Energieressourcen und diesen Weg werden wir stringent weiterverfolgen.

Wie schaffen Sie es, sich gegen die großen Energiekonzerne zu behaupten?

So eine Bewegung für eine unabhängige Region kann nur funktionieren, wenn man die Idee nachhaltig verkauft. Bei den anderen Netzbetreibern und Energieversorgern handelt es sich vor allem um Konzerne, die keinen großen Anspruch haben, ihre eigenen Erzeugungsressourcen zu verändern – sprich, Atomkraftwerke abzustellen und dafür Fotovoltaikparks zu bauen. Wir sind diesen Trend hin zu erneuerbaren Energien nicht nur mitgegangen, wir sind dem Zeitgeist vorausgeeilt und haben den Trend mit begründet. Das heißt, wir waren und sind wesentlich innovativer als die großen Energiekonzerne. Man kann die Menschen dafür begeistern, indem man sie vor Ort überzeugt und mitnimmt. Wenn man das lange genug macht und die Leute feststellen, dass das Ganze nicht nur der Beruhigung des ökologischen Gewissens dient, sondern auch wirtschaftlich sein kann, dann bekommen Sie nicht nur Zuspruch, sondern auch das nötige Kapital zusammen. Wir konnten zeigen, dass Ökologie und Wirtschaftlichkeit durchaus kompatibel sind – sowohl in Bezug auf unser Unternehmen als auch für unsere Kunden.

Wir sind sehr stolz auf unsere Erfahrung, die wir gerne weitergeben. Um die Erfahrung wieder in unsere Dienstleistungen einfließen zu lassen, braucht man natürlich motivierte Leute. Mitarbeiter, die ausgerichtet sind auf diesen ökologischen Draht, den wir versuchen, hier im Unternehmen zu zünden.

Haben Sie hier im Unternehmen eine Vision?

Um irgendetwas zu bewegen, wirtschaftlich zu bewegen, sehe ich immer eine gewisse Ideologie, eine gewisse Vision, und eine gewisse Strategie im Vorfeld als wichtig an. Es ist unabdingbar, eine Philosophie zu entwickeln, um nicht nur einen Trend zu bedienen, sondern eine Überzeugung, eine Selbstüberzeugung zu erreichen und die Überzeugung „Das, was ich hier tue, ist richtig“ mit den wirtschaftlichen Argumenten richtig zu transportieren. Das ist für mich die wichtigste Basis. Und dann kommt man sehr schnell von der Vision zur Realität. Sie dürfen nicht lange träumen, Sie müssen aktiv sein. Wir haben ein paar Visionen mit sehr hohen materiellen Anforderungen, die wir im Augenblick nicht realisieren können. Die wir aber zum Beispiel mit Partnern zusammen durchaus als machbar und realisierbar ansehen. Und diese Vision versuchen wir natürlich an Gleichgesinnte weiterzugeben, damit sich die Idee immer weiter ausbreitet und wir möglicherweise mit überschaubaren Größen auch Projekte angehen können, die wir im Augenblick alleine nicht stemmen können.

Um Ihre Visionen umzusetzen brauchen sie motivierte Mitarbeiter, aber auch Anteilseigner und Kunden, die Ihr Unternehmen unterstützen. Wie schaffen Sie es, diese Menschen an das Unternehmen zu binden?

Entscheidend sind die Geschäftsergebnisse. Es reicht nicht aus, wenn sie als Prediger lediglich Philosophien von sich geben. Man muss die Philosophie durch die entsprechende Erfolgsgeschichte untermauern. Und das ist uns in den letzten Jahren zunehmend gelungen. Unsere Unternehmensergebnisse sind sprunghaft gestiegen, wir haben 2009 das beste Unternehmensergebnis in unserer Historie und wir existieren bereits seit 1920. Wir hoffen, dass das so anhält; das geht allerdings nur, wenn man die Philosophie immer weiter entwickelt. Da sind wir aktiv und wir werden auch nicht aufhören, in neue Geschäftsfelder einzusteigen und Akzente zu setzen.

Im Augenblick kommen immer mehr Mitglieder zu uns. Das ist auch der großen Finanz- und Wirtschaftskrise geschuldet. Und der vielen Probleme und Ungerechtigkeiten, die sich in der Globalisierung zugetragen haben – die Menschen verlangen einfach nach überschaubaren Unternehmen, nach transparenten Unternehmen. Und verlangen eine gewisse Solidität, die ein Unternehmen darstellen muss.

Wie würden Sie Ihre Kultur, bzw. das Unternehmensgen beschreiben?

Für die Kultur ist es wichtig, seine Produkte und seine Überzeugungen auch intern zu verkaufen: Die Mitarbeiter müssen dahinter stehen. Wir haben durchaus auch kontroverse Diskussionen hier im Haus, die ich gut finde. Ein Produkt kann sich nur dann entwickeln, wenn es innerhalb kontroverser Diskussionen entsteht oder verbessert wird. Wenn Sie das nicht zulassen, als Unternehmer, dann merken Sie gar nicht, dass möglicherweise eine gewisse Unzufriedenheit entsteht. Das merken Sie meistens erst dann, wenn die guten Leute abwandern. Viele Leute sind deswegen hier, weil ihr Wort gehört wird und weil ihre Leistung entsprechend anerkannt wird. Hier gibt es ein partnerschaftliches Miteinander und auch interdisziplinäre Auseinandersetzungen.

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe im Unternehmen?

Unsere Innovationen und das, was wir daraus machen, sind das Ergebnis von Teamarbeit, von intensiver Kommunikation und Zusammenarbeit. Die Kompatibilität in einem Unternehmen, d.h. die Art und Weise dieser Zusammenarbeit, hängt davon ab, wie man als Unternehmensleiter moderiert. Das ist für mich eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen. Ich glaube, meine Leute merken, dass ich nicht nur die Meinungen der Menschen hier im Unternehmen abfrage, sondern darauf angewiesen bin. Ich würde mir gar nicht mehr zutrauen bestimmte Bereiche abzudecken, aufgrund des großen Spezialistentums, das sich notwendigerweise eingestellt hat. Ein wichtiger Teil der Unternehmensführung besteht meiner Ansicht nach darin, die richtigen Fragen zu stellen – Führung heißt dann ein gutes Gleichgewicht zu finden zwischen dem Stellen von Fragen und dem Geben von Antworten. Die Leute haben die Bedeutung dieses Frage- und Antwortspiels erkannt und wissen, dass gute Ideen sofort belohnt werden. Wir verantworten als Vorstand zwar gesamtunternehmerischere Entscheidungen, aber die Leitungsebenen wissen, dass sie Mitverantwortung tragen. Diese Mitverantwortung würden sie mit Sicherheit nicht tragen, wenn sie nicht hinter diesen Entscheidungen, die gemeinsam entstanden und entworfen wurden, stehen. Das kann nur funktionieren, wenn wirklich eine Vertrauensbasis da ist, auf die man setzen kann. Die Herausforderung für mich persönlich besteht darin, in dem Spannungsfeld zwischen einem demokratischen Grundverständnis und dem Auftreten als Führungskraft zu arbeiten. 

Herr Eicker, vielen herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Große Hamkenstraße 32 | 49074 Osnabrück | Fon: 0541 - 35 73 99 - 0 | Fax: 0541 - 35 73 99 5    essenzio Beratungsgesellschaft mbH   essenzio Beratungsgesellschaft mbH