Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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Hubertus Wesseler GmbH.

Interview mit Dirk Teuber, Geschäftsführer der Hubertus Wesseler GmbH

Die Hubertus Wesseler GmbH wurde 1957 von Hubertus Wesseler gegründet und befindet sich mittlerweile in der vierten Generation im Familienbesitz. Das Unternehmen aus Georgsmarienhütte ist grafischer Großhändler und Zulieferer der Druckindustrie und legt einen besonderen Schwerpunkt auf die kundenspezifische Beratung, Konzeption und Umsetzung von Netzwerklösungen, Workflow- und MIS-Systemen, integrierten Datenbanken sowie von CtP-Systemen. Seit 2006 ist Dirk Teuber Geschäftsführer der Hubertus Wesseler GmbH.

 

In der Region engagiert er sich aktiv als Vorsitzender des FDI Osnabrück/Emsland (Fachverband Führungskräfte der Druckindustrie und Informationsverarbeitung e.V.) und Wirtschaftssenator im BVMW Wirtschaftssenat Bremen/Niedersachsen.

Herr Teuber, was ist bei Ihnen im Unternehmen wichtig, um nachhaltiges, gesundes Wachstum zu gewährleisten?

Für uns steht im Unternehmen der Mensch im Mittelpunkt. Nur mit guten Mitarbeitern kann man gute Kunden gewinnen, deshalb investieren wir viel in den Vertrieb. Der Vertrieb kennt den Kunden, ist vor Ort und transportiert die Bedürfnisse des Kunden ins Unternehmen. Dort werden Lösungen generiert, mit denen wir wiederum an die Kunden herantreten und nach außen agieren können.

Als Handelsunternehmen brauchen wir dabei für komplexe Produkte mit Erklärungsbedarf geeignete Fachleute. Die Kunden erwarten, dass ihr Ansprechpartner sich auf Augenhöhe mit ihnen unterhalten kann, dass er fachlich immer ein Stück voraus ist und sein Wissen vermitteln kann. Deshalb halten wir mit Hilfe von Personalentwicklungsmaßnahmen die Mitarbeiter immer auf dem neuesten Stand.

Was wären Beispiele für solche Personalentwicklungsmaßnahmen?

Die Techniker schulen wir überregional, d.h. in Holland, in Japan oder auch in Amerika, damit sie verschiedene Strukturen kennenlernen. Dasselbe machen wir im Bereich Vertrieb, diese Mitarbeiter werden mehrmals im Jahr geschult. Der Innendienst erhält hauptsächlich Telefontrainings: Psychologie am Telefon, wie gehe ich mit dem Menschen um, wie reagiere ich auf Widerstände, usw.

Wird schon bei der Neueinstellung besonderer Wert auf die fachliche Kompetenz der potenziellen Mitarbeiter gelegt?

Ja, wobei uns die soziale Kompetenz bei Neueinstellungen sogar noch wichtiger ist als die fachliche Kompetenz, denn fachliche Kompetenz kann man lernen. Die soziale Kompetenz kann man durch Schulungsmaßnahmen verfeinern, aber wenn Sie grundsätzlich keinen Small Talk machen, Menschen nicht für sich begeistern können, dann sind Sie im Vertrieb mit Sicherheit nicht der Richtige.

Neben fachlich und sozial kompetenten Vertriebsmitarbeitern ist es wichtig, ein vernünftiges CRM-System zu haben, das sowohl der Außendienst, als auch der Innendienst so pflegen, dass beide Seiten immer „up to date“ sind und wissen, was der Kunde denkt und fühlt. Darum muss auch das Wissen über emotionale Vorgänge beim Kunden mit ins CRM-System eingefügt werden.

Hier muss demnach eine reibungslose Verknüpfung zwischen Menschen und Prozessen stattfinden, wenn ich Sie richtig verstehe. Letztendlich sind Sie Handelshaus und Dienstleister in einem, oder?

Unsere Ursprünge haben wir als Handelsunternehmen und sind zum Dienstleister gewachsen. In dem Wort „Dienstleistung“ steckt eigentlich alles drin – wir dienen und bringen Leistung für den Kunden. Deshalb ist Qualitätsmanagement auf vielen Ebenen bei uns besonders wichtig. Unsere Druckmaschinen werden in Baukastensystemen angeliefert und wir stellen dem Kunden dann eine funktionierende Druckeinheit zur Verfügung, die auf der Softwareebene und auf der Druckebene funktionieren muss. Da müssen Mensch, Maschine und Kunde zusammenpassen.

Die besondere Herausforderung bei uns ist, dass wir japanische Druckmaschinen importieren. Am deutschen Markt haben wir es mit drei deutschen Maschinenherstellern zu tun, d.h. wir müssen den „Außerirdischen“ nach Deutschland holen und dann besser sein als der Deutsche. Die Technik für sich genommen überzeugt. Nachher im Tagesgeschäft muss sie allerdings reibungslos funktionieren und dafür brauchen wir gutes Personal.

Was bedeutet Qualitätsmanagement bei der Hubertus Wesseler GmbH?

Für uns ist insbesondere nachhaltige Qualität von Bedeutung. Es ist nicht so, dass wir die Maschinen aufstellen und danach laufen die von alleine, sondern wir bieten 36 Monate Garantie an. In dieser Zeit sind wir verantwortlich für den Lauf der Maschine. So gesehen müssen wir die Qualität nicht nur beim Verkauf sicher stellen, sondern diese langfristig am Markt halten. In der Druckbranche gibt es spezielle Zertifikate, z.B. von der Fogra Forschungsgesellschaft Druck eV, die nachweisen, dass die Materialen und die Kenntnisse des Personals dem deutschen Standard gerecht werden. Zudem besteht die Herausforderung, die Druckmaschinen für jeden Kunden individuell einzustellen.

Was tun Sie um die Mannschaft bei Laune zu halten?

Da gibt es einiges: Begonnen haben wir mit einer Familienfeier einmal im Jahr, jetzt haben wir seit dem letzten Jahr ein Oktoberfest ins Leben gerufen, an dem alle Mitarbeiter teilnehmen können und wo sie auch Freunde mitbringen können. Wir haben Räumlichkeiten für bis zu 150 Personen. Und daraus ist dann die „Team Wesseler Fußball-Weltmeisterschaft“ entstanden. Im Rahmen der WM haben wir einen Tipp ins Internet gesetzt und haben unsere Kunden animiert mitzumachen. Wir konnten ca. 65 Kunden dafür begeistern und jeder Teilnehmer hat ein T-Shirt bekommen.

Das sind zum größten Teil Maßnahmen, die über das Jahr verteilt sind. Was machen Sie, um Ihre Mitarbeiter zwischen diesen großen Events zu motivieren?

Dafür haben wir eine Theke, die ist ein Sammelpunkt bei besonderen Ereignissen, wie zum Beispiel die Geburt meines Sohnes. Dann treffen wir uns dort und derjenige, der etwas zu Feiern hat, gibt einen aus. Unten steht auch ein Billardtisch, der ist aus einer Laune heraus entstanden. Einige Mitarbeiter gingen immer in eine Snooker-Halle und dann sagte ein Kunde einmal zu mir: „Einen Snooker-Tisch habe ich hier noch.“ Den haben wir hier hergeholt und unsere Mitarbeiter haben ihn aufgearbeitet. Das Tuch haben sie dann in unseren Farben darauf gespannt. Seitdem treffen sie sich dort zwei Mal im Monat. Vorher wird gekocht und gemeinsam gegessen und dann gehen sie runter und spielen Billard. Wir fördern die Mitarbeiterzusammengehörigkeit und versuchen über emotionale Bindung Leistungen hervorzurufen.

Unsere neuen Mitarbeiter laufen als Erstes ein Mal durchs komplette Haus. Sie lernen jeden Tag ein oder zwei Arbeitsplätze und andere Mitarbeiter kennen, um nachher zu wissen, wen sie bei welchem Problem am besten ansprechen können. So vereinfachen sich die Arbeitsabläufe und man weiß: „Aha, der tickt so und wenn der mal ein bisschen lauter wird, dann ist das ist nicht persönlich ...“.

Sie haben bereits hervorgehoben, dass eine Wechselwirkung zwischen den Themen Menschen, Kunden und Prozesse besteht. Wie sehen Sie das Thema Finanzen?

Das Thema Finanzen ist durch das Controlling vorgegeben. Ohne Controlling funktioniert kein Unternehmen. Der Vertrieb, das Marketing, alle Bereiche müssen immer wieder kontrolliert und gesteuert werden. Im Unternehmen braucht man Controlling, um zu sehen wie und wo ausgebaut werden kann: Eröffne ich z.B. Filialen oder setze ich direkt vor Ort mehr Mitarbeiter ein? Wenn ich etwas kaufe, dann setze ich Qualität voraus. Genauso setze ich Controlling und Finanzwesen in einem mittelständischen Unternehmen voraus.

Wie würden Sie das Unternehmensgen beschreiben? Was würden Sie sagen, macht die Firma Hubertus Wesseler aus?

Ich habe immer drei Schlagwörter: ehrlich, berechenbar, zielorientiert. Die Ziele sollen und müssen die Mitarbeiter kennen, damit sie sich damit identifizieren können. Offenheit signalisiere ich bereits durch kleine Dinge wie z.B. durch die Glastür in meinem Büro. Auch wenn die verschlossen ist, signalisiert sie, dass Mitarbeiter zum Chef gehen können und dieser für sie ansprechbar ist.

Wir sind ein kleines Familienunternehmen mit 50 Mitarbeitern und dementsprechend haben wir kurze Wege, kleine Hierarchien. Hier muss man nicht um eine Entscheidung bitten und betteln, sondern man fragt, man redet darüber und dann gibt es eine Antwort.

Herr Teuber, vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

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