Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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Poggenpohl Möbelwerke GmbH.

Interview mit Elmar Duffner, Geschäftsführer der Poggenpohl Möbelwerke GmbH

Vor rund 120 Jahren etablierte sich Poggenpohl als erste deutsche Küchenmarke. Heute ist sie die bekannteste Küchenmarke der Welt und in rund 70 Ländern vertreten. Die Poggenpohl Möbelwerke GmbH beschäftigt als Tochter der schwedischen Nobia-Gruppe, dem größten Küchenmöbelhersteller Europas, 550 Mitarbeiter. Seit 2002 lenkt Elmar Duffner als Geschäftsführer die Geschicke des hoch innovativen Küchenherstellers mit Hauptsitz in Herford. Mit der Marke Poggenpohl verbinden Kunden exklusive und individuelle Küchen in bester Qualität.

 

Herr Duffner, welche Aspekte sind und waren aus Ihrer Sicht für ein gesundes Wachstum bei der Poggenpohl Möbelwerke GmbH von besonderer Bedeutung?

Tradition und Herkunft waren ganz wichtige Aspekte, die bei der Entwicklung von Poggenpohl von Bedeutung waren. Wir definieren uns als Erfinder der Einbauküche, weil die Poggenpohl Möbelwerke als erstes Unternehmen bereits 1950 die zuvor vom Schreiner eingebaute Küche in Serie gefertigt hat. Seit 2002 sind wir um 70 % gewachsen. Dieses starke Wachstum hat sehr viel damit zu tun, dass wir uns auf die Kernwerte zurückbesonnen haben – sprich auf das, was Poggenpohl groß gemacht hat.

Zum einen war das Innovation. Wir haben uns wieder auf die Produktentwicklung und auf Differenzierung konzentriert. Auch wenn das abgedroschen klingen mag, aber bei Poggenpohl war es wichtig, zu den Wurzeln zurückzufinden und zu sagen: „Wir können das Thema 'Küche' weiterentwickeln, ohne uns in erster Linie an den Mitbewerbern zu orientieren.“ Unsere Philosophie orientiert sich viel mehr an gesellschaftlichen Entwicklungen und Themen der Nachhaltigkeit. So entwickeln wir ein Gespür für Trends, sind Innovationstreiber, die Meilensteine setzen.

Wir gehen mit unseren Produkten auf individuelle Ansprüche ein, die in der Gesellschaft bestehen – insbesondere im Premium-Luxus-Bereich. Man muss seine Zielgruppe genauestens identifizieren und maßgeschneiderte Lösungen liefern. Deswegen haben wir uns auf sogenannte Design-Plattformen konzentriert. Jede Design-Plattform verkörpert eine ganz eigene Küchenwelt und ist damit auch ganz gezielt auf eine bestimmte Kundengruppe zugeschnitten.

Ein weiterer wichtiger Innovationstreiber bestand darin, die Qualität unseres Vertriebs noch einmal deutlich zu erhöhen und uns verstärkt auf Mono-Marken-Studios zu fokussieren. Im Gegensatz zu Mehrmarken-Studios, wo sie als Nischenanbieter eine untergeordnete Rolle spielen. Ein wichtiger Schritt hierbei war neben dem Vertrieb mit unseren Handelspartnern die Vertikalisierung – also zu sagen: „Wir investieren in eigene Studios weltweit.“ Wir haben als erste und bislang einzige Küchenmarke der gesamten Küchenmöbelindustrie weltweit vertikalisiert. Das ist ein Wachstumstreiber, der organisches Wachstum aus eigener Kraft bringt. Anfangs hatten wir sieben Studios. Jetzt haben wir weltweit 37 eigene Studios.

Poggenpohl steht dafür, die Küche neu zu erfinden und Ihre Produkte auf die Käuferschicht zuzuschneiden. Ist das Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Wir sind permanent bemüht, Alleinstellungsmerkmale zu kreieren, um beim Handel Begehrlichkeiten zu wecken und ein Produkt anzubieten, mit dem er sich differenzieren und gute Margen sichern kann. Wir wollten nicht in der Preisdiskussion stehen, sondern die Distribution optimieren und unsere Produkte und Services qualitativ hochwertiger gestalten. Um das zu erreichen, haben wir uns von Partnern getrennt, bei denen wir keine große Rolle spielten.

Zusätzlich unterstützen wir diese Maßnahmen, indem wir unsere Fabrik komplett neu und schlanker gestalten, so dass der Materialfluss durch die Fabrik optimiert und die Effizienz gesteigert wird. Um die Qualität abzusichern, bauen wir am Standort Deutschland eine Fertigung auf, die Weltklasse in unserem Segment ist. Da haben wir enorme Potenziale freigesetzt. Die Produktivität hat sich jetzt schon enorm verbessert und ich bin fest überzeugt, wir schaffen in den nächsten zwei Jahren bis zum Abschluss der Umbaumaßnahmen eine weitere Steigerung der Produktivität.

Damit nutzen Sie Potenziale in Deutschland, um dem Ruf „Made in Germany“ noch mehr gerecht zu werden. Ist das richtig?

Das stimmt. Uns liegt viel daran, das Gütesiegel „Made in Germany“ glaubhaft abzusichern. Wir haben über Produkt, Distribution und Herstellung drei wirklich ganz markante Eckpfeiler gesetzt, die wir aus meiner Sicht auf Weltniveau im Griff haben. Alles andere leitet sich aus diesen drei großen Strategiepfeilern ab.

Wir werden einer der ersten Hersteller in der Küchenmöbelindustrie sein, der ausschließlich mit einem Montageband produziert. Durch die sogenannte „Fischgrätenfertigung“ erfolgt die komplette Vorfertigung über einzelne Kanäle im Takt aufs Band. Wir verkürzen damit die beiden Montagebänder für die Hochschränke sowie für die Ober-/Unterschränke mit einer Länge von jeweils 175 Metern auf ein einziges Montageband mit einer Gesamtlänge von nur noch 45 Metern. Die Produktion in der Fabrik wird dadurch insgesamt viel kompakter.

Viele Unternehmen haben in Deutschland ihre Verwaltung und verlagern die Produktion nach und nach ins Ausland. Warum sind Sie nicht einem solchen Herdentrieb gefolgt?

Im Rahmen meiner beruflichen Laufbahn habe ich immer wieder festgestellt, dass es oftmals sehr schwierig ist gegen etwas anzukämpfen, das gerade ‚en vogue’ ist. Gute, erfolgreiche Lösungen sind in der Regel keine Massenphänomene. Ich finde es nicht sonderlich spannend, das zu tun, was alle tun. Im Premium-und Luxussegment sind in erster Linie Innovationsfähigkeit und ein hohes Maß an Qualitätsarbeit gefragt. Eine Produktionsverlagerung ins Ausland ist daher für uns kaum vorstellbar, trotz aller Lohnkostenvorteile, die eine solche Maßnahme mit sich bringen mag. Der Herstellungsprozess einer Premiumküche ist komplex und sensibel. Eine Poggenpohl-Küche ist ein Maßanzug. Dahinter steht jahrzehntelange Erfahrung, die nur unsere Mitarbeiter am Standort Herford mitbringen.

Die Poggenpohl Möbelwerke GmbH ist ein Traditionsunternehmen, mit vielen Mitarbeitern, die bereits seit 20 oder 30 Jahren im Unternehmen arbeiten. Wie haben Sie es geschafft, dass die Mitarbeiter mit Ihnen zusammen Ihren Weg gegangen sind?

Dadurch, dass wir uns zu allererst auf das Produkt und die Distribution konzentriert haben, konnten wir Wachstum schaffen. Wir haben Arbeitsplätze aufgebaut und das hat bei den Mitarbeitern Vertrauen erzeugt – Vertrauen in die Strategie und in die Geschäftspolitik. Das hat sicherlich sehr viel mit Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit und Kommunikation zu tun. Mit den Veränderungen vor Ort haben wir erst 2006 begonnen. Von daher hatte ich vorab die Chance zu zeigen, dass wir wachsen können. Es ist uns gelungen, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass die anstehenden Veränderungen in der Herstellung positive Effekte haben und wir genügend andere Aufgaben anbieten können, damit keiner seinen Arbeitsplatz verliert. Die Verantwortung für einzelne Projekte haben wir eigenen Mitarbeitern übertragen. So haben wir zum Beispiel den besten Meister aus der Produktion herausgenommen, ein Mitarbeiter also, der über hohe Akzeptanz und großes Know-how verfügt, und ihn zum Kopf der Kaizen-Organisation gemacht. Mein Credo lautete von Anfang an: „Wir verändern mit Augenmaß und wenn wir uns auf der Basis unserer Strategie, unseres Einsatzes und gemeinsamen Engagements zusammenfinden, werden wir Erfolg haben.“

Seit wann ist Poggenpohl auf den internationalen Märkten tätig und ist die Internationalisierung für Sie ein Wachstumsfaktor?

Die Internationalisierung ist ganz sicher ein Wachstumsfaktor. Poggenpohl ist schon seit den 1950er Jahren international tätig. Anders als viele Unternehmen, die nach dem Zweiten Weltkrieg erstmal Deutschland versorgt haben.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Poggenpohl Möbelwerke GmbH ist die Expansion auf allen Märkten. Wir sind in über 70 Ländern tätig. Den wichtigen Markt „USA“ bearbeiten die wenigsten Unternehmen erfolgreich. Wir sind schon seit über 30 Jahren in diesem Markt, mit eigenen Studios, mit Handelspartnern und mit dem Projektgeschäft. Kunden aus neuen Märkten begleiten wir in die USA und zeigen Ihnen unsere Kompetenz im Projektgeschäft, beispielsweise Referenzprojekte, die wir in Manhattan oder im Bloomberg-Tower in New York realisiert haben. Wir führen sie durch unsere Studios in New York oder in Los Angeles. Damit haben wir Argumente, die einzigartig und sehr hilfreich sind, um in neuen Märkten die wichtigen Entscheidungsträger zu überzeugen. Denn genau darum geht es, eine Distribution zu schaffen, indem wir Kontakt zu den wichtigen Multiplikatoren und Entscheidern unserer Branche bekommen.

Kann man sagen, dass Poggenpohl, obwohl Sie Teil der Nobia-Gruppe, also eines Konzerns sind, im Herzen ein mittelständisches Unternehmen geblieben ist, bei dem Wert auf Strategie und Konsequenz gelegt wird? Habe ich Sie da richtig verstanden?

Ja, auf jeden Fall. Ich denke, in diesem Punkt bestätigt der Erfolg das Vorgehen. Dies ist auch der Grund, weshalb uns der Konzern ein sehr hohes Maß an Eigenständigkeit zubilligt. Die Strategie ist dabei sehr wichtig, die Kunst liegt jedoch in der Umsetzung. Sie müssen zuerst ein Gefühl für die Unternehmenskultur entwickeln, wo steht das Unternehmen überhaupt. Ich denke, das ist uns bei Poggenpohl sehr gut gelungen. Wir sind den Weg der leisen Schritte und nicht der lauten Revolution gegangen..

Herr Duffner, herzlichen Dank für das interessante Interview.

 

 

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