Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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pro Wirtschaft GT GmbH.

Interview für den essenzio Wachstumsbrief mit Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der pro Wirtschaft GT GmbH.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Gütersloh unterstützt regionale Unternehmer in Bezug auf Fördermaßnahmen, Existenzgründungen und bietet eine Schnittstelle zwischen Unternehmen und Hochschulen. Darüber hinaus ermöglicht die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Unternehmern die Generierung neuer Kontakte durch den Eintritt in verschiedene Netzwerke, wie den Unternehmens.Kreis.GT.

Herr Pförtner, wo sehen Sie die größten Wachstumstreiber für mittelständische Unternehmen?

Wichtige Wachstumsfaktoren liegen meiner Ansicht nach im Bereich der Kunden und der Prozesse. Auf der Kundenseite würde ich den Hauptansatz im Bereich Vertrieb sehen. Viele Mittelständler sind da noch sehr traditionell aufgestellt, d.h. dem Vertrieb liegt keine ausreichende Strategie zu Grunde. Im Bereich Prozesse möchte ich den Schwerpunkt auf das Thema Innovationsmanagement legen, denn viele Mittelständler haben keine eigenständige Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung.

Wie kann man aus Ihrer Sicht als mittelständischer Unternehmer den Bereich Prozesse stärken?

Da gibt es verschiedene Ansätze. Man kann das sehr strategisch angehen, indem man beispielsweise eine Hochschule oder eine Unternehmensberatung zu Rate zieht oder intern einen Mitarbeiter freistellt. Tendenziell würde ich immer dazu neigen sich für die Prozessoptimierung externe Unterstützung ins Haus zu holen. Wir machen zurzeit eine Veranstaltungsreihe zum Thema Innovation bei der pro Wirtschaft, im Rahmen derer wir Hochschulen mit Unternehmen zusammenbringen. Da waren wir vor Kurzem bei der Firma Sewerin in Gütersloh. Hier wurde das Thema Innovationsmanagement in einem sehr aufwendigen Prozess gemeinsam mit dem Heinz Nixdorf-Institut aus Paderborn systematisch angegangen. Der Inhaber hat sehr deutlich gemacht, wo dabei der Gewinn für das Unternehmen lag: Klarheit über die Prozesse. Letztendlich hat dies auf alle anderen Bereiche, d.h. auf Finanzen, Menschen, Kunden ausgestrahlt.

Sie sprachen das Thema Vertrieb an. Wie sind da Ihre Erfahrungen im Mittelstand?

Meiner Erfahrung nach ist der Vertrieb in mittelständischen Unternehmen häufig sehr traditionell aufgebaut. Wir stellen jedoch im Moment fest, dass gerade die Mittelständler verstärkt ihre Vertriebsstrukturen hinterfragen und immer mehr dazu übergehen, einen systematischen Vertrieb aufzubauen. Ein Grund dafür ist, dass viele bisher in der klassischen Zuliefererkette gesteckt haben. Nach der Krise bekommen sie weniger Aufträge, weil die großen Unternehmen die Arbeiten wieder intern erledigen. Das heißt, die Mittelständler müssen teilweise erstmals aktive Vertriebsarbeit leisten. Solange sie von den Großen hinreichend mit Aufträgen versorgt wurden, mussten sie sich mit solchen Fragestellungen nicht ausreichend auseinandersetzen.

Heißt das, der Chef kommt vor lauter Arbeit nicht zum Arbeiten?

Nein, er kommt vor lauter Arbeit zu wenig dazu, strategisch zu denken. Man muss sich einfach manchmal aus der Routine des Arbeitsalltags herausziehen und aus der Vogelperspektive auf sein eigenes Unternehmen schauen und hinterfragen: „Packe ich die Dinge richtig an?“ Die Krise kann so als Chance gesehen werden, denn zu Zeiten der 120-%-Auslastung sieht man nicht zwingend die Veranlassung dazu, die Prozesse mit einem gesunden Abstand genauer unter die Lupe zu nehmen. Um sich diese Zeit nehmen zu können, muss man natürlich von der Liquiditätsseite her entsprechend aufgestellt sein – den entsprechenden Freiraum haben, um einen systematischen Vertrieb aufbauen zu können.

Es scheint ja momentan so, als würde die Finanzkrise langsam abebben. Was empfehlen Sie Firmen, um sich auf ähnliche Situationen vorzubereiten?

Eine Systematik. Man muss sich, wenn man keine externen Berater reinholen will, ein internes System überlegen, die unternehmensinternen Prozesse regelmäßig, mindestens ein Mal im Jahr, zu überprüfen und zu hinterfragen. Eine Kennzahlensystematik wie die Balanced Scorecard wäre an dieser Stelle idealtypisch. Die gelebte Alltagspraxis sagt mir aber, dass das in vielen Betrieben nicht funktionieren wird. Ich würde mir einfachere Tools wünschen, ähnlich wie eine Checkliste. Dann kann sich der Unternehmer z.B. mit seinem kaufmännischen Leiter zusammensetzen und sagen: „Komm, jetzt gehen wir die Prozesse mal durch“. Und ganz oben steht die Strategie.

Ich habe ein oder zwei schöne Beispiele, die gerade in diesem Bereich Prozesse, Kunden, Menschen, sehr aktiv waren. Das eine ist ein Unternehmen aus Schloss Holte-Stukenbrock, die Holter Regelarmaturen GmbH & Co. KG mit ca. 200 Mitarbeitern. Da ist man sehr strategisch an das Thema Prozesse herangegangen und hat über zwölf Jahre das ganze Unternehmen mit Hochschulbegleitung umgebaut. 2008 wurde das Unternehmen dann mit dem „Manufacturing Excellence“ Preis in der Kategorie „Bestes KMU“ ausgezeichnet. Ein weiteres positives Unternehmensbeispiel ist das eines Unternehmens mit rund 80 Mitarbeitern aus dem Bereich Frästechnik. Der Unternehmensinhaber ist Handwerksmeister. Er hat aus dem Bauch heraus das Richtige getan und sehr ähnliche Strukturen aufgebaut wie die Holter Regelarmaturen GmbH. Und beides funktioniert offensichtlich. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass sehr viel von den handelnden Personen und nicht von der Größenordnung des Unternehmens abhängt.

Sie würden dem Unternehmer also raten, sich bewusst immer wieder aus dem Tagesgeschäft herauszuziehen, um strategisch aus der Vogelperspektive auf das Unternehmen zu blicken und es so für die Zukunft fit zu machen?

Ja, allerdings immer orientiert am Tagesgeschäft. Es hilft nichts, ein Unternehmen für die Zukunft fit zu machen, wenn man das Tagesgeschäft vergisst oder sich nicht am Tagesgeschäft orientiert. Das muss Maxime bleiben. Aber man muss auch immer im Auge haben, was passiert in drei Jahren, was passiert in fünf Jahren, welche Prozesse verändern sich? Welche Entwicklungen tun sich auf z.B. durch neue Trends? Das sind die Aspekte, die es aus der Vogelperspektive zu betrachten gilt.

Wie ist Ihr Ausblick zum Thema „Gesundes Unternehmenswachstum“ in der Region Gütersloh für die nächsten Jahre?

Die Basis für gesundes Wachstum ist natürlich in jedem Fall, dass das Unternehmen Ertrag erwirtschaftet. Und nur, wenn das geschafft ist, hat man überhaupt Möglichkeiten, in den anderen Perspektiven tätig sein zu können. In der Region Gütersloh stelle ich im Bereich Menschen fest, dass es im Allgemeinen ein großes Verantwortungsbewusstsein für die eigenen Mitarbeiter gibt, gerade bei inhabergeführten Unternehmen. Es stehen sicherlich Herausforderungen unter dem Stichwort „Demografie“ an. Das wird uns sehr bald einholen. Dann wird das Thema Menschen noch einmal in den Vordergrund rücken.

Herr Pförtner, ich danke Ihnen herzlich für das interessante Gespräch!

 

 

 

 

Albrecht Pförtner,

Geschäftsführer der pro                                Wirtschaft GT GmbH

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