Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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emco Group

Christian Gnaß, Geschäftsführender Gesellschafter emco Group

Aus einem Zwei-Mann-Betrieb, den Erwin Müller 1945 in Lingen gründete, um selbst hergestellte Alltagsprodukte gegen Essen tauschen zu können, entwickelte sich im Laufe der Jahre ein international aufgestelltes Unternehmen: Unter der emco Group als Holding positionieren sich die eigenständigen Gesellschaften emco Bad, Novus Dahles, Bau und Klima sowie emco Elektroroller - ein sehr breit gefächertes Produktportfolio inklusive. Insgesamt verteilen sich die mehr als 1.200 Mitarbeiter auf die Produktionsstätten in China, Frankreich und Tschechien und das internationale Vertriebsnetz, 600 von ihnen sind allein in Lingen beschäftigt. Der Umsatz der emco Group beträgt mehr als 145 Millionen Euro. In diversen Segmenten, wie beispielsweise emco Elektroroller, behauptet das Unternehmen die Marktführerschaft.  

Herr Gnaß, die Vielfalt an angebotenen Produkten ist doch eher untypisch, aber Sie betreiben diese Philosophie nun seit rund 70 Jahren. 

Genau, wir hatten 2015 unser 70-jähriges Jubiläum. Und ja, Sie haben vollkommen Recht: Normalerweise wird Unternehmen empfohlen, sich klar zu profilieren und die Strategie entsprechend zu entwickeln. Wir sind anders - und das äußerst erfolgreich. Für Investoren wären wir mit Sicherheit der reinste Alptraum, aber emco ist genauso gewachsen: Wir liefern maßgeschneiderte Lösungen, die wir zum größten Teil selbst produzieren. Und genau darin liegt eine der wesentlichen Eigenheiten unseres Unternehmens, denn selbst wenn die Produkte scheinbar so unterschiedlich sind, laufen die Stränge doch auf eine gemeinsame Produktionsstruktur zusammen.  

Sie meinen also, die verschiedenen Büroartikel in Ihrem Sortiment werden ebenso wie die Lüftungssysteme oder Eingangsmatten und Elektroroller im Unternehmen hergestellt?  

Ja. Wir haben eine sehr hohe Fertigungstiefe, weit über 90 Prozent unseres Sortiments produzieren wir selbst. Dazu braucht es lediglich die Ausgangsstoffe, also Kunststoffgranulate, Farbe oder Stahl. Natürlich finden Sie auch einige Artikel, die wir als reine Handelsware vertreiben, die nimmt aber einen sehr geringen Anteil ein. Entsprechend breit gefächert sind die Produktionsverfahren, die in unserem Unternehmen Anwendung finden.  

Außergewöhnlich, denn eine hohe Fertigungstiefe wird doch gerne vermieden - schon wegen der hohen Fixkosten, oder? 

Das ist richtig: Wir gehen sowohl bei der Produktpalette als auch bei der Fertigungstiefe eigene Wege. Und genau das macht den Unterschied aus. Schließlich sind wir kein Zulieferer mit riesigen Serien. Wir stellen eher hochpreisige Artikel her und das in niedrigeren Stückzahlen. Wollten wir dies mit Zulieferung realisieren, hätten wir deutlich höhere Kosten zu stemmen, beispielsweise die Anlauf- und Rüstkosten. So können wir mit der gemeinsam genutzten Produktionsinfrastruktur alle fünf Geschäftsbereiche bedienen - wir fahren drei Schichten und sind gut ausgelastet.

Hat sich Ihre geschäftliche Vorgehensweise, auch bezüglich der konjunkturellen Schwankungen, bewähren können?  

Das kann ich nur bestätigen. Die konjunkturellen Zyklen verlaufen ja in den einzelnen Marktsegmenten, die wir bedienen, unterschiedlich: Schwächelt beispielsweise die Nachfrage bei den exklusiven Badezimmer-Accessoires, können wir das mit den anderen Segmenten ausgleichen. Natürlich, als die Finanzkrise alle Konjunkturzyklen erwischt hat, mussten auch wir acht Prozent Umsatzrückgang verbuchen. Setzt man das aber ins Verhältnis zu anderen Unternehmen, die Einbrüche von mehr als 50 Prozent zu verkraften hatten, sind wir doch glimpflich davon gekommen. Unsere Stärke liegt eindeutig in der Unterschiedlichkeit der Märkte, die wir bedienen - und das sowohl thematisch als auch regional. Die Zyklen variieren und wir können so die Performance ausgleichen. 

Eigentlich sind das ja vollkommen verschiedene Stränge, die in der Holding zusammenlaufen. Wie schaffen Sie es, das gesamte System zu organisieren? 

Ja, das ist spannend: Bis Ende der 90-er Jahre war das Ganze ein Einzelunternehmen mit verschiedenen Bereichen. Herr Müller hat das gemeinsam mit einem zweiten Geschäftsführer von hier aus gemanagt - und das als geschlossenes Gesamtunternehmen. Allerdings wuchsen die einzelnen Bereiche, also beispielsweise die Büroartikel oder Matten, so konsequent und erfolgreich in ihre Nischen hinein, nämlich bis zur Marktspitze, dass jeweils eigene Organisationen und Strukturen sinnvoll und notwendig wurden. Heute sind das alles eigenständige Unternehmen, wir delegieren also Entscheidungsfähigkeit. Auch der Vertrieb ist separat aufgestellt und ausgerichtet - allerdings mit Schnittstellen, die das Zusammenspiel optimieren. In der Holding laufen letztendlich die Fäden zusammen und hier komme ich ins Spiel: Über die zentral in der Holding platzierten Funktionen, wie beispielsweise Finanzbuchhaltung, Controlling, HR und PR, arbeite ich intensiv mit den Geschäftsführern zusammen, um sie zu fördern und zu fordern. 

Welche Rolle spielt die Holding im Gesamtsystem? 

Unsere Holding beteiligt sich stark an unternehmerischen Entscheidungen. An dieser Stelle sei bemerkt, dass in der Geschäftsführung der Holding die Eigentümer vertreten sind, die vollkommen zu Recht darauf Einfluss nehmen, wie sich das Unternehmen nach außen präsentiert. Es gibt eine Art Leitplanken, innerhalb derer sich die Geschäftsführer der einzelnen Gesellschaften frei bewegen und entwickeln. Mit unserer intensiven Kommunikation auf den unterschiedlichen Ebenen stellen wir nicht nur sicher, welche Produkte entwickelt werden oder welche Kriterien die Designs erfüllen sollten, wir sorgen für eine intensive Vernetzung der einzelnen Bereiche: Der rege Informationsaustausch über Marktentwicklungen, Probleme oder Chancen und auch Gerüchte schafft letztendlich die Grundlage für intelligente Entscheidungen. 

Wie würden Sie die Unternehmenskultur bei emco beschreiben? 

Hier bei emco sind wir ziel- und erfolgsorientiert, trotzdem leben wir die Traditionen eines familiengeführten Unternehmens. Wir sponsern beispielsweise keinen großen Fußballverein, wir unterstützen kulturelle und soziale Projekte, kümmern uns aber auch intensiv um unsere Mitarbeiter. Ein Beispiel: In unserer Produktionsstätte in China gibt es Mitarbeiter, die seit der Eröffnung vor rund 20 Jahren dort arbeiten - und das ist für chinesische Verhältnisse enorm. Wir gehen davon aus, wenn etwas für unsere Mitarbeiter in Lingen gut ist, dann sollten die Beschäftigten in anderen Ländern ebenfalls davon profitieren. Das hat uns der Gründer Erwin Müller vorgelebt und wir werden es beibehalten.  

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch!

Große Hamkenstraße 32 | 49074 Osnabrück | Fon: 0541 - 35 73 99 - 0 | Fax: 0541 - 35 73 99 5    essenzio Beratungsgesellschaft mbH   essenzio Beratungsgesellschaft mbH