Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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WEICON GmbH & Co. KG

Interview mit Ralph Weidling, Geschäftsführer der WEICON GmbH & Co. KG in Münster

Seit 1987 ist Ralph Weidling bei WEICON tätig. Im Jahr 2000 übernahm er die Führung des 1947 von seinem Großvater gegründeten Familienunternehmens im Gewerbegebiet an der Kleimannbrücke. Insbesondere die internationale Ausrichtung beeindruckt angesichts der Unternehmensgröße von 180 Mitarbeitern, des breit gefächerten Produktportfolios und der enormen Konkurrenz auf dem Markt der Spezial-Kleb- und Dichtstoffe, technischen Sprays, Montagepasten und Fette. Herr Dr. Stefan Meinsen erörterte mit Ralph Weidling die besondere Philosophie, die ganz offensichtlich in diesem mittelständischen Unternehmen gewinnbringend gelebt wird. 

 

Herr Weidling, Sie führen ein gut aufgestelltes, mittelständisches Unternehmen mit einer riesigen Produktpalette - und das sehr erfolgreich. Wo sehen Sie die Ursachen für diesen Erfolg? 

Ja, das ist wahr, unsere Produktpalette ist sehr breit aufgestellt. Sie erhalten bei uns Klebstoffe für die verschiedensten Anwendungen in nahezu allen Branchen. Darüber hinaus produzieren wir technische Sprays, flüssige Wirkstoffe, Hochleistungsfette und -pasten, Abisolierwerkzeuge und bieten auch Anfertigungen nach individuellem Bedarf. Beispielsweise sind wir die einzige Firma, die ein Klebstoffsystem zur Sicherung des Transports mobiler Bohrinseln anbieten kann. Dieser spezielle Klebstoff wird vor Ort verfüllt und sorgt dafür, dass sich die riesigen Stahlbeine der Plattform während des Transports nicht bewegen und somit auch nicht verformen können. Wir stellen uns auf den jeweiligen Bedarf ein und finden die Lösung - natürlich ist dieses Innovationspotenzial einer unserer Erfolgsfaktoren. Ein zweiter, der nicht zu kurz kommen darf, ist der als familiär zu bezeichnende Zusammenhalt in unserem Unternehmen. Die Hierarchiestufen sind flach; bis auf die jüngeren Mitarbeiter bin ich mit allen per Du. Schließlich tragen wir alle gemeinsam zum Erfolg bei: Schreibt der Außendienstler einen Auftrag, der dann nicht pünktlich und zuverlässig abgearbeitet wird, funktioniert das Ganze nicht. Wir sitzen alle im selben Boot; wer bei uns arbeitet, muss unbedingt teamfähig sein. 

Birgt eine solche Produktvielfalt nicht Risiken? Schließlich haben Sie nicht die Infrastruktur eines Großkonzerns. 

Natürlich gehen wir Risiken ein, allerdings in einem übersichtlichen Maß. Wenn man keine Fehler machen darf, kommt man nicht voran. Sie sind Teil der Weiterentwicklung. Ich spreche nicht von Risiken, die das ganze Unternehmen ins Wanken bringen, sondern von vielen kleinen Schritten. So etablierten wir auch unsere Niederlassungen. Außerdem wird nur ein neues Projekt angegangen, wenn wir uns das leisten können - ohne Kredit. Das entscheide ich nicht allein, es gehen Diskussionen voraus. Beispielsweise spreche ich mit dem Außendienst, denn sie müssen das Produkt letztendlich verkaufen und bringen vor Ort in Erfahrung, was die Kunden benötigen. Wir haben mittlerweile allein in unserer Exportabteilung 24 Mitarbeiter, die 17 Sprachen beherrschen - nur so können wir sicherstellen, dass wir die speziellen Wünsche der einzelnen Märkte verstehen und richtig bedienen. Und daraus entwickelt sich die Produktpalette - immer wieder neu. 

Also versprechen Fehlertoleranz und Mut zum Risiko herausragende Vorteile? 

Das ist in Teilen richtig: Wir produzieren nicht riesige Serien, sondern richten uns auf den jeweiligen Anspruch aus. Stellen wir vor Ort, und ich bin viel bei den Kunden im In- und Ausland, fest, dass eine spezielle Produkteigenschaft benötigt wird, beispielsweise bei einem Klebstoff, dann entwickeln wir die Lösung im eigenen Haus. Wir können schnell reagieren und testen immer wieder neue Felder aus. Darin sehe ich einen entscheidenden Vorteil: Wir sind nicht von einer Branche abhängig, weil wir uns mit unserer Produktausrichtung auf sie eingeschossen haben - und können damit viel Geld verdienen. Wir sind beweglich.  

Sie verfügen über eine starke Marketingabteilung, verzichten aber auf Outsourcing. Warum? 

Heute lösen wir alle anfallenden Marketingaufgaben intern, wir haben sogar bis vor einigen Jahren unsere Etiketten selbst gedruckt. Das konnten wir jetzt mit einer Druckerei optimal lösen. So haben wir alles in einer Hand, können die Konzepte stringent entwickeln und durchziehen. Aktuell optimieren wir den gesamten Online-Bereich, weil die Entwicklung Fahrt aufgenommen hat und noch einiges aufzuholen ist. Sogar das machen wir selbst. 

Sie pflegen eine familiäre Atmosphäre in Ihrem Unternehmen. Wie realisieren Sie das? 

Das geht schon beim Recruiting los: Arbeitszeugnisse interessieren mich nicht, maximal die Schulzeugnisse. Uns kommt es auf die Chemie an - auch in dieser Frage. Es ist durchaus einige Male vorgekommen, dass wir Stellen nach den Personen geschaffen haben, auf die wir getroffen sind. Da bringt einer bestimmte Qualifikationen und Fähigkeiten mit, die zu uns passen könnten - also schaffen wir eine Stelle. Mir ist es wichtig, gut vorbereitet zu sein. Wenn unsere Kunden sich nicht mehr auf unsere Liefertreue verlassen können, und die zeichnet uns neben den Produkteigenschaften vor allem aus, dann machen wir etwas falsch. Auf diese Weise habe ich Personal eingestellt, das nun schon über viele Jahre hier arbeitet; die Fluktuation ist äußerst gering. Ich kann mich darauf verlassen, dass alles planmäßig läuft, ganz unabhängig davon, wo ich gerade bin. Wie sieht denn die Alternative aus? Die Arbeit in einem der großen Konzerne macht Sie zu einer Nummer, die die vorgegebene Strecke im Job zurücklegen muss, ohne nach links oder rechts abzubiegen. Ich wünsche, dass meine Leute nach links und rechts schauen, erkennen, wenn es etwas verbessert werden kann oder eigene Ideen einbringen. Das meine ich mit familiär, meine Tür steht immer offen - ohne Gesprächstermin. 

Sie sehen also in der besonderen Atmosphäre hier im Unternehmen einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren, darüber hinaus in der Fähigkeit, sich mit einem Produkt auf den Kundenwunsch einzustellen. Wie schaffen Sie es aber, die internationalen Märkte auch noch für sich zu erobern? 

Da bleiben wir uns treu: mit Mitarbeitern, die vor Ort Verantwortung übernehmen. Wir bauen keine große Produktionsstätte auf die grüne Wiese, wir haben unsere Standorte in Kanada, der Türkei, Rumänien, Südafrika oder Dubai und Partner in vielen anderen Ländern. Dort agieren unsere Fachleute vor Ort, sie müssen qualifiziert beraten und sich vor allem in die jeweiligen Besonderheiten eines Marktes einfühlen können. Wir gehen weltweit Partnerschaften ein und etablieren darüber hinaus unsere eigenen Ableger. Wichtig ist doch, dass ein solches Engagement sukzessiv aufgebaut wird und Raum zum Wachsen erhält. Nicht alles läuft gleich rund, manches wird wieder aufgegeben, aber wir probieren die Möglichkeiten aus - wie bei unseren Produkten. Diese Flexibilität macht den Unterschied. 

Herr Weidling, vielen Dank für das sehr interessante Gespräch   

 

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