Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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August Storm GmbH & Co. KG

Interview mit Herrn Bernard Storm, Geschäftsführer der August Storm GmbH & Co. KG

Die 1937 gegründete August Storm GmbH & Co. KG ist heute flächendeckend in Deutschland vertreten und einer der größten Servicedienstleister für Motoren und Antriebe in Europa. Rund 300 Mitarbeiter arbeiten im Hauptsitz des Unternehmens in Spelle, den zwei Niederlassungen und 11 Stützpunkten, wo sie ihren Kunden durch intensive Beratung und Betreuung Serviceleistungen für verschiedenste Anlagen bieten. Geschäftsführer Bernard Storm hat schon seit Kindesbeinen die Firmenluft geschnuppert und führt das Unternehmen seit 2002 in dritter Generation. Dr. Stefan Meinsen sprach mit ihm über die rasante Entwicklung des Unternehmens, die Ausbildung von jungen Mitarbeitern und die Unternehmenskultur.

 

Herr Storm, wie erklären Sie sich das rasante Wachstum Ihres Unternehmens in den letzten Jahren? 

Ende der 90er Jahre haben wir erkannt, dass wir im Herzen immer Dienstleister waren. Daher haben meine Eltern das Unternehmen damals konsequent auf Dienstleistung umgebaut und somit lag der Fokus ganz klar auf einer Sache. Dieser Grundsatzentscheidung haben wir im Kern unser stetiges Wachstum zu verdanken. Es ist unheimlich wichtig, die Bedürfnisse und Probleme des Kunden zu verstehen, sie aufzunehmen und dann eine Lösung zu finden. Durch unsere klare Strategie war und ist es uns möglich, uns voll und ganz auf den Kunden zu fokussieren und ihn sowohl kurzfristig, aber vor allem langfristig zu unterstützen. Wir gehen mit unseren Kunden also eine Art Betreuungsverhältnis ein und bieten ihnen wirklich intelligente, präventive Instandhaltungsprogramme an.  

Ich kann mir vorstellen, dass dadurch eine intensive Zusammenarbeit der verschiedenen Unternehmensbereiche notwendig wird. 

Das ist richtig. Wir reden immer von einer Innen- und einer Außentruppe. Jeder im Unternehmen hat seine Aufgabe und jede Aufgabe ist gleich wichtig. Dass derjenige, der einen Auftrag entgegen nimmt intensiv mit demjenigen, der hinterher den Motor repariert, zusammenarbeiten muss, ist selbstverständlich. Das birgt natürlich auch einige Herausforderungen, denn wie jedes Unternehmen haben auch wir Hierarchiestufen. Allerdings haben wir die Berührungsängste bei uns reduziert und setzen ganz klar auf Kommunikation, denn die Information des Kunden muss eins zu eins über mehrere Mitarbeiter koordiniert werden. Denn wenn ein Kunde zufrieden ist, ist er für uns der wichtigste Vertriebler. 

Wie schaffen Sie es, die Berührungsängste im Unternehmen zu reduzieren? 

2002 haben wir uns dazu entschlossen, im Unternehmen konzentriert selber auszubilden, sodass wir 2004 erstmalig die von uns angestrebte Ausbildungsquote von 15 Prozent erreichen konnten. Um einen Erfolg und ein Wachstum herstellen zu können, müssen wir uns selbst um den Nachwuchs kümmern und daher gestalten wir die Ausbildungen im Betrieb eigenständig und sehr effektiv, sodass diesen Barrieren schon möglichst früh entgegen gewirkt wird. Ein Industriekaufmann, den wir im Büro ausbilden, muss im Laufe seiner Ausbildung auch eine gewisse Zeit im Betrieb verbringen beziehungsweise Auszubildende aus dem Betrieb müssen natürlich auch bestimmte administrative Vorgänge kennenlernen, damit sie auch diese verstehen.  

Was macht ihr Unternehmen für Auszubildende attraktiv? 

Wenn man ein gutes Ausbildungsprogramm hat und dieses entsprechend präsentiert, ist es gar nicht so schwierig, junge Auszubildende zu gewinnen. Da wir in eine wirtschaftlich starke Region eingebettet sind, ist es wichtig, sich in diesem Wettbewerb um junge Mitarbeiter erfolgreich zu präsentieren. Wir haben schon relativ früh Kooperationen mit Berufs-, Haupt- und Realschulen abgeschlossen. Mittlerweile versuchen wir auch Schüler der 8. und 9. Klasse eines Gymnasiums im Rahmen der ersten Betriebspraktika auf uns aufmerksam zu machen und sie für uns zu interessieren. Die Veranstaltungen in den Schulen werden zum größten Teil von bestehenden Auszubildenden durchgeführt, da diese die Sprache der Schüler sprechen und für sie am glaubwürdigsten sind.  Außerdem ist es uns sehr wichtig, auch die Familie der jungen Mitarbeiter mit einzubinden und daher richten wir mindestens einen Termin aus, zu dem auch die Eltern eingeladen sind, damit wir uns auch bei ihnen vorstellen können. 

Sie sind ehrenamtlich sehr engagiert. Wirkt sich dieses Engagement auf die Unternehmenskultur aus? 

Eher umgekehrt: Die Kultur im Unternehmen schlägt sich auf die Mitarbeiter und natürlich dementsprechend auf mich nieder. Es gibt viele Mitarbeiter, die ehrenamtliche Tätigkeiten übernommen haben. Das ist natürlich etwas, was wir bei STORM ausdrücklich fördern. Ehrenamt ist immer eine Bereicherung für jeden individuell. Für mich persönlich ist es wichtig, um auch andere Probleme zu sehen oder auch Probleme einfach mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Deswegen sind zum Beispiel die IHK oder der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Institutionen, bei denen ich mich am stärksten engagiere, um mit anderen Unternehmern hier im Bezirk in Kontakt zu kommen und verschiedene Herausforderungen in unterschiedlichen Unternehmen kennenzulernen.  Auf der anderen Seite ist Ehrenamt für mich natürlich auch immer in gewisser Weise eine Selbstverständlichkeit. Man hat sich ja durch verschiedene Personen, die einen ein Leben lang begleitet haben, selber entwickeln können. So hat man etwas bekommen und das möchte ich auch gerne zurückgeben. 

Das Unternehmen wurde über zwei Generationen von Frauen geführt. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass STORM sich mit großen, schweren Motoren beschäftigt.  

Ich verfolge die aktuelle Debatte über Frauen in Führungspositionen mit großem Interesse und finde es gut, dass es da Regelungen gibt. STORM hat sehr erfolgreiche Zeiten unter der Führung von Frauen gehabt. Aus unserer Sicht braucht ein Unternehmen nicht den Lenker, der mit dreckigen Händen am Motor steht. Das Unternehmen braucht eine Führungskraft, die das Unternehmen leitet, die dafür sorgt, seine Mitarbeiter und seine Kollegen so zu fördern, dass sie dementsprechend ihre Arbeit besser machen können. Es ist ein wichtiger Teil des Erfolges, nicht im Detail drin zu stecken und sich darin zu verlieren, sondern das Ganze zu betrachten. Ich denke, das haben meine Großmutter und meine Mutter wirklich bravourös bewiesen. 

Was sind für STORM die nächsten Schritte, die Herausforderungen für die Zukunft? 

Die größte Herausforderung ist es, tagtäglich noch näher an unsere Kunden heran zu rücken, insbesondere in Deutschland und den Nachbarländern. Das heißt, wir werden dieses dezentrale Servicenetz mit den verschiedenen, regional verteilten Niederlassungen weiter ausbauen. Nichtsdestotrotz haben wir jetzt ganz klar unser Augenmerk auch auf das internationale Geschäft gelegt, insbesondere auf Mittelosteuropa, England, aber auch Skandinavien. Mittlerweile starten wir auch mit zarten Ansätzen in den USA und in Kanada, was für unser Kerngeschäft ein sehr schöner Markt ist. Wichtig ist es uns dabei allerdings, hier nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Wenn wir internationalisieren, internationalisieren wir immer mit lokalen Paten, d.h. mit Unternehmen, die bereits in dem Land tätig sind, Seite an Seite, auf Augenhöhe und gemeinsam.  

Herr Storm, ich bedanke mich für das ausgesprochen interessante Gespräch!

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