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31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
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dm-drogerie markt GmbH + Co. KG

Interview mit Herrn Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäftsführung  dm-drogerie markt GmbH + Co. KG 

Der Drogeriemarkt dm ist mit 1700 Filialen deutschlandweit vertreten. Mit 36.000 deutschen und 52.000 Mitarbeitern insgesamt hält das Unternehmen die umsatzstärkste Position am Markt. Diese soll in Zukunft vor allem durch weitere Investitionen gesichert werden. Dr. Stefan Meinsen sprach mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung Erich Harsch über die Entwicklung des Einzelhandels und den besonderen Spirit innerhalb des Unternehmens, der vor allem durch flache Hierarchien geprägt wird.  

 

Wie interpretieren Sie Ihre Rolle als Vorsitzender der Geschäftsführung bei dm?

Als Geschäftsführer ist es nicht der Anspruch in jeder Diskussion und Besprechung aktiv teilzunehmen. Es geht darum als moderatives Element an den Prozessen mitzuwirken. Es sollte nicht darauf ankommen, sich selbst zur Geltung zu bringen. Vielmehr ist es meine Aufgabe, Rahmenbedingungen für die Entwicklung eines sozialen Organismusses zu gestalten, in dem unsere Mitarbeiter ihre Qualitäten am besten zum Ausdruck bringen können. 

Sie wurden von einer Tageszeitung einmal als Kuschelkonzern beschrieben. Was halten Sie von dieser Beschreibung?

Diese Aussage kann ich so nicht bestätigen. Tatsächlich ist dieser Blick nicht zutreffend und widerspricht der gelebten Realität in unserer Unternehmenskultur. Bei dm setzen wir darauf, unseren Mitarbeitern ein möglichst hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit zu übertragen. Wir arbeiten ohne Budgetvorgaben, und weitestgehend auch ohne Vorgesetztenanweisungen. Wenn es um Hierarchien geht sprechen wir lieber von Verantwortungsebenen. Allein deshalb sehen wir uns allerdings nicht als Kuschelkonzern. Eher das Gegenteil ist der Fall. Gäbe es eine Position, von der aus alle Entscheidungen getroffen werden, wäre es für jeden Mitarbeiter einfacher dieser Entscheidung zu folgen. So ist es eine große Aufgabe, die verschiedenen Ansätze gemeinsam zu diskutieren und eine gemeinsame Lösung zu entwickeln. Und das ist oft auch anspruchsvoll in der Auseinandersetzung, statt kuschelig. 

Können Sie diesen Führungsansatz noch genauer beschreiben? 

Natürlich gibt es auch bei uns Führungskräfte, dm hat allein 1700 Filialleiter. Deren Aufgabe ist es, ein soziales Zusammensein zu ermöglichen, in dem kollegiae Begegnung ‚auf Augenhöhe‘ stattfindet. Wir nennen dies dialogische Kultur. Die eigene Machtposition sollte nicht an erster Stelle stehen. Vielmehr steht ein kooperatives Zusammenarbeiten im Vordergrund. Dieser spezielle Umgang untereinander wird natürlich auch von unseren Mitarbeitern gespürt. Der zentrale Punkt ist, Möglichkeiten zur Bewusstseinsentwicklung unserer Mitarbeiter zu schaffen. Bestimmte Mechanismen sind dennoch vorhanden. Es ergäbe wenig Sinn, wenn jede Filiale z.B. ihr eigenes Kassensystem entwirft. Dennoch ersetzen wir möglichst konsequent Regelungen durch Vereinbarungen und Empfehlungen. Diese werden von Spezialisten erarbeitet und anerkannt. Eine Empfehlung zu hinterfragen ist aber jederzeit zulässig und zeugt von Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit. Dieser andauernde Prozess prägt unser Miteinander.     

Wie schaffen sie es neue Mitarbeiter in die Unternehmenskultur zu integrieren?

Im Gegensatz zu früher ist es heute deutlich einfacher geworden, Mitarbeiter für diese Form der Arbeit zu integrieren. Die spezielle Form der Zusammenarbeit ist etabliert und sozusagen systemimmanent und selbsttragend. Jeder Mitarbeiter ist in der Lage, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen gilt es zu stärken, um so die verschiedenen Qualitäten einzubeziehen. Je mehr Qualitäten eingebracht werden, umso mehr profitiert das Unternehmen.   

Wie schätzen Sie Ihre aktuelle Situation am Markt ein?

Momentan gibt uns der Erfolg Recht. Die Kunst liegt darin, das Unternehmen zu entwickeln. Es besteht immer die Gefahr stehen zu bleiben. Deshalb setzen wir darauf Veränderungen in unsere Kultur zu integrieren. Situatives Handeln, neue Herausforderungen meistern und für Neues offen sein hält jung. Erfolg birgt immer die Gefahr satt zu sein, daraus folgt Trägheit und teilweise auch Überheblichkeit. Wir versuchen diesen Prozess gar nicht erst aufkommen zu lassen. Durch ein gutes Betriebsklima mit vielen Mitwirkungsmöglichkeiten bleiben wir agil. Ein Kreativitätsproblem haben wir nicht.  

Welche weiteren Aspekte beeinflussen den Erfolg von dm?

Unser Erfolg basiert auf unseren Mitarbeitern. Darüber hinaus folgen wir dem Grundsatz, in erster Linie an Leistungsmanagement und Investitionsmanagement zu denken, anstatt das Kostenmanagement in den Mittelpunkt zu stellen. Kostenmanagement alleine reicht nicht aus um ein Unternehmen langfristig erfolgreich zu führen. Eine aufs Sparen reduzierte Haltung steht meist einer guten Entwicklung im Wege. Überspitzt gesagt wird an den allermeisten Stellen Kostenmanagement erst notwendig, wenn versäumt wurde, Überschüsse für sinnvolle Zukunftsinvestitionen zu verwenden.  

Was sind die größten Herausforderungen für Unternehmen in der Zukunft?

Neben der sozialdemografischen Entwicklung ist besonders die Digitalisierung und die Vernetzung der Märkte eine Herausforderung. Die verschiedenen Branchen werden sich durch Online-Einkauf unterschiedlich entwickeln, wodurch sich auch ganze Innenstädte verändern werden. Deshalb müssen sich Unternehmen an die neuen Gegebenheiten des digitalen Zeitalters anpassen.  

Herr Harsch, ich bedanke mich ganz herzlich für das interessante Interview!

 

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