Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

mehr lesen 

 

 

 

SHOEPASSION.COM

Interview mit Herrn Tim Keding, Geschäftsführer von SHOEPASSION.COM

Der Online-Shop Shoepassion.com hat sich durch den Verkauf von rahmengenähten Schuhen seit 5 Jahren im Online-Handel etabliert. Das mit eigenen finanziellen Mitteln in Berlin gegründete Start-Up steht davor in den klassischen Einzelhandel einzusteigen. Geschäftsführer Tim Keding hat seine Leidenschaften in dem Unternehmen, das mittlerweile 50 Mitarbeiter beschäftigt, verwirklicht. Dr. Stefan Meinsen sprach mit ihm über die rasante Entwicklung des Internethandels, Unterschiede zum herkömmlichen Schuhhandel und den Möglichkeiten, die sich in Zukunft ergeben, wenn beide Welten miteinander verschmelzen.

Herr Keding, wie sind Sie auf die Idee gekommen Shoepassion zu gründen?

Meine Leidenschaft für Schuhe und das Interesse im IT-Bereich, das ich durch ein Studium im Electronic Business vertieft habe, sind das Fundament für Shoepassion.  Aus dem Gedanken, beide Felder zu verknüpfen, ist schließlich die Idee entstanden. Mein Interesse ist es unternehmerische Abläufe informationstechnisch umzusetzen. Der Online-Handel entspricht daher genau meinen Vorstellungen und gibt mir die Möglichkeit meine Interessen zu verbinden.  

Welche Voraussetzungen sind neben der Leidenschaft noch nötig gewesen um ein Start-Up zu gründen?

Durch meinen früheren Mitbewohner, den ich in den USA kennen gelernt habe, hat sich mir die Möglichkeit geboten Schuhproduktionen in der Türkei zu besichtigen. Diese Gelegenheit haben mein Geschäftspartner Henry Bökemeier, der meine Leidenschaften für Schuhe teilt, und ich natürlich genutzt. Die Idee einen Online-Schuhhandel zu kreieren hat sich dadurch weiterentwickelt. Rückblickend hatte ich zudem immer das Ziel mich selbstständig zu machen. Mögliche Stolpersteine habe ich meist ausgeblendet und jede Gelegenheit genutzt um neue Kontakte zu knüpfen. 

Was waren Ihre ersten Schritte in der Start-Up Szene?

Nach dem Studium habe ich 2008 die mittlerweile größte Jobbörse für Absolventen und junge Akademiker – Absolventa – mit aufgebaut.. Als Gesellschaftler habe ich dort tiefe Einblicke in die Start-Up-Welt bekommen. Parallel zur Arbeit bei Absolventa wurde nach Feierabend weiter am Konzept Shoepassion gefeilt. Dieses wurde stetig weiterentwickelt, mit dem Wissen, dass es eine langsamere Entwicklung wird, da keine Investoren erwünscht sind. Irgendwann hat Shoepassion dann die Arbeit bei Absolventa komplett abgelöst. 

Wie haben Sie die Zeit während der Gründung erlebt?

Zu Beginn war zunächst sehr entscheidend, dass das Konzept steht. Wir waren von der Idee absolut überzeugt und haben, wie gerade angedeutet, darauf verzichtet Fremdkapital zu nutzen. Henry Bökemeier und ich haben also eigene finanzielle Mittel aufgebracht. Damit haben wir eine tolle Website und die Kollektion bestehend aus 23 Modellen kreiert. In diesem Moment kommt natürlich das Gefühl auf, dass es jetzt aber auch klappen müsse. Das Geld war investiert und die Website online, es konnte losgehen.   

Wie würden Sie Ihr Erfolgsrezept beschreiben?

Ein genaues Rezept gibt es nie. Bei uns haben allerdings die einzelnen Faktoren gestimmt. Der wichtigste Faktor für den Erfolg ist unser Konzept. Unser erster Kunde hat zum Beispiel später berichtet, dass ihm unsere Schuhmarke sehr etabliert erschien. Generell muss festgehalten werden, dass wir am deutschen Markt zu den ersten gehörten, die hochwertige, rahmengenähte Schuhe im Direktvertrieb über das Internet anboten Jeder kennt eine große Anzahl an Turnschuhmarken. Wenn es um klassische hochwertige Schuhmarken geht, fällt es schon schwerer verschiedene Marken zu benennen. Das haben wir erkannt und unsere eigene Marke etabliert. Der große Vorteil an unseren Produkten ist das Preis-Leistungsverhältnis. Extravagante, hochqualitative Schuhe sind meistens überteuert. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Als wir bemerkt haben, wie groß der Unterschied zwischen Produktionspreis und Verkaufspreis ist, haben wir entschieden, den klassischen Zwischenhandel zu überspringen. Wir wollen hochwertige Schuhe zu vergleichsweise günstigen Preisen anbieten.  

Sie haben mittlerweile 50 Mitarbeiter. Wann kommt der Punkt, an dem man nicht mehr alles selber machen kann?

Diesen Punkt habe ich persönlich bisher nicht erreicht. Natürlich gibt es das Bild vom Unternehmer, der mehr am Unternehmen als im Unternehmen arbeiten soll. Wir sind aber immer noch ein Start-Up und das machen wir unseren Bewerbern und Mitarbeitern auch klar. Bei uns kann man sich nicht verstecken. Es geht darum Mitarbeiter zu finden, die sich bei uns verwirklichen wollen. Diese Möglichkeit möchte ich dem Team gerne geben. Sich aus dem Tagesgeschäft herauszuhalten gelingt mir dabei eher selten. Ich stecke in vielen Dingen drin und arbeite auch sehr gerne im Unternehmen. 

Wie geht es mit Shoepassion weiter. Was sind die nächsten Herausforderungen und Wachstumsschritte die Sie gehen wollen?

Wir haben uns mittlerweile im Online-Handel etabliert. Für uns ergibt sich momentan eine neue Herausforderung, indem wir die, wie wir sie gerne nennen, „Offlinewelt“ betreten haben. Wir stehen vor einem großen Wandel, der sich bisher erst langsam angedeutet hat. Es wird meiner Ansicht nach eine völlige Umstrukturierung des Handels geben und da können wir unseren Teil beitragen. Insgesamt ist erkennbar, dass es in Zukunft immer mehr darum gehen wird, die verschiedenen Kanäle zu verknüpfen. Unsere Ausgangsposition ist dabei sehr gut, weil wir die Verändernden sind. Wir müssen uns nicht verbiegen um mit den Veränderungen umzugehen. Bei uns geht es eher darum, die richtige Dosierung zu finden. Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Wachstumsfelder mit dem richtigen Wachstumstempo anzugehen. 

Sie haben drei Ladengeschäfte, je eins in München, Berlin und Hamburg. Welche Strategie steckt hinter dem Schritt in den traditionellen Einzelhandel einzusteigen und wo liegen die Stolpersteine?

Meiner Meinung nach muss in Zukunft die Online- und Offlinewelt professionell verknüpft werden. Es geht vor allem darum, dem Kunden unsere Produkte näher zu bringen. Es gibt viele Menschen, die dem Online-Handel nicht vertrauen oder die bestellten Waren Zuhause anprobieren und im Zweifel zurück schicken. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Es geht aber auch nicht darum in jeder Stadt mit einem Laden vertreten zu sein. Es soll lediglich die Möglichkeit bestehen sich das Produkt persönlich anzuschauen. Der Kunde kann dann von den gewonnenen Eindrücken profitieren. Er kennt seine Größe, kennt die Qualität und kann in Zukunft auch problemlos bei uns online bestellen. Als Internethändler in den analogen Handel zu wechseln ist mit Sicherheit einfacher als andersrum. Viele Dinge wie die Warenlogistik, der Einkauf und das Controlling lassen sich mehr oder weniger übertragen. Andersherum fällt es dem traditionellen Handel weitaus schwerer das nötige Know-how für den online-Bereich aufzubringen. Das liegt vor allem am Fachkräftemangel und der fehlenden Internetaffinität. Als Start-Up aus diesem Bereich haben wir eine Menge Vorsprung und können mit neuen Ideen den offline-Handel verändern. 

Welchen Weg möchten Sie in Zukunft mit dem stationären Handel einschlagen und welchen Einfluss hat Ihr online-Background darauf?

Unsere Affinität zur Technik wird auch unseren stationären Auftritt beeinflussen.  Internethändler, die in den Offline-Markt einsteigen, haben eine ganz andere Art und Weise mit den Dingen umzugehen und somit auch die Möglichkeit den Wandel mit zu gestalten. Beispielsweise wollen wir interaktive Schaufenster schaffen, die mit dem Kunden, der sich das Fenster anschaut, über Gesten kommunizieren kann. So könnten zum Beispiel durch Gestensteuerung verschiedene Produkte angezeigt werden. 

Herr Keding, ich bedanke mich ganz herzlich für das interessante Interview!

 

Große Hamkenstraße 32 | 49074 Osnabrück | Fon: 0541 - 35 73 99 - 0 | Fax: 0541 - 35 73 99 5    essenzio Beratungsgesellschaft mbH   essenzio Beratungsgesellschaft mbH