Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
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SQ Freienohl GmbH & Co. KG

Yvonne Stella, Geschäftsführerin der Yachtmanufaktur SQ Freienohl

Als vor zwei Jahren der renommierte Yachthersteller Dehler aus Freienohl im Sauerland nach 50 Jahren seine Tore schloss, vertraute das Gros der Mitarbeiter seinem Können, blieb am alten Standort und gründete dort die Yachtmanufaktur SQ Freienohl. Weder die Tatsache, dass das Sauerland nicht als die Wiege des Schiffsbaus in Deutschland gilt, noch die Herausforderungen, die mit der Produktion eines Luxusgutes einhergehen, konnten die engagierten Mitarbeiter von ihrem Vorhaben abbringen. Uwe Horstmann sprach mit Yvonne Stella, Geschäftsführerin der Yachtmanufaktur SQ Freienohl, über wahnsinnig motivierte Mitarbeiter und den Firmenspirit von Willi Dehler.
 

Frau Stella, würden Sie kurz die Wandlung vom Schiffbauer Dehler in die Yachtmanufaktur SQ Freienohl umreißen?  

Die Produktion der Firma Dehler wurde am Standort Freienohl im September 2012 geschlossen. Um handlungsfähig zu bleiben und natürlich in der Hoffnung, dass es weiter geht, gründeten einige Mitarbeiter eine Personengesellschaft. Zum Glück gab es die Zusage des Vermieters, dass die Winterlagerhalle vorübergehend genutzt werden konnte. Der Herbst und Winter wurde durch Reparaturen einiger gebrauchter Dehler Yachten überbrückt. Im Herbst wurden bereits mit einigen unserer jetzigen Kunden Gespräche geführt und es fanden bereits Gespräche mit den jetzigen Gesellschaftern statt. 

Was war das Schwierigste am Neustart? 

Die Herausforderung am Anfang war ganz klar das kleine Zeitfenster: die Düsseldorfer Messe stand an und wir mussten im Vorfeld alles Organisatorische klären, angefangen von den Arbeitsverträgen, Telefon- und Internetzugang, Bankverbindung, etc. – eben diese Dinge, die bei der Neugründung eines Unternehmens erledigt werden müssen – terminlich war es nur etwas unglücklich. 

Welchen Herausforderungen mussten Sie sich in der ersten Zeit stellen? 

Die ersten Aufträge waren ein Balanceakt, da die Werft nun eine ganz andere Struktur hatte und wir uns auf Einzelbauten- und Kleinserien spezialisierten. Komplexer wurde es auch durch den Versuch, die einzelnen Ideen der Gesellschafter unter einen Hut zu bringen. Leider war dies nicht möglich, so dass ein Gesellschafter ausgeschieden ist.   Schwierigkeiten machte uns auch die Logistik. Das Gelände und die Hallenflächen sind für unsere ca. 30 Mitarbeiter viel zu groß. Aktuell ziehen wir jetzt mit der Verwaltung, der Montage und der GFK-Produktion in eine angrenzende Halle – dadurch sparen wir viel Zeit bei den Wegen und natürlich auch Energiekosten. 

Wie konnten Sie sich in der Anfangszeit persönlich motivieren? 

Der Yachtmarkt ist seit Jahren sehr anspruchsvoll, aber es gibt wie in jeder Branche Kunden, die Individualität und Qualität zu schätzen wissen und auch bereit sind dafür zu zahlen. Wir sehen SQ Freienohl als absoluten Premiumhersteller – unsere Mitarbeiter können gar nicht anders als gut! Planen wir z.B. ein Boot auf der Messe zu präsentieren, muss ich die Mitarbeiter fast schon von Deck schieben, so perfekt möchten sie ‚ihr’ Boot dort präsentiert sehen – da merkt man noch den Geist von Willi Dehler. Die Kollegen sind zum Teil über 40 Jahre dabei und nehmen Ihre Tätigkeit sehr ernst. Diese Erfahrungen spiegeln sich in unseren Produkten wider. Auch als klar war, dass das Werk schließen wird, haben die Kollegen die Schiffe vertragsgemäß zu Ende gebaut - das ist echte Verantwortung für das Produkt und das honorieren die Kunden jetzt. Dieser positive Firmenspirit ist natürlich eine große Motivation. 

Wie erklären Sie sich diese Leistungsbereitschaft, mit denen Ihre Mitarbeiter an die Arbeit gehen - dass Sie sie zum Teil eher bremsen als pushen müssen? 

Ich glaube die Identifikation mit dem Produkt und mit der Werft - das ist der Knackpunkt. Die Handwerker mögen Ihre Arbeit und nehmen Ihre Verantwortung am Endprodukt sehr ernst. Bei Yachten spielt Verantwortung eine sehr große Rolle – am Ende auf hoher See ist man auf das Boot und seine richtigen Funktionen angewiesen und es gibt keinen Standstreifen. Unsere Mitarbeiter sind die Crème de la Crème der ehemaligen Firma Dehler, ohne ihr Know-how hätten wir das Projekt SQ Freienohl nicht gestartet. Weiter ist natürlich auch die Denkweise „Jetzt erst recht!“ ein Ansporn.  

Die Yachtmanufaktur SQ Freienohl ist jung und gleichzeitig schon lange auf dem Markt. Konnten Sie die alten Dehler-Vertriebskanäle wieder reaktivieren? 

Das war nie unsere Absicht, da das Konzept der Werft ein völlig anderes ist, als es bei Dehler war. Wir produzieren und vertreiben zur Zeit nur ein Modell, insofern macht ein Händlernetz keinen Sinn und würde nur die Vertriebskosten in die Höhe schrauben. Da unser Verkaufsgebiet zu 80% aus Deutschland, Österreich, Schweiz und den Niederlanden besteht, können wir den Vertrieb direkt betreuen. Drei SQ25 sind bereits an strategisch günstige Orte verkauft: eins ist in die Schweiz, eins an die Ostsee, eins an den Bodensee. Der Clou ist, dass z.B. der Schweizer Eigner sich für ein Jahr bereit erklärt hat, Interessenten sein Schiff vorzuführen. Für uns perfekt – denn wer verkauft besser als ein zufriedener Eigner?  

Wie findet die Kontaktaufnahme zum Interessenten statt, d.h. wie gestaltet sich der tatsächliche Markt, an dem Käufer und Verkäufer aufeinander treffen? 

Normalerweise entsteht der Kontakt beim Verkauf von Yachten noch immer auf einer Messe. Man verabredet sich dann zum Probesegeln und/oder zu einer Werftbesichtigung. Natürlich kontaktieren uns potenzielle Käufer auch auf Grund von Testberichten in Fachzeitschriften oder durch Internetrecherche – der überwiegende Teil der Kunden kommt aber zur Messe. 

Eine alte Marketingregel lautet: ‚Gehe mit einem neuen Produkt spitz in den Markt. Sei kein "Bauchladen".Was ist Ihre Spitze? Was ist das Besondere an der Yachtmanufaktur SQ Freienohl? 

Was uns einzigartig macht ist, dass wir die einzige Werft in Deutschland sind, die noch handwerklich in Kleinserie fertigt und auch die GFK-Fertigung im Hause macht. Vom Rohstoff zum fertigen Schiff – das finden Sie nur bei uns. Wir können die Erfahrung aus dem Serienbau in die Einzel- und Kleinserienfertigung übernehmen und das gibt die Möglichkeit individuell und flexibel zu bauen. Der Kunde schätzt es, wenn "Made in Germany" zu sehen und zu spüren ist. Unsere Kunden können jederzeit Ihr Boot anschauen, sie können mit den Handwerkern sprechen und die Produktion begutachten – das schafft Vertrauen.  

Gibt es aus Ihrer Sicht einen Tipp, den Sie Managern in Ihrer Situation geben möchten? Jemandem, der fremd in ein Unternehmen kommt und es zunächst aufbauen muss? 

Die Freude an Herausforderungen ist essenziell – das gilt für alle Manager. Ein gutes Nervenkostüm und einen ausgeprägten Realitätssinn –  in kleinen Schritten stetig voran zu gehen – zumindest in der Yachtbranche geht es nur so.

Frau Yvonne Stella, vielen Dank für das interessante Gespräch!
 

 

 

 

 

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