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31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
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WSO Sicherheitsdienst GmbH

Interview mit Herrn Axel Mauersberger, Geschäftsführer der WSO Sicherheitsdienst GmbH

 

Seit über 20 Jahren sind sie aus dem Osnabrücker Stadtbild nicht mehr wegzudenken – die Männer und Frauen mit den WSO-Westen, die für Sicherheit in der Innenstadt sorgen und für Fragen und Auskünfte zur Verfügung stehen. WSO das steht für die „Wach- und Schließgesellschaft Osnabrück“. Dieses traditionsreiche Unternehmen schaut auf über 60 Jahre Qualität in der Sicherheitsbranche rund um Osnabrück zurück. Mittlerweile beschäftigt das mittelständische Unternehmen 350 Mitarbeiter. Dr. Stefan Meinsen sprach mit Herrn Axel Mauersberger über die spannenden ersten Jahre sowie den Spagat zwischen Tradition und Technik. 

 

Herr Mauersberger, als in den 40er Jahren Deutschland in die Knie ging, schaute Ihr Großvater nach vorn und gründete ein Unternehmen. Mögen Sie kurz skizzieren, wie es dazu kam?

Mein Großvater war leitender Polizeidirektor von Minden und wurde 1933 wegen ‚politischer Unzuverlässigkeit’ mit Mitte 40 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt – mit zwei kleinen Jungs und als Alleinernährer eine Katastrophe. Aber er steckte den Kopf nicht in den Sand und schaute gezielt nach seinen Optionen. Damals gab es die Wach- und Schließgesellschaften, die geleitet wurden von höheren Polizeibeamten. Dort fasste er wieder Fuß als Angestellter im privaten Sicherheitsgewerbe. Als 1943 viele dachten, der Krieg wäre bald vorbei, ließ er die „WEDO-Wachdienst Osnabrück GmbH“ eintragen und machte sich somit selbständig. Im Herbst 1945 wurde diese  in die „Wach- und Schließgesellschaft Osnabrück“ umfirmiert und die eigentliche Firmengeschichte begann.


Was waren typische Meilensteine in der Historie Ihres Unternehmens?

In den 50er und 60er Jahren war die WSO ein ganz klassisches Bewachungsunternehmen mit ‚Wachmännern’, wie es damals hieß. Es gab Aufträge aus öffentlicher Hand z.B. die Bewachung von Fahrradparkplätzen. Ende der 60er Jahre besuchte mein Vater die USA, aus der er elektronische Alarmanlagen mitbrachte. In derselben Zeit kam auch das Thema Geldtransporte auf, das wir eine lange Zeit bedienten. Ab Mitte der 60er revolutionierte die Technik unser Gewerbe: wir hatten z.B. statt eines Dienstfahrrades ein Fahrzeug – einen Käfer – zur Verfügung – etwas später sogar mit Funk, so dass wir unterwegs Kontakt halten konnten. In  den 70ern stellten wir dann den ersten Techniker ein. Damit waren wir die ersten in der Region Osnabrück, die moderne, technische Angebote machen konnten.

Der aktuelle Markt für Sicherheitsdienstleistungen ist bestimmt ein anderer, wie der zur Zeiten Ihres Großvaters - wie begegnen Sie den wachsenden und komplexer werdenden Anforderungen der Kunden?

Wir sind unserer Kernkompetenz treu und bleiben Anbieter von Sicherheitsdienst und Sicherheitstechnik. Über Jahrzehnte diesen Spagat – das ist ein Stückweit unser Erfolgsrezept. Immerhin bedeutet Sicherheitsdienst und -technik aus einer Hand immer ein Kompetenzplus gegenüber dem Wettbewerb. Im Beratungsgespräch haben wir immer zwei Perspektiven im Blick und können dem Kunden den sinnvollsten Mix anbieten. Dabei üben wir nicht alle Dienstleistungen aus unserer eigenen Hand aus. Wir sind in Netzwerken organisiert, so dass wir komplexe und vielschichtige Aufträge annehmen können und unter Umständen Teile davon an langjährige Subunternehmer weiter vergeben. Zum Thema Netzwerk: die WSO ist z.B. auch für viele Kollegen ein kompetenter Dienstleister: wir haben mittlerweile rund 6.000 Objekte bundesweit, deren Alarme bei uns zusammenlaufen.

Interessant ist, dass in Deutschland der Bedarf an Sicherheit stetig steigt. Logischerweise sprießen immer mehr Anbieter aus dem Boden, die oft über den Preis den Markt aufzurollen versuchen. Über den Preis verkaufen wir nicht – wir bedienen die Qualitätsschiene. Unsere Branche ist extrem von der Qualität, d.h. Ausbildung und Zufriedenheit der Mitarbeiter abhängig.

Wie konnten Sie Markteinbrüche wie z.B. nach dem Heros-Skandal (Anm. d. Red.: Unternehmen für Geldtransporte, veruntreute in den 2000er Jahren über ½ Milliarde Euro) auffangen?

Ganz klar hat uns unser jahrzehntelang gehegtes und gepflegtes Renommee aufgefangen. Dadurch, dass wir schon früh mit modernster Technik gearbeitet haben, bekam unser Unternehmen schnell einen anderen Anstrich als der klassische Wachdienst.

In Ihrer Branche ist Vertrauen das A und O. Woran machen Sie fest, dass Sie das Vertrauen Ihrer Kunden genießen?

Zum einen sind wiederkehrende Aufträge ein Indiz dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Einen Auftrag als Sicherheitsdienstleister zu bekommen ist ein Vertrauensvorschuss. Natürlich gibt es Unternehmen, die versuchen, den Markt über den Preis zu erobern. Aber das ist nicht das Kriterium, anhand dessen ein Sicherheitsdienstleister ausgewählt werden sollte. Vertrauen muss man sich erarbeiten. Dafür braucht es viel Zeit und Kontinuität, gerade auch bei leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Des Weiteren treten Vorstände, Geschäftsführer oder Gesellschafter oft privat an mich heran und lassen sich in heiklen Sicherheitsfragen beraten. Das ist für mich das Zeichen, dass wir es richtig machen. Sicherheit ist eine Vertrauenssache und da bin ich augenscheinlich  eine Identifikationsfigur des Unternehmens.

Was sehen Sie als größte Herausforderung für Ihr Unternehmen in den nächsten 3-5 Jahren?

Eine große Herausforderung ist ganz klar der Fachkräftemangel. Wir hoffen, dass wir unser Unternehmen  so interessant gestalten können, dass sich Fachkräfte bei uns wohl fühlen,  wir uns als Arbeitgeber vom Wettbewerb abheben und wir wie gehabt unsere hochqualitative Sicherheitsdienstleistung anbieten können. Das Bemühen um Arbeitnehmer wird zukünftig eher aufwändiger sein als das um neue Kunden. Weiter sind wir Sicherheitsdienstleister klassische Mittelständler - der wachsende Konzentrationsprozess in Deutschland wird unserer Branche nicht gut tun.

Sie erwähnten den Fachkräftemangel – diese beunruhigende Veränderung im Mitarbeitermarkt betrifft viele Branchen. Wie versuchen Sie, bestehende Mitarbeiter an sich zu binden?

Früher wurde der Beruf ‚Wachmann’ oft erst als zweite Option im Leben ergriffen. Das war dann z.B. der kräftige Maurer, der seine Tätigkeit nicht mehr ausüben konnte und sich dann als Wachmann eine zweite Existenz aufgebaut hat. Dem ist heute nicht mehr so. Auf Grund der hohen Komplexität und notwendigen Flexibilität gepaart mit Technikwissen kann die Tätigkeit nicht mehr nebenher und/oder durch reine Präsenz ausgeübt werden.

Zum Thema Mitarbeiterzufriedenheit kann ich stolz behaupten, dass wir nur selten einen Mitarbeiter an die Konkurrenz verloren haben. Eher andersherum: einige unserer Mitarbeiter kamen von anderen Wach- und Sicherheitsunternehmen. Der Grund mag sein, dass wir ein Unternehmen mit einem guten Betriebsklima sind, wir haben seit Mitte der 90er einen Betriebsrat und wir waren im Bereich Löhne immer sehr tariftreu bzw. zahlen über branchenüblichem Durchschnitt.

Wie gelingt es Ihnen, diese beiden Punkte zu verknüpfen? Eine gute Stimmung im Unternehmen ist wichtig – im Endeffekt schaut der Kunde aber auf den Preis.

Wir finden interessanterweise in jüngster Zeit immer offenere Ohren und Verständnis beim Kunden, dass wir angemessen entlohnen und sich so ein höherer Gesamtpreis ergibt. Der Kunde erfährt dadurch ein Sicherheitsplus: wir stellen ihm nicht alle zwei Monate einen neuen Mitarbeiter zur Verfügung  - bei der Sicherheitsdienstleistung kann häufiger Mitarbeiterwechsel ein Risiko darstellen. Bei der Mitarbeiterauswahl ist auch nicht der billigste Lohn das Auswahlkriterium. Gute Mitarbeiter muss man heute hegen und pflegen.  Auf zugewanderte Mitarbeiter zurückzugreifen ist in unserer Branche nur bedingt möglich: eine 100%ige Identifikation mit hiesigen Gegebenheiten sowie fließende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind Grundvoraussetzung für die akkurate Ausführung der Tätigkeit und somit für die Zufriedenheit der Kunden.

Herr Mauersberger, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

 

 

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