Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

mehr lesen 

 

 

 

Stadt-Parfümerie Pieper GmbH

Interview mit Gerd Pieper und Dr. Oliver Pieper, Geschäftsführer der Stadtparfümerie-Pieper GmbH

Als 1931 das „Seifengeschäft Pieper“ in Bochum eröffnete, konnte Familie Pieper nicht ahnen, dass sich daraus 80 Jahre später die größte private Parfümeriekette Deutschlands entwickeln würde. Mit über 130 Filialen und über 1.200 MitarbeiterInnen aus 14 Nationen setzt die Stadt-Parfümerie Pieper Zeichen im deutschen Mittelstand - z.B. wurde das Traditionsunternehmen 2013 bereits zum zweiten Mal in Folge als „Händler des Jahres“ ausgezeichnet. Dr. Stefan Meinsen sprach mit Herrn Gerd Pieper und Dr. Oliver Pieper über das echte Unternehmertum und die damit verbundenen Chancen und Risiken.


Herr Pieper sen., was macht für Sie das mittelständische Unternehmertum so besonders?

Im Mittelstand herrscht auf Grund der Familienanbindung eine Kontinuität und Stabilität, die in Großunternehmen vergebens gesucht wird. Managementwechsel sind dort Gang und Gäbe, worunter klar die Unternehmenskultur leidet. Weiter fühlt sich der mittelständische Unternehmer verantwortlich für die Region, für die Stadt und für die Mitarbeiter. Er ist einfach bodenständig. Ein Attribut was leider etwas aus der Mode gekommen ist – genauso wie 20 Jahre oder länger in einem Unternehmen zu arbeiten.

Wie hat diese Bodenständigkeit Ihre Unternehmenskultur beeinflusst? Können Sie eine Leitmaxime benennen?

Bereits in meinem Studium hat mich ein Satz von Josef Schumpeter beschäftigt. Er lautet sinngemäß: Um als erfolgreicher Unternehmer zu bestehen, muss man über den Tellerrand des eigenen Unternehmens hinwegschauen. Ich habe dies direkt nach dem Studium umgesetzt und mich ehrenamtlich betätigt. Dabei habe ich festgestellt, dass man als Unternehmer nur dann richtig erfolgreich ist, wenn man sich einordnen kann in das gesamtpolitische und wirtschaftliche Leben. Schumpeters Satz hat mich all die 45 Jahre begleitet, in denen ich dieses Unternehmen leite. Meine Söhne setzen ihn ebenfalls um: der älteste ist z.B. während des Studiums nach Frankreich gegangen um dort zu sehen, was außerhalb des eigenen Unternehmens läuft.

Können Sie sich erklären, warum der Mittelstand in der Öffentlichkeit nicht recht wahrgenommen wird?

Er hat augenscheinlich keine echte Lobby. Eine seltsame Situation, immerhin arbeiten 90% aller Azubis und ca. 70% aller Beschäftigten dort. Mein Leben lang kämpfe ich für eine bessere Positionierung des Mittelstandes, damit die Arbeit und das Risiko, das der Unternehmer trägt auch honoriert wird. Wir werden viel zu oft in einen Topf geworfen mit den Managern, die keinerlei Risiko tragen und sich beim Misserfolg auch noch eine goldene Nase verdienen.

Worin machen Sie genau den Unterschied fest?

Ganz klar: der Manager hat häufig nur sich selbst und seine Karriere im Auge. Der Risiko tragende Unternehmer sein Unternehmen. Das sind ganz unterschiedliche Basen für Entscheidungen.

Was hat sich für Sie in der Rückblende als der Erfolgs- und Wachstumsfaktor für Ihr Unternehmen erwiesen?

Es gibt drei Faktoren. Der erste Faktor ist die Entscheidung für die exklusive Luxusschiene und nicht für die Konsumschiene – getroffen vor über 40 Jahren zusammen mit meinem Vater als wir noch ‚Seifen Pieper’ hießen. Der zweite Faktor ist die Entscheidung zur vorsichtigen und bodenständigen, aber letztlich uneingeschränkten Expansion. Der dritte Faktor war und ist die solide Eigenkapitalbasis, d.h. kein Fremdkapital oder Fremde ins Unternehmen zu holen. Wir konnten immer selbständig bleiben und eigenständig entscheiden.

Im Nachhinein kann man sagen, dass Sie das Risiko nicht gescheut haben....

In der Tat – immerhin haben wir uns damals entschlossen, innerhalb von 2 Jahren auf knapp 50% des Umsatzes zu verzichten. Und das in der exklusiven Schiene, als der alltägliche Luxus längst nicht so verbreitet war wie heute. Die harte Arbeit und unsere gute Strategie haben sich ausgezahlt.

Wie hat in den Anfängen Ihre Rolle ausgesehen?

Ich habe alles ausgefüllt: von Marketing, über Einkauf, Buchhaltung, ich bin zur Post gefahren, habe die Eröffnung neuer Filialen von Anfang bis Ende mit begleitet – ab der 11. Filiale allerdings musste ich sukzessive Bereiche abgeben. Mittlerweile ist unser Unternehmen auf über 1.200 MitarbeiterInnen angewachsen und meine beiden Söhne sind aktiv in der Geschäftsleitung tätig.

Das klingt nach gelungenem Generationenwechsel. Was ist oder war Ihr Erfolgsgeheimnis, Herr Dr. Pieper?

Ob der Wechsel erfolgreich ist, sehen wir erst in ein paar Jahren. Unser Vater berät meinen Bruder Torsten und mich bei anstehenden Veränderungen in unseren Ressorts, die Entscheidungen trifft aber jeder selbst für seine Bereiche. Das Führen von Mitarbeitern kann man eben nicht an der Universität lernen.

Mein Bruder und ich haben auch für neue Vertriebskanäle gesorgt, von denen unser Vater zu Anfang nicht begeistert war, die aber wichtig sind, z.B. den Ausbau unseres Geschäfts im Internet. Jede Generation stellt andere, eigene Weichen - wir schicken Pieper online. Wir orientieren uns immer am Kunden – unserem roten Faden. Ändert sich hier das Kundenbedürfnis, versuchen wir dem nachzukommen.

Mittlerweile sind Sie mit 130 Filialen die größte private Parfümerie in Deutschland. Was hat Sie bewogen nicht bei 10, oder 20 oder 30 Filialen aufzuhören, Herr Pieper sen.?

Die absolute Größe war nie das Ziel. Es hat sich einfach irgendwann ergeben, wir hatten Spaß daran und waren erfolgreich. Das Anwachsen des Marktanteils ist natürlich ebenfalls ein positiver Aspekt - mein persönlicher Antrieb war immer, dass Pieper stärker wächst als der Markt, um dadurch in eine bessere Verhandlungsposition z.B. im Einkauf zu kommen. Diese günstige Verhandlungsposition unterstützt auch wunderbar unser Internetgeschäft – hätten wir nicht diese enorme Größe, wären wir preislich nicht wettbewerbsfähig im Onlinegeschäft.

In allen Filialen steckt ein Stück Seele von mir – ich muss und will dafür sorgen, dass jedes Geschäft absolut tiptop ist – immerhin steht mein Name darüber. Dieses Wachstum verbunden mit dem Namen, das ist eine Verantwortung, der Familie Pieper sich stellen.

Im Vergleich mit ihren Wettbewerbern haben Sie einen hohen Personalschlüssel. Heutzutage ist das ein Luxus, den sich nicht jedes Unternehmen leisten kann und will....

Unsere Produkte braucht man nicht zum Leben, wir verkaufen eher Emotionen. Ich sage gern: „Wir verkaufen Lebensfreude. Den Duft kriegen Sie umsonst dazu.“ Dieses Gefühl zu vermitteln – dazu brauchen Sie motivierte, zufriedene MitarbeiterInnen. Deswegen investieren wir gern und viel in unseren Mitarbeiterstab, z.B. im Pieper Beauty Forum, das Mitte letzten Jahres eröffnet hat und unseren MitarbeiterInnen die Möglichkeit eröffnet, sich in Zeiten des Internethandels Fachwissen und Werte anzueignen, die Online oder im Discounter nicht vermittelbar sind.

Wir positionieren uns klar im oberen Kundensegment. Um günstig Kosmetik zu vertreiben, brauche ich kein Ladengeschäft, denn die Preise runtersetzen - das kann ich auch am Schreibtisch.

Herr Gerd Pieper und Dr. Oliver Pieper - ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

Große Hamkenstraße 32 | 49074 Osnabrück | Fon: 0541 - 35 73 99 - 0 | Fax: 0541 - 35 73 99 5    essenzio Beratungsgesellschaft mbH   essenzio Beratungsgesellschaft mbH