Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

mehr lesen 

 

 

 

Heinrich Koch Internationale Spedition GmbH & Co.

Interview mit Uwe Fieselmann, Geschäftsleitung der Heinrich Koch
Internationale Spedition GmbH & Co. KG

 

Vor über 113 Jahren gründete Heinrich Koch mit Pferd und Wagen ein Fuhrunternehmen in Osnabrück und legte damit den Grundstein für die Spedition Koch International. Aktuell beschäftigt Koch International mehr als 700 Mitarbeiter. Laut eigener Aussage zählt die Fahrzeugflotte zu den modernsten auf Europas Straßen. Mitte 2013 bezog das Unternehmen seine neue Zentrale am Fürstenauer Weg in Osnabrück. Dieser infrastrukturell optimal gelegene Firmensitz bietet Platz für das Hauptgebäude, die 12.000 qm große Umschlaghalle sowie für die 6.000 qm fassende Logistikhalle. Dr. Stefan Meinsen sprach mit Herrn Uwe Fieselmann über Motivation von Gruppen, individuelle Auftragsbearbeitung und einen Neuanfang.

Herr Fieselmann, seit wann existiert die Geschäftsleitung von Koch International in der aktuellen Konstellation?

Die Geschäftsleitung besteht aktuell aus fünf Personen. Die Herren Heinrich Koch, Peter Koch und Dieter Koch bilden den familiären Kern. 2009 sind Herr Heinz-Peter Beste und ich dazugestoßen. Ich zeichne mich bei Koch International für die Themen internationale Verkehre, Kontaktlogistik sowie Vertrieb und Marketing verantwortlich.

Was waren die Herausforderungen, denen Sie am Anfang gegenüberstanden?

Koch International existiert bereits seit 1900. Für ein Unternehmen mit so langer Geschichte ist es eine Herausforderung, jemand Außenstehenden mit den Aufgaben der Geschäftsleitung zu betrauen. Der Vorteil ist, dass die Einflüsse anderer Unternehmenskulturen neue Denkweisen in das Unternehmen bringen. Voraussetzung hierbei ist natürlich, dass beide Seiten den Wunsch haben, sich einzulassen und bereit sind, Vertrauen zu entwickeln.

Eine komplette Re-Organisation eines Unternehmens der Größe von Koch International ist durchaus eine Herausforderung. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Durch den Generationswechsel in der Geschäftsleitung 2004/2005 wurde klar, dass die bestehenden Strukturen nicht mehr zeitgemäß sind. Im Zusammenhang mit den Neubau-Planungen im Jahr 2009 wurde ein Wechsel von der klassischen Top-down-Managementstruktur zur modernen Matrixorganisation vollzogen. Wir bemühen uns, Verantwortung in Verbindung mit Kompetenz zu deligieren und die anfallenden Themen in kleinen, schlagkräftigen Teams selbst bearbeiten zu lassen.

Was macht Ihrer Meinung nach den Erfolg von Koch International aus?

Unser Erfolg basiert auf mehreren Säulen. Die wichtigste Säule sind unsere Mitarbeiter. Sie sind zum Teil bereits sehr lange im Unternehmen tätig. Dadurch herrscht ein gutes Miteinander und echte Teamarbeit. Trotz des unvermeidlichen demographischen Wandels wird immer die gemeinsame Entwicklung fokussiert. Die Mitarbeiter sind bereit, sich über das vertraglich vereinbarte Maß hinaus für das Unternehmen zu engagieren – das ist nicht selbstverständlich und wird auch von uns gesehen.

Eine weitere Säule ist die Freiheit der Mitarbeiter in der Gestaltung ihrer Tätigkeit. Der Mitarbeiter wird ermutigt eigene Ideen einzubringen. Erst im zweiten Schritt optimieren wir gemeinsam den Vorgang. Diese Art der ‚Arbeit als Mitunternehmer’ fällt einigen Mitarbeitern leicht, einigen etwas schwerer – wir stehen aber unterstützend zur Seite und fordern den Mitarbeiter durchaus auf, sich innerhalb der vorhandenen ‚Leitplanken‘ auszuprobieren. Offene Kommunikation und Vertrauen sind hier sehr wichtig.

Diese Art der Gestaltungsfreiheit gilt natürlich auch für die Führungskräfte. Ihnen wird nahegelegt, sich als Teilunternehmer zu fühlen. Wir möchten, dass sich jeder weiterentwickelt – sowohl persönlich, als auch sein Team und sein Aufgabenumfeld.

Koch international definiert sich stark über den speziellen Umgang mit dem Kunden. Mögen Sie dies kurz definieren?

Eine Devise im Umgang mit unserem Kunden lautet: Geht nicht, gibt’s nicht. Die Mitarbeiter engagieren sich auch über ihre Arbeitszeit hinaus persönlich darum, dem Kunden eine Lösung für seine spezifische Aufgabe anzubieten. Das ist der gelebte Dienstleistungsgedanke. Wir führen uns immer vor Augen, dass der Kunde sowohl König, als auch bei zur Zufriedenheit ausgeführtem Auftrag der Auftraggeber der Zukunft ist.

Diese individuelle Art der Herangehensweise an einen Auftrag birgt auch gewisse Risiken...

Wir müssen natürlich darauf achten, dass nicht zu viel Individualität in der Auftragsbearbeitung Einzug hält. Als Spedition im Systemverkehr sind wir auf gewisse Standards angewiesen, damit die Dienstleitung bezahlbar bleibt. Allerdings legen wir Wert darauf, dass die ausführenden Mitarbeiter eine gewisse Warenkompetenz mitbringen. Ist dem Mitarbeiter bekannt, dass er beispielsweise Dialyseflüssigkeit transportiert, geht er ganz anders mit dem Thema Pünktlichkeit um. Eine verspätete Ankunft im Dialysezentrum könnte nicht auszudenkende Folgen haben. Die Identifikation mit dem Kunden und seinem Produkt ist enorm wichtig. Es ist nicht nur ein Auftrag.

Als Logistikunternehmen ist Koch International Experte für Prozesse. Welchen Stellenwert hat das Thema intern?

Prozesse sind ein wichtiges Thema. Diese hinterfragen wir im Sinne von KVP immer wieder neu. Wir verbessern unsere Standards mit dem Ziel höherer Effizienz und dem damit verbundenen Nutzen für unsere Kunden. Das wird von den Führungskräften aktiv gesteuert und betrieben.

Wie schaffen Sie es, dieses individuelle Interesse am Kunden bei jedem einzelnen Mitarbeiter zu erreichen? Immerhin haben Sie insgesamt 700 Mitarbeiter, da ist die individuelle Ansprache nicht leicht zu bewerkstelligen.

Wir halten die Organisation bewusst sehr transparent und appellieren an die Verantwortung des Einzelnen. Wir versuchen den Mitarbeitern zu vermitteln, dass wir alles, was wir tun nur für den Kunden tun. Seine Zufriedenheit ist die Grundlage für weitere Aufträge und die wiederum bilden die Grundlage für unsere tägliche Arbeit. Die Kunden signalisieren uns, dass sie sich bei uns gut aufgehoben fühlen – diese Strategie scheint also aufzugehen.

Die Geschäftsleitung lebt diesen Geist vor: zu zahlreichen Kunden pflegen wir den persönlichen Kontakt. Das Thema Kundenorientierung wurde bei Koch International immer schon großgeschrieben.

Wie transportieren Sie Ihre Art der Firmenphilosophie nach Außen?

In den letzten Jahren haben wir uns verstärkt in der Markenpositionierung von Koch International engagiert. Dieses wird an vielen Stellen deutlich: im Re-Branding unseres Logos, in unserem sozialen Engagement, in unseren Umweltschutzbemühungen. Wir tragen aktiv Sorge dafür, dass Werte wie Kunden- und Mitarbeiterorientierung wahrgenommen werden. Letztendlich ist unser neuer Unternehmensstandort in diesem Kontext durch die gestiegene Leistungsfähigkeit und Attraktivität ebenfalls ein Baustein.

Welche Themen sind im Moment bei Koch International aktuell?

Als mittelständisches Unternehmen sind wir aktiv in ganz unterschiedlichen Arbeitskreisen eingebunden. Das versetzt uns in die Lage Trends zu erkennen und aktiv mit unseren Kunden zu gestalten.

Beispielhaft lässt sich hier der Verein KNI (Kompetenznetzwerk Individuallogistik) nennen. Eine Plattform, um die Region nach vorne zu bringen, die herausragende Mobilitäts-Kompetenz bekannt zu machen und dadurch wiederum einen Mehrwert für unsere Kunden zu bieten. Innerhalb des Vereins streben wir an einen Masterstudiengang Logistik an der Hochschule Osnabrück zu etablieren.

Herr Fieselmann, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

Große Hamkenstraße 32 | 49074 Osnabrück | Fon: 0541 - 35 73 99 - 0 | Fax: 0541 - 35 73 99 5    essenzio Beratungsgesellschaft mbH   essenzio Beratungsgesellschaft mbH