Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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Coffee-Bike GmbH

Interview mit Tobias Zimmer, Geschäftsführer der Coffee-Bike GmbH

Die Sandkastenfreunde Jan Sander und Tobias Zimmer gründeten 2010 das innovative und mehrfach ausgezeichnete Start-Up Unternehmen Coffee-Bike GmbH. Ein Coffee-Bike ist ein mobiler und autarker Coffee-Shop, der sowohl stylisch aussieht als auch frischen, hochwertigen Kaffee an die endlegendsten Orte bringt. Mittlerweile agiert das Unternehmen in vielen deutschen und europäischen Metropolen und bietet ein spannendes und tragfähiges Franchisekonzept von mobilen und lokalen Coffee-Shops an. Dr. Stefan Meinsen sprach mit Tobias Zimmer über die spannenden Aspekte des Unternehmerdaseins.

Was war der Startschuss für Ihr Unternehmen?
Um ehrlich zu sein: wir wollten schon immer selbständig sein. Wir kamen zufällig in Kontakt mit der Idee eines ‚fahrenden Cafés’ zur absolut richtigen Zeit: zum Ende unseres Studiums. Wir hatten zwar schon während des Studiums verschiedene Ideen evaluiert, auch schon einiges ausprobiert, aber der richtige Startschuss für das erste Unternehmen kam erst mit Coffee-Bike.

Wie kamen Sie auf diese außergewöhnliche Idee?
Als wir 2009 in Kopenhagen waren, sahen wir jemanden, der von einem simplen Fahrrad aus Filterkaffee verkauft hat – ganz einfach mit einem Korb auf dem Gepäckträger, darauf Filterkaffeemaschinen und Becher.. Der Grund, warum das funktionierte war, dass es an dem Ort, an dem er stand, kein Café oder ähnliches gab. Diese einfache aber gute Idee fanden wir klasse und begannen sofort mit der Ausarbeitung eines Konzepts.

Da wurden wohl gleich die Ärmel hochgekrempelt?
Ja, wir haben schon gleich in größeren Dimensionen und an eine ganz andere Qualität gedacht. Wir hatten im Grunde sofort Franchising im Auge; der Aufbau einer Marke war das Ziel. Des Weiteren kann so ein Konzept nur dann erfolgreich sein, wenn die Qualität des Kaffees gegeben ist, d.h. qualitativ hochwertiger Kaffee aus Siebträgermaschinen. Dünnen Filterkaffee bekomme ich im Zweifel an jeder Straßenecke.

Woher kommt dieser Biss bzw. Unternehmergeist?
Dass ich mal selbständig werden wollte, zeigte sich bei mir schon früh. Mit vier Jahren wünschte ich mir zwei Hühner zum Geburtstag, um die Eier zu verkaufen. Meine Eltern bestanden darauf, dass ich mich komplett allein um die Hühner kümmere, d.h. auch deren Futter aus meinen Einnahmen bestreite. Das Ende vom Lied: ich hatte 55 Hühner und Stammkunden für deren Eier. Das Unternehmerdasein hat mich also schon früh fasziniert, begeistert und geprägt.

Das hört sich nach gelebtem „Ganz oder Gar nicht-Prinzip“ an.
In der Tat. Es war uns von vornherein klar, dass wir ein erfolgreiches Unternehmen nur mit vollem Engagement aufbauen können. Während des Studiums oder mit einem Teilzeitjob hätte das nicht funktioniert. Wir haben so an unseren Erfolg geglaubt, dass mein Kompagnon Jan Sander sogar  seinen Fulltimejob aufgegeben hat. Die ‚Klein-Klein’ Denkweise war nie unser Ding.

Wie kam Ihr aktuelles Coffee-Bike zu seinem ästhetischen Retrolook?
Zunächst vielen Dank für das Kompliment! So ein fahrendes Café birgt schon viele Herausforderungen. Zum einen weil in Deutschland das Ambiente gefühlt gekoppelt ist an die Qualität der angebotenen Ware – das Coffee-Bike sollte also ein Eyecatcher sein. Zum andern mussten wir einen kompletten, qualitativ hochwertigen Coffee-Shop auf zwei Rädern unterbringen. Die Konstruktion war ein Balanceakt zwischen Angebot an Produktvielfalt und schnelle und autonome Zubereitung des Kaffees. Wir haben am Anfang selber den Kaffee verkauft, dh. wir haben sofort gemerkt, ob etwas funktioniert oder nicht. So konnten wir das Coffee-Bike sukzessive immer weiter entwickeln. Ab dem 10. Modell hatten wir dann ein Standardbike definiert, das Sie jetzt überall finden. Allerdings optimieren wir nach wie vor, z.B. hat das letzte Modell einen kleinen Elektromotor.

Moderne Unternehmen sind immer im Wandel. Was steht aktuell bei Ihnen an?
Momentan sind wir auf Expansionskurs in Deutschland und international. Bis jetzt haben wir 38 Franchisepartner mit 41 Coffee-Bikes, u.a. in Tschechien, Frankreich, in der Schweiz und demnächst sogar in Kuwait. Des Weiteren ergänzen wir gerade das Konzept mit einem Local Store und Kaffeebars in Unternehmen. Natürlich achten wir bei allen Erweiterungen darauf, dass die Grundphilosophie erhalten bleibt und wir den Wiedererkennungswert beibehalten.

Über Franchising und Medien wird man heute sehr schnell bekannt - wie gehen Sie mit der steigenden Gefahr von Nachahmern um?
Wir haben natürlich Patente, Gebrauchsmuster und Schutzrechte für das Coffee Bike angemeldet. Unser Ziel ist eine starke Marke, die in jeglicher Hinsicht geschützt ist – das sind wir unseren Franchisenehmern schuldig. Je stärker die Marke, desto besser funktioniert das ganze System.

Was würden Sie als Ihr persönliches Erfolgsrezept benennen?
Wir haben klare Kriterien, nach denen wir unsere Franchisenehmer und Standorte aussuchen; der partnerschaftliche Aspekt der Zusammenarbeit steht im Vordergrund. Wir verhandeln z.B. die Franchisegebühren variabel, die gekoppelt sind an den Umsatz unseres Partners. Wir sitzen rein finanziell tatsächlich ein einem Boot: macht er keinen Umsatz, machen wir auch keinen.

Heute wird gerade in jungen Unternehmen gern auf das Geld von Investoren zurückgegriffen. Wie sieht es bei Ihnen aus?
Wir sind in der Luxusposition, keinem Investor Rechenschaft schuldig zu sein, d.h. wir können die Richtung zu 100% allein bestimmen. Darauf sind wir stolz. Außerdem wäre es unserer Meinung nach fatal gewesen, in der Testphase auf Investoren zurückzugreifen. Aus Kostengründen haben wir damals selbst verkauft, was uns schnell in die komfortable Situation der ausgeglichenen Zahlen gebracht hat. Wir waren schnell nicht mehr auf fremdes Kapital angewiesen, so dass wir kritisch und mit einem gewissen Selbstbewusstsein in Verhandlungen mit potenziellen Investoren gehen konnten. Grundsätzlich sind wir für alles offen. Es muss sich natürlich rechnen. Gesundes Wachstum hat für uns definitiv Priorität.

Was ist im Moment Ihre größte Herausforderung?
Die Internationalisierung birgt schon ihre Tücken. Die Länder, in denen wir tätig sind, sind sehr unterschiedlich, vom Markt her bis hin zu der Gesetzgebung. Die Logistik ist ebenfalls eine spannende Aufgabe. Hier gilt es die Augen aufzuhalten. Weiter ist natürlich auch die Position des Geschäftsführers eine permanente Herausforderung.

Wie sehen Sie sich in 5 Jahren? Wie gestalten Sie Ihre Vision?
Gerade in der aktuellen Phase der Internationalisierung wäre ein strategischer, erfahrener Partner schön. Jemand, der uns z.B. beim Thema ‚Logistik ins Ausland’ oder ‚Finanzierungskonzept für Franchiseunternehmer’ unter die Arme greifen kann. Wir sind an diesem Thema dran.

Herr Zimmer, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

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