Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

mehr lesen 

 

 

 

Höfelmeyer Waagen GmbH

Interview mit Reinhard Höfelmeyer, Geschäftsführer der Höfelmeyer Waagen GmbH

Herr Reinhard Höfelmeyer von der Höfelmeyer Waagen GmbH aus Georgsmarienhütte wurde in den 80er Jahren vom Waagen-Virus befallen – ein Leben ohne Waage kann er sich heute nicht mehr vorstellen. Im unserem Gespräch eröffnete er eine fesselnde Mischung aus Handwerks- und Managementwissen und begeisterte weiter mit vielen interessanten Gesichtspunkten rund um die Waage.
Die rund 70 Mitarbeiter starke Höfelmeyer Waagen GmbH gehört zu den führenden nationalen Waagenherstellern.  

Was war der Startschuss für Ihr Unternehmen?
Während der Ausbildung zum Schlosser 1979 im Unternehmen meines Vaters hatte ich erstmals Kontakt mit der Reparatur von Waagen, was mich von Anfang an sehr begeistert hat. Als die Elektronik in die Waagentechnik Einzug hielt, war ich Feuer und Flamme – im Gegensatz zu den traditionellen Waagenbauern, die Angst um Ihren Job hatten. Später habe ich noch meine Meisterprüfung im Metall- und Maschinenbau abgelegt.

Stellten Sie bereits damals eigene Waagen her?
Nein, anfangs führten wir nur die Dienstleistung an der Waage durch: eichen, warten, reparieren. Später boten wir dann selbständig Waagen an: zunächst nur umgebaute, keine eigenen. Durch die immer strenger werdenden Hygieneansprüche der Nahrungsmittelindustrie kam irgendwann unser Lieferant nicht hinterher. Zu dem Zeitpunkt beschloss ich, eigene - spezielle - Waagen zu produzieren.

Die Zusammenarbeit mit Familienangehörigen ist oft nicht frei von Komplikationen – wie gingen Sie damit um?
Mein Vater war definitiv mein wichtigster Berater, auch wenn ich nicht immer alle seine Ratschläge angenommen habe. Er war sehr erfolgsorientiert und dies hat mich geprägt. Seiner Sätze prägen mich heute noch: Beispielsweise „Erfolg gibt Dir recht“ oder „Hole eine Zahl, schreib sie auf“.

Was ist das Besondere an Höfelmeyer Waagen GmbH? Was zeichnet Sie aus?
Unser Service ist außergewöhnlich. Die Dienstleistung um das Produkt herum ist unser stärkstes Marketinginstrument.
Ich versuche systemisch zu denken und nicht nur unsere Kunden zu beliefern, sondern mit ihnen zusammen die Zukunft zu entwickeln und ein strategischer Partner zu sein. Dass unsere Waagen richtig wiegen – das muss ich niemandem mehr beweisen. Davon geht der Kunde aus.
Weiter legen wir viel Wert auf zufriedene Mitarbeiter – unsere Fluktuation ist sehr gering. Ein Grund mag sein, dass ich besonders auf ein angenehmes Arbeitsumfeld achte: so haben wir uns basierend auf der Feng Shui Lehre für eine 80%  Glas-Firmenfassade unseres Firmenneubaus entschieden.

Aber das Gebäude ist ja nicht nur für die Mitarbeiter da.....
Natürlich. Der Firmensitz ist die Visitenkarte des Unternehmens. In der Waagenbranche geht es ganz stark um Vertrauen. Die Kunden wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Das Gebäude soll Stabilität nach außen zeigen.

Wie sorgen Sie dafür, dass Ihr Unternehmen weiter an der Spitze bleibt?
Ich bilde mich jedes Jahr weiter, z.B. in der St. Gallener Business School. Planung und Strategie ist das Wichtigste. Ich bin quasi die Schnittstelle, der interne Berater - ich arbeite nicht im Unternehmen, ich arbeite am Unternehmen.
Des Weiteren sind wir eine von maximal einer Handvoll Firmen in Deutschland, die sich mit dynamischer Wägetechnik auskennen – mein Bruder hat diese komplett neue Technologie entwickelt. Im Bereich Innovation stehen wir also gut dar.

Planung ist ja nicht gleich Planung...
In der Tat! Das Stichwort lautet Zeitplan. Ich kenne viele Manager, die als Ausgleich sehr sportlich sind, z.B. Marathon laufen. Planen sie einen weiteren Step, z.B. den Hamburg-Marathon, gibt es einen kombinierten Zeit- und Maßnahmenplan, um die erforderliche Fitness zu erreichen. Interessanterweise hapert es trotz dieses intuitiven Wissens oft an der strategischen Denkweise im beruflichen Umfeld, d.h. Zeit- und Maßnahmenpläne, um ein Ziel X zu erreichen.

Wie erreichen und motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich versuche meine Mitarbeiter mitzureißen und an ihnen festzuhalten. Jemanden zu entlassen, ist für mich das Schlimmste – da habe ich versagt. Ich forsche nach ihren Interessen und Potenzialen und biete ihnen dann Wachstumsmöglichkeiten, um sie für mein Unternehmen zu begeistern. Ich kann zwar die Branche nicht ändern, aber mein Unternehmen interessant machen – frei nach dem Motto: Du kannst die Windrichtung nicht bestimmen, aber Du kannst die Segel richtig setzen.
Natürlich setze ich auf auch teambildende Maßnahmen: wir gehen z.B. regelmäßig bowlen oder gehen in den Zoo. Natürlich gibt es auch mehrmals im Jahr eine Betriebsversammlung.

Wie haben Sie sich im Laufe Ihres Wachstums von der Rolle des mitarbeitenden Chefs lösen können?
Man muss es schaffen in dieser Phase eine wahrnehmbare Qualität abzuliefern, ohne dass man es selber tust, obwohl der Kunde das gewohnt war. Hier ist die richtige Mitarbeiterauswahl und -einarbeitung ausschlaggebend. Das Unternehmen muss eine Sprache sprechen – egal mit wie vielen Mitarbeitern der Kunde spricht.
Weiter musste ich lernen, loszulassen und Verantwortung abzugeben. Man muss seine Mitarbeiter erwachsen werden lassen, d.h. sie dürfen und sollen eigenverantwortlich Entscheidungen treffen. Hier passieren natürlich auch mal Fehler; die gilt es aber einzuplanen und aufzufangen.

Wo investieren Sie die meiste Zeit?
Ich stecke am meisten Zeit in die strategische bzw. beratenden Dinge. Wenn es brennt, gehe ich direkt ins Team hinein und versuche die Verknotung aufzulösen bzw. Impulse zu geben.
Wir brauchen Menschen, die Lust haben, miteinander zu arbeiten, denn die Zusammenarbeit z.B. eines Informatikers mit einem Schlosser ist nicht immer frei von Schwierigkeiten. Hier versuche ich zu vermitteln.
In der Waagenbranche ist es wie in anderen Branchen: Kunden kommen und gehen. Wie versuchen Sie Kunden an sich zu binden?
Wir versuchen, schnell zu sein. Hieß es früher: „Freitags kein Servicetechniker!“ boten wir freitags einen an. Heute sind wir permanent innovativ. In der Waagenbranche ist es wie in einer Ehe: im verflixten 7. Jahr zeigt sich der Wunsch nach Veränderung und Wandel beim Kunden. Dem steuern wir entgegen, indem wir uns permanent wandeln und entwickeln: der Kunde muss gar nicht wechseln, denn wir sind ständig im Wandel. Ich versuche, das Unternehmen spannend zu machen.

Misserfolge gehören zum Unternehmerdasein dazu – wie gehen Sie damit um?
Bekommen wir einen Auftrag nicht, halten wir Kontakt und laden den Kunden in unsere hauseigene Ausstellung – unser Technikum – ein.  Wir machen uns transparent und versuchen, Vertrauen aufzubauen.

Stichwort Vision: Wie sahen Sie am Anfang Ihre Rolle in der Branchenentwicklung?
Meine Vision war es nie, der einzige Waagenbauer in Deutschland oder  international zu sein. Die Branche hat typischerweise eine Handvoll Großer, die restlichen rund 200 Unternehmen sind regionale, kleine Unternehmen. Ich stellte mir damals vor, dass der Kunde nach wie vor vor Ort anruft und der kleine regionalen Anbieter den Service machen. Der Waagenverkauf wünschte ich mir auf die nationale Ebene.

Wie übermitteln Sie Ihre Visionen dem Kunden?
Ich versuche, meine Vision zu visualisieren, d.h. weniger Text, mehr Bilder.

Gibt es etwas, was Sie anderen, jungen Unternehmen auf den Weg geben möchten?
Selbstreflexion ist gut und wichtig – lasst sie zu.

Herr Höfelmeyer, vielen Dank für das Gespräch.

Große Hamkenstraße 32 | 49074 Osnabrück | Fon: 0541 - 35 73 99 - 0 | Fax: 0541 - 35 73 99 5    essenzio Beratungsgesellschaft mbH   essenzio Beratungsgesellschaft mbH