Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
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Bäckerei Brinkhege GmbH & Co. KG

Interview mit Heike Brinkhege, Geschäftsführerin, Bäckerei Brinkhege GmbH & Co. KG  

1929 gründete Theodor Brinkhege in Borgloh, im Keller seines Hauses, die Bäckerei Brinkhege und legte damit den Grundstein für das heutige Unternehmen. Im Laufe der Jahre baute die Familie das Unternehmen kontinuierlich weiter aus. Das erste Brinkhege-Fachgeschäft wurde 1992 in Bissendorf/Schledehausen eröffnet – mittlerweile gibt es 35 Filialen in und um Osnabrück. Die Bäckerei Brinkhege gehört damit zu den 200 größten Handwerksbäckereien in Deutschland. Das Unternehmen hat vielfältige Auszeichnungen erhalten, zum Beispiel den Marktkieker ( der „Oskar“ in der Bäckereibranche für vorbildliche Unternehmen ) und für besondere Leistungen im Ausbildungsbereich. Soziales Engagement ist ein wichtiges Anliegen. Die Bäckerei Brinkhege unterstützt regionale Projekte, wie z.B. „Die Tafeln“ und „Die Osnabrücker Wärmestube.“

Frau Brinkhege, wie kam es, dass die Bäckerei Brinkhege so ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen wurde?
Einer der wichtigsten Punkte für den Erfolg ist sicherlich, dass meine Eltern und später auch mein Bruder und ich, sehr viel dafür gearbeitet haben und wir immer den Mut hatten Risiken einzugehen. Ein weiterer Erfolgsfaktor liegt in der Leidenschaft mit der unsere Familie das Unternehmen geführt hat und ich heute noch führe. Der wichtigste Erfolgsfaktor aber sind die Mitarbeiter, denn ohne ein gutes Team kann man nicht erfolgreich sein.

Als unser Vater 1993 völlig unerwartet verstarb übernahmen meine Mutter Marianne, mein Bruder Dirk und ich gemeinsam die Geschäftsführung. Damals waren 35 Mitarbeiter bei uns beschäftigt.

Der Vorteil meines Bruders und mir war sicherlich, dass wir den Mut hatten, quer zu denken. Wir haben Dinge, teilweise auch aus Unerfahrenheit, einfach mal ausprobiert. Ein großes Lob und meinen Dank möchte ich an dieser Stelle meiner Mutter aussprechen, die uns immer unterstützt und uns ihr Vertrauen geschenkt hat unseren eigenen Weg zu finden und auch zu  gehen. Dies war sicherlich auch ein sehr großer Erfolgsfaktor für die Entwicklung der Bäckerei Brinkhege

Wie kam es, dass immer mehr Fachgeschäfte dazu kamen?
Wir sind immer mehr in den Fachgeschäftebereich hineingegangen, hatten aber zeitgleich noch ein Wiederverkäuferkonzept, für das wir 1995 ausgezeichnet wurden. Das heißt, wir haben die Inhaber der Märkte, die unsere Backwaren weiterverkauft haben, partnerschaftlich so betreut wie unsere eigenen Fachgeschäfte, inkl. Marketing, Mitarbeiterschulungen, etc. Im Laufe der Jahre haben wir die meisten Geschäfte selbst übernommen.

Wie wichtig waren Partner bei diesem Prozess?
Verlässliche Partner sind sehr wichtig für den Unternehmenserfolg. Durch unsere verschiedenen Partner haben sich für uns immer neue Möglichkeiten ergeben, die wir als Chance wahrgenommen haben. So kam beispielsweise der Familienbetrieb L+T wegen seiner Markthalle auf uns zu, als wir in Osnabrück noch nicht wirklich bekannt waren.

Es war und ist für uns eine große Ehre mit so einem erfolgreichen und ebenfalls familiengeführten Unternehmen zusammenarbeiten zu dürfen. Durch die L+T Markthalle ist unsere Bäckerei in Osnabrück viel bekannter geworden und hat unser Image als Premiumbäckerei gestärkt.

Was macht Ihre Filialen so besonders?
Für unsere Abteilungen in der L+T Markthalle wollten wir uns damals etwas ganz Neues überlegen, um uns zu profilieren: In der Innenstadt kaufen viele Kunden kein Brot. Unser Ziel war es etwas komplett Neues und Besonderes zu entwickeln, damit auch in der Innenstadt Brot gekauft wird. Wir haben eine Holzofenbäckerei gebaut, in der wir täglich viele außergewöhnliche Brotsorten vor Ort backen. Das wird von unseren Kunden sehr gut angenommen. Das war damals aber ein großes Risiko, da es das in dieser Form in Deutschland und auch in vielen Nachbarländern noch nicht gab.

Da wir immer sehr viel in jedes einzelne Fachgeschäft investieren ist jeder Standort „Chefinsache“. Ich achte sehr darauf, dass jeder Standort individuell gestaltet wird. Bei der Bäckerei Brinkhege ist jedes Fachgeschäft anders, da auch jeder Standort Besonderheiten bietet. Ich versuche immer, den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden die jeweils an den Standorten leben gerecht zu werden. Das macht mir sehr großen Spaß und Brinkhege von der „Stange“ wird es nicht geben.

Wie können Ihre Mitarbeiter sich bei Ihnen im Unternehmen einbringen?
Teambildung ist das Wichtigste. Die Menschen im Unternehmen sind mit Abstand das Wichtigste, was wir haben. Jeder Mitarbeiter kann seine Ideen einbringen. Das geht natürlich über das persönliche Gespräch aber wir haben auch einen Mitarbeiter-Log-in installiert, in dem jeder Vorschläge unterbreiten kann. Wir haben mittlerweile über 400 Mitarbeiter und das sind 400 Menschen, die tolle Ideen haben.

Der Personalbereich scheint Ihnen sehr wichtig zu sein?
Um auf die Bedürfnisse und Wünsche unseres Teams noch besser eingehen zu können haben wir seit Dezember 2012 einen Personalleiter eingestellt. Dies ist sicherlich recht ungewöhnlich für unsere Betriebsgröße aber ich halte das für sehr wichtig, da ich die Personalabteilung als Dienstleister für unsere Mitarbeiter sehe. Hier wird beispielsweise das betriebliche Gesundheitsmanagement aufgebaut, neue Mitarbeiter gesucht und ganz wichtig, Gespräche mit jedem einzelnen Mitarbeiter geführt. Das ist besonders wichtig für mich, um Anregungen und Wünsche zu erfahren.  

Wie stellen Sie sich auf die Bedürfnisse Ihrer Kunden ein?
Wir haben vor mehreren Jahren eine Kundenzufriedenheitsanalyse durchgeführt. Das war für unsere Betriebsgröße sehr außergewöhnlich. Wir haben uns mit den Erkenntnissen dieser Analyse sehr stark beschäftigt und neue Konzepte daraus entwickelt. Es gibt auf dem Markt nur zwei Möglichkeiten. Entweder man steht für Discount oder für Premium. Für uns kommt nur Premium in Frage, denn nur damit können wir uns identifizieren. Wir verarbeiten nur hochwertige Rohstoffe, sei es bei den Backwaren, bei unseren Snacks oder bei unseren Kaffeespezialitäten.

Welche Konsequenzen hatte ihre „Premium“-Wahl für das Unternehmen?
Wir haben uns gesagt: „Wenn wir Premium sind, muss sich das auch in den Fachgeschäften widerspiegeln“. Wir setzen Materialien ein - von der Ladeneinrichtung angefangen bis zur Tapete. Die meisten Fachgeschäfte sind neu eröffnet oder renoviert worden und die älteren Standorte werden in den nächsten zwei Jahren modernisiert. Wenn unsere Gäste zu uns kommen, sollen sie sich wohlfühlen und unsere Produkte genießen können. Das ist unser tägliches Bestreben. Das Wichtigste in den Fachgeschäften aber sind unsere Teams. Dazu gehört natürlich eine einheitliche Berufskleidung, regelmäßige Produkt- und Verkaufsschulungen und vieles mehr. Auch das gehört zum Premium und entsteht nicht in fünf Minuten, sondern ist ein Prozess über Jahre.

Sie scheinen jemand zu sein, der selber Impulse setzt und nicht bloß dem Markt hinterher rennt.
Wie gesagt: wir experimentieren gerne. Aktuell sehr erfolgreich sind z.B. unsere Treffpunktkonzepte. Die Menschen sollen sich wirklich in unseren Geschäften begegnen und treffen, denn solche Orte werden leider in der heutigen Zeit immer weniger. Wir bieten ihn unseren Kunden. Dieser Blick von oben, sein Unternehmen und die Welt der Kunden auch einmal von einer Metaebene aus zu durchleuchten, das ist wichtig.

Wie sieht Ihr Plan für die Zukunft aus?
Unser momentan größtes Projekt ist die Planung einer neuen Backstube. Hiermit legen wir, wie 1991, einen weiteren Meilenstein für die zukünftige Entwicklung und das Wachstum der Bäckerei Brinkhege. Wir werden natürlich auch weiterhin an unseren Fachgeschäftskonzepten arbeiten und neue Standorte eröffnen. Meine wichtigste Aufgabe ist es das Unternehmen in die Zukunft zu führen.

Viele Unternehmen haben noch nicht einmal eine Jahresplanung und lassen sich von allen Markttrends sofort aus der Bahn bringen. Wir haben eine Zehnjahresplanung. Ich weiß, wo wir in zehn Jahren stehen wollen. Natürlich können unvorhergesehene Dinge dazwischen kommen. Aber man sollte sich von seinem Ziel nicht so leicht abbringen lassen.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview.

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