Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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Jenz GmbH

Interview mit Uwe Hempen-Hermeier, Geschäftsführer der Jenz GmbH

Vor gut 90 Jahren (1921) von Hans Jenz in einem Dorfschmiedebetrieb, nahe der Bahnlinie Minden – Kutenhausen gegründet, ist das Unternehmen Jenz GmbH schnell gewachsen. Bereits zu Kriegszeiten waren knapp 25 Mitarbeiter damit beschäftigt, luftbereifte landwirtschaftliche Anhänger, Mischstreuer und Dungtrailer zu fertigen. In der zweiten Generation heiratete mit Wilhelm Hermeier ein Mann in das Unternehmen ein, der viele neue Ideen einbrachte. 1959 wurde mit der Produktion von Holzhackmaschinen der Weg für die heute weltweiten Tätigkeiten des Unternehmens geebnet. Aktuell beschäftigt Jenz ca. 180 Mitarbeiter. Seit 2002 ist das Familienunternehmen in Deutschland marktführend im Bereich schwerer Mobilhacker und Abfallzerkleinerer.

Herr Hempen-Hermeier, wie kamen Sie zu Jenz?

Ich bin 1987 in der dritten Generation durch Heirat in das Unternehmen gekommen. Unser Firmengründer, Hans Jenz, hatte sich zu seiner Zeit schon früh Gedanken über seine Nachfolge gemacht. Er hatte zwei Töchter, die Ältere bekam das Unternehmen, die Jüngere wurde ausgezahlt. Die ältere Tochter – meine Schwiegermutter - heiratete den Maschinenbauingenieur Wilhelm Hermeier. Als ich ins Unternehmen eintrat, erlebte Jenz nach einer Schwächeperiode gerade die zweite große Wachstumsphase durch die Umstellung der Produktion auf mobile Abfallzerkleinerer für das Recycling von Grünabfällen.

Ihr Unternehmen hat sich immer wieder selbst neu erfunden. Was waren die Gründe dafür? 

Oft hing das mit den historischen Gegebenheiten zusammen. Beim letzten Mal zum Beispiel, spielte die Hinwendung zu erneuerbaren Energien eine sehr große Rolle. Unsere Erfahrung in der Herstellung von fahrbaren Maschinen konnten wir gut mit der neuen Nachfrage nach mobilen Maschinen für die Hackschnitzelproduktion verbinden. Seitdem konzentrieren wir uns darauf, Maschinen für die Gewinnung von Biomasse als Energiequelle für die Zukunft zu fertigen. Wir waren nicht nur die Ersten, die für einen 400PS-Traktor einen großen schweren Hacker gebaut haben, sondern konnten die Nachfragen von Kunden bedienen, die ihre Maschinen auf der Autobahn einsetzen, was mit einem üblichen Traktor nicht möglich ist. 

Wie haben Sie das gemacht?

Wir haben uns überlegt: "Das müsste man aus einer Hand liefern." Unsere Vorkenntnisse aus dem Fahrzeugbau haben wir genutzt und angefangen unsere Maschinen auf Lkw zu bauen. Auf diese Weise können wir im Wettbewerb mithalten. Die Anzahl der Wettbewerber hat in den vergangenen 10 Jahren sprunghaft zugenommen. Der Markt ist gewachsen und hat somit größere Unternehmen auf den Plan gebracht. Gegen diese müssen wir uns behaupten.

Hat sich auch auf Kundenseite etwas getan?

Erneuerbare Energien sind stark auf dem Vormarsch, was dazu geführt hat, dass der Markt für unsere Kunden schwieriger geworden ist. Noch vor einigen Jahren war ein Hacker grundsätzlich eine gute Investition. Heute gibt es schon fast eine Konkurrenzbeziehung von Sonne, Wind und Wasser. Ein Unternehmen wie das unsere stellt sich in dieser Situation die Frage: "Wo hat Holz eigentlich zukünftig überhaupt noch seinen Platz?" Die Zyklen, in denen man sich neu erfinden muss, werden immer kürzer.

Welche Chancen sehen Sie in der Globalisierung?

Unsere neuen Kompostiermaschinen haben wir anfangs hauptsächlich nach Holland und England exportiert. Mittlerweile verkaufen wir unsere Maschinen in ganz Europa, vor allen Dingen dort, wo es viel Wald gibt, da unsere Maschinen das Holz direkt vor Ort bearbeiten. Darüber hinaus erschließen wir weltweit Märkte bspw. in Afrika und Japan.

Wie bewährt man sich in so einer Situation gegen die Global Player?

Das ist die große Herausforderung. Wir hatten immer die Strategie, dass wir nur an einem Ort fertigen, um ein qualitativ hochwertiges Produkt gewährleisten zu können. Kürzlich haben wir in Österreich eine Vertriebsgesellschaft gegründet und überlegen, noch weitere Vertriebsgesellschaften zu gründen. 

Verfolgen Sie noch weitere Strategien?

Wir machen viel in den Bereichen Produktionsoptimierung, Produktivitätssteigerung und KVP. Customizing ist für uns einerseits Schlüssel zum Erfolg, andererseits eine große Herausforderung. Ein großer Zuwachs an Personal stellt einen vor viele organisatorische Fragen, denen man früher nicht so großes Gewicht beigemessen hat. Stabilisierung haben uns die Zertifizierung nach der DIN ISO 9001 und später die internationale Umweltmanagementnorm ISO 14001 gebracht.

Wie machen Sie Ihr Unternehmen für qualifizierte Mitarbeiter attraktiv?

Wir haben eine hohe Ausbildungsquote von 10 Prozent. Petershagen ist kein Hotspot wie das Ruhrgebiet oder eine Großstadt. Es ist uns also wichtig, dass unsere Mitarbeiter sich in unserem Unternehmen wohl fühlen und bei uns bleiben. Sie sollen ihre Arbeit nicht nur erledigen, sondern mit Verstand bei der Sache sein und ihre Ideen einbringen. Durch die Ausbildung im Unternehmen versuchen wir, den Nachwuchs direkt an uns zu binden und die richtigen Leute für die richtigen Prozesse zu finden.

Es ist schwierig, in einem wachsenden Unternehmen alle Mitarbeiter unter einen Hut zu bekommen. Wie schaffen Sie das?

Die Personalarbeit wird mit einer wachsenden Zahl von Mitarbeitern immer wichtiger. Es entstehen einzelne Bereiche, die sich in ihren Interessen schon mal entgegen stehen. Hier müssen wir die Spannungen lindern und alle Mitarbeiter integrieren. Ein gemeinsames Feiern der Erfolge ist hierbei sehr wichtig und fördert den Gemeinschaftsgeist. Man muss sich als Führungskraft mit einer gewissen Bescheidenheit als Teil seines Unternehmens begreifen und es von innen zusammenhalten. Das Zusammenspiel von allem, das macht nachher den Erfolg aus. 

Was sind Vorzüge und Nachteile eines Familienunternehmens?

Die Bindung an das Unternehmen ist enorm wichtig, gerade wenn es um Nachfolgefragen geht. Über eine Erweiterung des Rechnungswesens versuchen wir, die Mitarbeiter zu Mitunternehmern zu machen. Wir haben 2007 zur Vorbereitung der Nachfolge einen Beirat aus familienunabhängigen Fachleuten eingerichtet. Unsere Mitarbeiter inklusive Betriebsrat werden nun immer aktuell über die wirtschaftliche Lage unserer Firma informiert. Darüber hinaus haben wir ein betriebliches Vorschlagwesen installiert. Das war ein großer Schritt. Wir haben informierte, mitdenkende Mitarbeiter, die stolz sind, bei uns zu arbeiten und halten das für eine große Stärke. Bei uns gibt es nicht den enormen Leistungsdruck der oftmals in großen Konzernen zu finden ist. Unsere Philosophie ist es, Erfolge durch eine ruhige Gleichmäßigkeit zu erzielen.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview.

 

 

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