Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

mehr lesen 

 

 

 

Wohnen & Modernisieren

Interview mit Holger Janssen, Geschäftsführer von Wohnen & Modernisieren

Im ostfriesischen Esens gilt „Wohnen & Modernisieren“ (W&M) – ehemals Egbert Wilts – seit vielen Jahren als DAS Fachgeschäft in Sachen Fußböden, Farben, Tapeten, Sonnenschutz und Glasarbeiten. Mit einem umfangreichem Angebot und zeitgemäßem Service stehen die W&M Mitarbeiter ihren Kunden seit 1995 mit Rat und Tat zu Seite.

Seit knapp einem Jahr leitet nun Geschäftsinhaber Holger Janssen e.K. erfolgreich die Geschicke des Unternehmens. Die Übernahme dieses Traditionsgeschäfts ist damit das Paradebeispiel einer gelungenen Nachfolgeregelung.

 

 

Herr Janssen, schildern Sie kurz Ihren Werdegang.

Ich bin 1989 als Lehrling bei Egbert Wilts angefangen. Nach meiner Gesellenprüfung wollte ich zunächst etwas anderes machen. Auch wenn der ehemalige Geschäftsführer mich damals schon bat im Unternehmen zu bleiben, habe ich mich entschlossen zum Bund zu gehen. Nach dieser Zeit bin ich dann aber doch zurückgekehrt und habe weitere 10 Jahre als Geselle im Betrieb gearbeitet. Mein Vorgänger hat damals schon frühzeitig Überlegungen angestellt, den Betrieb später einmal zu übergeben und ich war von Anfang an als Nachfolger im Gespräch. 2005 wurde ich zunächst Außendienstleiter und konnte mich in dieser Position beweisen. Seit dem 1. Januar 2012 bin ich nun Geschäftsinhaber.

Warum wollte Ihr Vorgänger seine Nachfolge frühzeitig klären?

Das hat sicherlich zwei Gründe. Der ehemalige Geschäftsführer, Herr Higgen, war 47 Jahre in dem Geschäft und hat sein Herz daran gehängt. Der Wunsch nach einem vernünftigen Nachfolger, der das Geschäft in seinem Sinne weiterführt, war dementsprechend groß. 2005 kam zudem die Überlegung hinzu, in neue Geschäftsräume umzuziehen. Herr Higgen war damals 55 und wollte diesen Schritt nur noch vor dem Hintergrund eines gesicherten Fortbestands des Geschäfts wagen.

Seit wann stand der Termin Ihrer Geschäftsübernahme fest?

Ich hatte mich 2005 zwar dazu entschlossen, das Geschäft einmal zu übernehmen, jedoch gab es weder einen vereinbarten Termin, noch einen Vertrag. Vielmehr beruhte diese Vereinbarung auf gegenseitigem Vertrauen. Als wir dann in den neuen Geschäftsräumen waren, schoben wir die Entscheidung Jahr um Jahr zurück.

Was gab schließlich den Ausschlag zur Übergabe?

Für mich sollte die Übernahme noch gut zu stemmen sein. Damit dies gegeben ist, muss ich dafür noch mindestens 20 Arbeitsjahre haben – so meine Überlegungen. Für mich war 2012 also der späteste Zeitpunkt. Mein Vorgänger war zu diesem Zeitpunkt 62 und konnte sich noch nicht vorstellen, sich zur Ruhe zu setzen. Er ist jetzt noch bis zum Frühjahr 2013 bei mir angestellt und kann sich langsam zurückziehen. Von dieser Lösung haben wir nun beide etwas.

Welche Vorteile hat es, dass Ihr ehemaliger Geschäftsführer noch im Geschäft mitarbeitet?

Für mich liegen die Vorteile hauptsächlich in der Kundenbindung. Viele Kunden, besonders der älteren Generation, sind auf den ehemaligen Chef fixiert. Die Verkaufsgespräche mit diesen Kunden führen wir nun gemeinsam, sodass die Kunden mich besser kennenlernen und sich an mich gewöhnen können. Außerdem steht mein Vorgänger mir bei vielen Fragen, die ich vorher nie beantworten musste, beratend zu Seite.

Wie ist die Übergabe abgelaufen?

Herr Higgen hat mich sehr unterstützt, hat beispielsweise Fördermöglichkeiten für mich recherchiert. Ich habe einen Kurs für Existenzgründer besucht. Bis auf unsere jeweiligen Steuerberater haben wir keine weitere externe Unterstützung hinzugezogen. Die Handelskammer hatte uns zunächst Berater zur Seite gestellt, diese haben wir jedoch letztlich nicht hinzugezogen. Das war bei uns allerdings eine besondere Ausnahmesituation und hat auch nur so gut geklappt, weil wir schon lange ein sehr gutes Verhältnis zueinander haben. Wir konnten uns einvernehmlich einigen. Über den Übernahmepreis haben wir erst ganz zum Schluss gesprochen – abends, nach Feierabend bei einem Bier.

Was entscheidet über eine erfolgreiche Übergabe?

Das wichtigste ist, dass beide Parteien wirklich von sich aus wollen. Dann sollte man in jedem Fall fair miteinander umgehen. Alle Beteiligten müssen später gut von dem leben können was das Geschäft für sie abwirft. Eine Basis, die auf Vertrauen beruht, trägt ebenfalls zu erfolgreichen Verhandlungen bei.

Wie verhalten sich Ihre Mitarbeiter gegenüber dem ehemaligen Chef, der heute Kollege ist?

In der Zusammenarbeit mit den Angestellten hat sich nicht viel geändert. Meine Mitarbeiter sprechen meinen Vorgänger immer noch mit „Chef“ an. Das ist auch in Ordnung, schließlich ist es eine Geste des Respekts. Ich werde ebenfalls als Chef akzeptiert. Da ich seit 7 Jahren der Vorgesetze für die Außendienstmitarbeiter bin, sind die Mitarbeiter an Weisungen von mir gewöhnt.

Gibt es Neuerungen seit dem Sie die Geschäfte leiten?

Unsere Branche ist generell durch regelmäßige Neuerungen geprägt, davor darf man sich natürlich nicht verschließen. Das haben wir aber auch unter dem alten Chef schon nicht getan. Wir sind heute nicht mehr so stark an einen Großhändler gebunden, wodurch nun ein bisschen mehr Spielraum in der Preisgestaltung besteht. Außerdem habe ich den Mitarbeiterstamm ein wenig vergrößert. Ansonsten hat sich so viel nicht geändert. Ich habe mich in diesem ersten Jahr zunächst einmal darauf konzentriert die Umsätze zu halten. Das ist mir gelungen!

Ein schönes Schlusswort. Ich bedanke mich für das Interview, Herr Janssen!

 

Große Hamkenstraße 32 | 49074 Osnabrück | Fon: 0541 - 35 73 99 - 0 | Fax: 0541 - 35 73 99 5    essenzio Beratungsgesellschaft mbH   essenzio Beratungsgesellschaft mbH