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Wilms GmbH

Interview mit Heinrich und Katharina Wilms, Geschäftsführer der Wilms GmbH

Auf der Internet-Startseite der Wilms GmbH ist ein Zitat von Max Eyth zu lesen: „Wer nicht manchmal das Unmögliche wagt, wird das Mögliche nie erreichen.“ – es hätte kein treffenderer Leitspruch gewählt werden können. Das Familienunternehmen mit Standorten in Barkhausen und Melle, das heute von Heinrich und Katharina Wilms geleitet wird, ist ein Paradebeispiel für Innovationskraft und Erfindergeist. Ursprünglich als Sägewerk gegründet, umfasst die Produktpalette der Wilms GmbH heute neben Holzverpackungen und den zum Transportgeschäft dazugehörigen Logistikdienstleistungen unter anderem Pflegeprodukte für Mensch und Tier. Mit dem von Heinrich Wilms entwickelten Kamelshampoo schaffte es das  Holzunternehmen nicht nur bis nach Abu Dhabi sondern auch in die nationale und internationale TV-Berichterstattung.

Die Wilms GmbH ist heute sehr breit aufgestellt. Welche Entstehungsgeschichte verbirgt sich dahinter?

Gegründet wurde das Unternehmen Wilms bereits im Jahr 1893. Der Müller Heinrich Wilms, kaufte damals drei Mühlen, eine Öl- und zwei Flachsmühlen, an der Glane in Barkhausen. Die Ölmühle wurde 1906 zu einer Sägemühle umgebaut, in der mit Wasserkraft hauptsächlich Bauholz gesägt wurde. 1920 wurden die anderen beiden Mühlen dann als Mitgift in fremde Hände gegeben, was blieb war die Sägemühle. Noch heute befindet sich unser Hauptwerk an diesem Standort in Barkhausen.

Wie kam die Entscheidung sich breiter aufzustellen zustande?

Nach dem Krieg wurde der Baustoff Holz mehr und mehr durch Beton ersetzt. Man musste sich ein neues Standbein suchen. Im gleichen Zeitraum gab es die ersten Gabelstapler und es wurden neue Ladungsträger zum Transport von Schwerlasten benötigt. So haben wir in den 50er, 60er Jahre angefangen Paletten herzustellen. Das heißt, wir haben uns weiterentwickelt und sind vom reinen Sägen von Bauholz zur Weiterverarbeitung im eigenen Hause übergegangen. Damals haben wir Standard-Industriepaletten gefertigt. Heute produzieren wir hauptsächlich Spezialpaletten, bspw. runde für die Papierindustrie und bieten die komplette Dienstleitung drum herum an.

Was genau kann man sich unter einer solchen Dienstleistung vorstellen?

Wir sind Palettenproduzent und Logistikdienstleister. Viele unserer Paletten sind Mehrwegpaletten. Unsere Kunden versenden sie mit ihren Waren in die ganze Welt. Anschließend kommen die leeren Paletten als Rücktransport wieder zu uns. Wir reparieren und reinigen sie und der Kreislauf beginnt von vorn. Teilweise sind die Paletten schon seit über 20 Jahren im Einsatz. Zudem bedienen wir die RFID-Technologie, d.h., wir haben die Software zur Überwachung der Paletten und Produkte entwickelt. Die Kreisläufe dazu haben wir bei uns im Haus geschrieben. Auch wird die Hard- und Software zur RFID-Technologie entwickelt und gebaut. Des Weiteren bieten wir die Verpackung von Großmaschinen oder Industriegütern als Dienstleistung an. Dazu fahren wir zu unseren Kunden, verpacken deren Güter vor Ort und machen den Containerstau. Zur Abwicklung von Luftfracht haben wir eine eigene Luftfrachthalle. Von dort werden beispielsweise Güter eines Windkraftanlagenherstellers in die ganze Welt verschickt. Wir haben die entsprechenden Zertifizierungen, die dafür nötig sind.

Eine weitere Sparte der Wilms GmbH ist das Hygieneholz. Was hat es damit auf sich?

Um 1970 herum wurden die Kuhställe deutscher Bauern revolutioniert. Aus Amerika kamen die sogenannten Boxenlaufställe zu uns. In diese Ställe wurde gehexeltes Stroh als Einstreu hineingetan. Da das Stroh zum Teil chemisch behandelt war, wurden die Kühe krank. Die Tierarztkosten der Bauern explodierten. Ein Bauer mit 50 Kühen hatte aufgrund dieser Haltung plötzlich etwa 10.000 DM Tierarztkosten. Wir haben in dieser Zeit hauptsächlich Kiefer verarbeitet. Die Sägespäne galten damals als Abfall - es gab noch keine Spanplatten oder Pellets – und mussten entsorgt werden. Die Bauern kamen irgendwann auf die Idee, statt Stroh Sägespäne als Einstreu zu verwenden. Wundersamerweise nahmen die Krankheiten bei ihren Kühen ab und die Tierarztkosten ließen sich drastisch reduzieren. Mit der Zeit kamen mehr und mehr Bauern zu uns - aus Diepholz, Lübbecke oder Osnabrück - um uns die Späne abzukaufen. Von einem Bauern aus der Nachbarschaft erfuhren wir damals, dass sich diese Wirkung nur bei unseren Kieferspänen beobachten ließ. Jahre nach dieser „seltsamen“ Beobachtung sind wir angefangen der Frage nachzugehen. 1995 haben wir die biologische Bundesanstalt in Braunschweig mit der Untersuchung der Unterschiede im Keimabbau bei verschiedenen Hölzern beauftragt.

Wieso haben Sie so viel Zeit verstreichen lassen, bis Sie dieser Frage auf den Grund gegangen sind?

Damals war ich, Heinrich Wilms, 18 Jahre alt und hatte zunächst andere Ziele, die ich verfolgt habe. Die Frage, ob es wohl tatsächlich einen Zusammenhang zwischen unseren Spänen und einer Heilung der Kühe gab, habe ich allerdings nie aus dem Hinterkopf verloren. Später sind wir mit sehr viel Skepsis und Widerstand konfrontiert worden, immer wieder. Holz war schließlich schon recht gut untersucht. Die erste Untersuchung in Braunschweig dauerte 6 Wochen und ergab, dass tatsächlich ein Zusammenhang besteht. Nach weiteren 6 Jahren Forschung stand fest, dass Kiefernkernholz Bakterien, Viren und Pilze in Schach halten kann.

Wie sind Sie mit dieser Erkenntnis umgegangen?

Das erste Produkt waren Fußmatten, für öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder und Umkleidekabinen, die zur Beseitigung von Keimen eingesetzt werden konnten. Später haben wir in der Freiburger Universitätsklinik Vollholz getestet. Nach einer weiteren langwierigen Prüfung unserer bereits erworbenen Erkenntnisse kam man auch hier zu dem Ergebnis, dass Holz in der Lage ist multiresistente Keime abzutöten und für den Einsatz in Krankenhäusern geeignet ist. Eine weitere Erkenntnis war, dass es sich auch genauso gut reinigen lässt wie Kunststoffflächen. Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass vor zwei, drei Jahren eine entsprechende deutsche Industrienorm (DIN 10528) geändert wurde, wonach Holz (sofern sich eine antibakterielle Wirkung nachweisen lässt) in Verbindung mit Lebensmitteln zulässig ist. Da wir mit unserem Hygieneholz diese Wirkung ja bereits nachgewiesen hatten, ist unser Holz demnach für den Lebensmittelbereich zugelassen. Wir dürfen also Paletten an Schlachtereien und Bäckereien liefern oder Fischkisten aus Holz fertigen.

Wie kamen Sie auf Pflegeprodukte?

Nach Vollholz und Matten kamen wir auf die Idee, die Inhaltsstoffe zu extrahieren um sie den Menschen in irgendeiner Art und Weise noch näher bringen zu können. Denkbar waren Medizinprodukte, wegen der antibakteriellen Wirkung, Nahrungsergänzungsmittel oder eben - und hier war die Zulassungsschwelle am niedrigsten - Kosmetik. Wir haben das Extrakt, welches wir aus den Holzspänen gewinnen, zunächst als Hautpflege angeboten. Später kamen Shampoos, Duschgel, Seifen, Lippenbalsam, Zahnpasta und vieles mehr hinzu. Gerade arbeiten wir an der Entwicklung einer Spülung für die Haare und Zahnpasta zur Reduzierung von Karies.

Trotz eines sehr steinigen Weges haben Sie nie aufgegeben, warum nicht?

Wir haben einiges an Lehrgeld zahlen müssen. Wenn man doch aber einen solchen „Schatz“ hat, muss der auch gehoben werden. Das wollten wir keinesfalls irgendjemand anderem überlassen. Die Leidenschaft meines Vaters, seine Kreativität und sein Einsatz haben die ganze Mannschaft angetrieben, so dass alle die enormen Herausforderungen gerne angenommen haben. Die Entscheidung die Sparte Hygieneholz zu gründen war aber auch eine Strategische. Um die Zukunft unseres Unternehmens zu sichern, flexibler zu sein und in Krisenzeiten weniger anfällig, muss man sein Unternehmen immer wieder neu erfinden. Darum suchen wir stetig neue Herausforderungen und stellen uns ihnen.

Ich danke Ihnen für das sehr interessante Interview!


 

 

 

 

 

 

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