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31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
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Volkshochschule Reckenberg-Ems

Interview mit Dr. Rüdiger Krüger, Leiter der Volkshochschule Reckenberg-Ems

Die Volkshochschule Reckenberg-Ems gehört mit einem ersten Platz bei „familie gewinnt 2011“ im Kreis Gütersloh, mit der Grundzertifizierung bei „berufundfamilie“ 2009 sowie dem Label „Recognised for Excellence 3star“ der EFQM in 2008 zu den Besten Deutschlands. Damit nimmt die VHS unter der Leitung von Dr. Rüdiger Krüger eine Sonderstellung ein. In einer Region mit knapp 100.000 Einwohnern ist sie proportional deutlich größer als viele große Einrichtungen. Sie ist Träger von 17 offenen Ganztagsgrundschulen (OGGS). Mit der Tochtergesellschaft FARE gGmbH und den OGGSn kommt die VHS auf 215.000 Unterrichts-, Betreuungs- und Beratungsstunden pro Jahr. Das sind rund 180.000 Stunden mehr als Volkshochschulen vergleichbarer Größe leisten. In den nunmehr 12 Jahren, in denen Dr. Rüdiger Krüger die VHS Reckenberg-Ems leitet, ist die Anzahl der Mitarbeiter von 18 auf heute rund 200 gestiegen.

Herr Dr. Krüger, was würden Sie sagen, sind die Erfolgsfaktoren Ihrer Volkshochschule?

Ein entscheidender Faktor ist sicherlich unser konsequent am Motto „Lernen im Lebenslauf“ entwickeltes ganzheitliches Konzept. Wir bieten den Menschen im Südkreis Gütersloh für alle Phasen ihres Lebenslaufs unterschiedliche Bildungsmöglichkeiten. Laut Weiterbildungsgesetz NRW haben Volkshochschulen sich klassischerweise um Erwachsene ab 16 Jahren zu kümmern. Wir haben auch Angebote für Kinder und Jugendliche; das ist in dieser Breite – v.a. mit den Instrumenten OGGS und FARE gGmbH – etwas Besonderes. Seit einem Jahr gehört außerdem die Business-Akademie Reckenberg-Ems zur VHS. Die Akademie richtet sich an Unternehmen. Wir bieten passgenaue Personalentwicklung für Unternehmen an und gestalten Veranstaltungen nach Themenschwerpunkten und Zielvorgaben der Unternehmen.

Gibt es weitere Besonderheiten, die Sie von anderen Volkshochschulen unterscheiden?

Wir halten eine sehr hohe Qualität vor. Schon bevor es in NRW Pflicht wurde, hatten wir ein Qualitätsmanagement als integriertes Managementsystem; dabei haben wir uns bewusst für das Kriterien-Modell der EFQM entschieden: In allen Bereichen arbeiten wir als ganzheitlicher Bildungsdienstleister wie ein modernes Wirtschaftsunternehmen. Z.B. haben wir ein lebendiges Leitbild entwickelt, an welchem wir uns orientieren, und nutzen in der strategischen Ausrichtung eine Balanced Scorecard. In regelmäßigen Abständen überprüfen wir das Leitbild und passen es gegebenenfalls an, sodass es stets zu den aktuellen Ansprüchen passt. Wir arbeiten mit Kennzahlen, wie Mitarbeiter- oder Kundenzufriedenheit aber auch für unsere Schlüsselergebnisse, die Auskunft über unseren Unternehmenserfolg geben, und überwachen diese systematisch.

Was beinhaltet dieses Leitbild?

Das Leitbild formuliert unseren Auftrag „Lernen im Lebenslauf“ und unsere übergeordneten Ziele und Standards. Unseren Mitarbeitern gibt es Orientierung zur Umsetzung unserer Strategie und Erreichung der gesteckten Ziele. Unseren Kunden steckt es die Leitplanken unserer Dienstleistungen ab, was darf der Weiterbildungs-Interessent von uns erwarten…

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?

Unsere Mitarbeiter haben grundsätzlich schon einen hohen Anspruch, sich um gesellschaftliche Notwendigkeiten zu kümmern. Ich pusche diese Ansprüche, indem ich meinen Mitarbeitern Vertrauen schenke und Verantwortung abgebe, sie zu proaktivem Verhalten anstifte. Die Mitarbeiter werden in so viele Entscheidungssituationen eingebunden, wie nur möglich. Heute läuft dadurch schon vieles selbstständig, sodass ich mich gar nicht mehr kümmern muss. Ich habe mein Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht!“ an meine Mitarbeiter weitergegeben.

Lief diese Verselbständigung automatisch an?

Bis sich Abläufe verselbständigen braucht es einen gewissen Reifeprozess. So war das auch bei uns. Wir haben unseren diskursiven Strategieprozess in einer Grafik veranschaulicht. Durch die grafische Darstellung von Abläufen und Zeitschienen wurde unser Prozess lebendig. Das hat einen erheblichen Beitrag zum Verstehen interner Prozesse geleistet. Alle Mitarbeiter besitzen dieses Schaubild. Jeder Einzelne kann sich darauf wiederfinden und weiß nun genau, wie er am Unternehmensdiskurs teilhat und was seine Rolle im Gesamtprozess ist.

Wie kann man sich die Einbindung Ihrer Mitarbeiter vorstellen?

Wir fragen die Mitarbeiter ganz schlicht aber systematisch nach ihrer Meinung und ihren Ideen. Diese diskutieren wir dann in unseren Teamleiterbesprechungen und später im Strategiekreis. Unsere Mitarbeiter halten wir während dieses Prozesses ständig auf dem Laufenden, geben ihnen Feedback, damit sie merken, dass sich etwas tut. Unser Leitbild wurde bspw. von allen Mitarbeitern gemeinsam entwickelt. So wird gewährleistet, dass alle dahinter stehen, sich damit identifizieren können und es gemeinsam weiterentwickeln.

Was würden Sie sagen, ist Ihre wichtigste Aufgabe als Führungskraft?

Als Führungskraft muss man in der Lage sein intern wie extern vehement und authentisch aufzutreten, um Leute überzeugen zu können. Ich muss meine Ideen verkaufen. Ich muss präsent sein, netzwerken und mich in möglichst vielen Gremien sehen lassen. Ein kompetenter, professioneller Auftritt ist dabei selbstverständlich – und das schon in den vermeintlich kleinen Dingen wie beispielsweise Präsentationen. Eine weitere wichtige Eigenschaft ist die Offenheit für Trends. Neue Einflüsse zu erkennen, aufzugreifen und das für sein Unternehmen nutzbringende herauszufiltern, ist eine wichtige Eigenschaft aller Führungskräfte, die langfristig erfolgsentscheidend ist.

Sie verlangen viel von Ihren Mitarbeitern, was bieten Sie ihnen im Gegenzug?

Wir bieten unseren Mitarbeitern sehr viel Sicherheit und Verlässlichkeit. Seit 2009 sind wir z.B. von der berufundfamilie GmbH als familienfreundliches Unternehmen zertifiziert. Unter anderem verpflichten wir uns damit, unsere Mitarbeiter in unterschiedlichen Lebenssituationen zu unterstützen, bspw. wenn sie zu pflegende Angehörige haben, das Kind einmal krank wird oder sie allgemein in Notsituationen geraten. Des Weiteren stellen wir alle Mitarbeiter nach der ersten Befristung – also der ersten Projektlaufzeit in der FARE oder, in der OGGS, nach dem ersten Schuljahr – fest an.

Bilden Sie als Bildungsträger auch Ihre eigenen Mitarbeiter weiter?

Unser Leitbild beinhaltet das. Wir haben einen festen Weiterbildungsetat. Unser Ziel ist es, jedem Mitarbeiter 4,5 Weiterbildungstage im Jahr zukommen zu lassen. Um dies systematisch zu gestalten, haben wir eine umfassende Weiterbildungsbedarfsanalyse gemacht, um die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter individuell zu erfassen und systematisch in die Personalentwicklung einfließen zu lassen. Zusätzlich kann jeder Mitarbeiter jede Weiterbildung aus unserem Programm, die ihm in seinem Job etwas bringt, kostenlos nutzen.

Hat sich mit der Leitbildentwicklung auch Ihr Außenauftritt verändert?

Wir haben das sehr klare Corporate Design der meisten VHSn in NRW übernommen, an welches wir unseren Bildungskatalog sowie alle externen Unterlagen und Flyer angepasst haben, – auch um als starker Bildungsdienstleister die Dachmarke „VHS“ zu stärken. Unser Internetauftritt wurde ebenfalls angepasst. Außerdem haben wir, als wir schon mal dabei waren, Programmauszüge unseren Zielgruppen angepasst. Die „Junge VHS“ für Kinder und Jugendliche ist dabei bewusst bunter gestaltet als bspw. die „Business-Akademie“, um jede Zielgruppe bedarfsgerecht anzusprechen.

Was planen Sie für die Zukunft?

Unser nächstes Ziel ist es, Finalist im Ludwig-Erhard-Preis zu werden, d.h. wir wollen auf über 500 EFQM-Punkte bei der Bewertung durch ein Assessoren-Team kommen – als externe Überprüfung für das Funktionieren unseres Managementsystems. Auf dem Weg dorthin sind wir. Wir haben zudem damit begonnen, den operativen Teil der VHS innerhalb unseres Zweckverbandes in eine VHS gGmbH auszugliedern. Die FARE gGmbH wird dann deren Tochtergesellschaft. So werden wir noch unabhängiger und flexibler agieren können. Unternehmen, die mit uns zusammenarbeiten, werden in Zukunft mit einer GmbH Geschäfte machen. Das macht manches einfacher. Mit der Gründung dieser GmbH und der Teilnahme am Ludwig-Erhard-Preis hoffen wir, unsere wichtigsten Ziele in diesem Jahr zu erreichen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei. Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Krüger!

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