Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
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fm Unternehmensgruppe Franz Meyer GmbH & Co. KG

Interview mit Ulrich Meyer und Theo Budde, Geschäftsführer der fm-Unternehmensgruppe Franz Meyer GmbH & Co. KG

1964 legte Tischlermeister Franz Meyer den Grundstein für das Familienunternehmen, das heute in zweiter Generation von Ulrich Meyer und Theo Budde geführt wird. Die fm-Unternehmensgruppe ist mit kontinuierlich wachsendem Erfolg am Markt tätig. Der einstige Handwerksbetrieb ist in knapp 50 Jahren zu einem der 10 größten Büromöbelhersteller Deutschlands geworden und beschäftigt heute 250 Mitarbeiter. Qualitativ hochwertige Produkte haben maßgeblich zur Bekanntheit des Unternehmens aus dem Oldenburger Münsterland beigetragen. In der Sparte Kopierunterschränke ist fm Weltmarktführer.

Wie kam es zu der Gründung Ihres Unternehmens?

Unser Gründer, Franz Meyer, machte sich zunächst mit einer ganz „normalen“ Tischlerei, einem Einmannbetrieb, selbstständig. Von Beginn an war es sein Ziel, in Serie zu produzieren. Einerseits konnte er so die größtmögliche Wertschöpfung aus seinen Ideen erzielen, andererseits war die Serienproduktion eine Möglichkeit sich von den Wettbewerbern abzuheben. Franz Meyer ist damals gleich auf einem recht hohen Niveau eingestiegen. Mit dem Otto Versand haben wir früh einen namhaften Großkunden gewinnen können. Für Otto haben wir Dielenmöbel in großen Stückzahlen produziert.

Heute fertigen Sie Büro- und Systemmöbel. Wodurch kam dieser Wandel zustande?

Das war ein wirklicher Zufall. Die Industrie für private Wohnmöbel war ein schwieriges Geschäft, die Konkurrenz sehr stark. In dieser Zeit, um 1975,  bekamen wir eine Anfrage nach Unterschränken für Kopierer. fm war in der Lage diese zu fertigen. So eröffnete sich eine, für uns völlig neue, Sparte mit einem anderen Klientel und ganz anderen Mengen. Zunächst haben wir beide Branchen parallel bedient. Die Produktion der Kopierunterschränke unterschied sich jedoch deutlich von der, der Wohnmöbel. So haben wir uns nach und nach aus der Produktion von Wohnmöbeln zurückgezogen.

Was war der Grund für die Gründung der Sparte Kunststofftechnik?

Die Kopierer, für welche wir die Unterschränke fertigen, haben sich mit der Zeit in ihrer Form und Bauweise verändert. Die Hersteller wollten irgendwann, dass Kopierer und Unterschrank aussehen wie aus einem Guss. Kunststoff war das am besten geeignete Material, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Zuerst haben wir Kunststoffteile zugekauft. Als es sich mit steigender Auftragszahl lohnte, eine Kunststoffmaschine anzuschaffen, taten wir dies. Mittlerweile ist die Kunststofftechnik eine eigenständige Firma zur Entwicklung und Produktion von Kunststoffartikeln, wie z. B. Werkzeugkisten, Ententränken oder Baggertüren. Gerade in der Sparte Kunststoff verbirgt sich ein  unerschöpfliches Potential an Innovationen. Laufend werden neue Artikel konstruiert, um sie dann auch in Serie zu fertigen. Derzeit ist Ulrich Meyer dabei, einen Bio-Kunststoff (Biopolymer) zu entwickeln, mit dem sich bei Zusatz eines biologischen Abfallproduktes bis zu 50% an Kunststoffrohmaterial einsparen lässt. Diese Entwicklung ist vor allem in Richtung Umweltfreundlichkeit wegweisend.

Welche Faktoren sind aus Ihrer Sicht maßgeblich für erfolgreiches Unternehmenswachstum?

Die permanente Weiterentwicklung des Unternehmens ist, egal um welche Branche es sich handelt, ein bedeutender Faktor. Wer in der Entwicklung stehen bleibt, wird von der Konkurrenz überholt. Viele Entscheidungen, die in diesem Zusammenhang getroffen werden müssen, erfordern Mut, schließlich könnte es sich um eine Fehlentscheidung handeln. Wir haben bisher immer Glück gehabt und die richtigen Entscheidungen getroffen. Uns war es immer wichtig, verantwortungsvoll zu wachsen. Man sollte immer den nötigen Weitblick haben und schrittweise vorgehen. Da sich die mit Unternehmenswachstum einhergehenden Aufgaben verändern,  muss man in der Lage sein, diese neuen Aufgaben auch zu erfüllen.

Können Sie eine beispielhafte Entscheidung nennen?

Globalisierung ist ein großes Thema. Man darf sich ihr nicht verschließen. Die Geräte, für welche wir die Unterschränke bauen, werden weltweit vertrieben. Vor 7 Jahren haben wir deshalb begonnen, unsere Produkte in den USA zu vertreiben. Wir haben schnell gemerkt, dass wir dort nur erfolgreich sein können, wenn wir vor Ort produzieren. Gerade die Amerikaner legen Wert darauf, Dinge aus dem eigenen Land zu beziehen und weniger aus Europa zu importieren. Wir exportieren in Länder, in denen der Einrichtungsstil ähnlich dem Unseren ist, bspw. nach Österreich, in die Schweiz und nach Holland. Die deutsche Büromöbelindustrie ist die Beste der Welt, unsere Produkte sind gefragt.

Woher kommen bei fm die Impulse für neue Entwicklungen?

Es gibt ganz unterschiedliche Quellen für neue Impulse. Einerseits werden bestehende Artikel ständig weiterentwickelt, andererseits fragen auch die Kunden immer wieder neue Produkte an. Vor einigen Jahren haben wir einen Händlerbeirat installiert. Die Händler geben uns Feedback zu unserem Produktprogramm. Neben der Zusammenarbeit mit den Händlern kooperieren wir derzeit mit der Uni Vechta. Wir designen gemeinsam eine Handyzelle, welche in Büros aufgestellt werden kann und Handynutzern einen Rückzugsort für Telefonate bietet.

Was sind die, für Sie, wichtigsten Eigenschaften eines innovativen Unternehmers?

Man muss neuen Dingen gegenüber ganz grundsätzlich erst mal aufgeschlossen sein. Außerdem bedarf es der Fähigkeit, Ideen aus verschiedenen Richtungen zusammenzufügen, Kontakte zu vernetzen und Synergiechancen zu erkennen. Ulrich Meyer ist der Erfinder hier bei uns im Haus und hat bereits zahlreiche Patente angemeldet. Er beeinflusst den Innovationsgeist unseres Unternehmens, der durch unseren Gründer geprägt wurde, maßgeblich und legt großen Wert darauf, dass das Unternehmen viele verschiedene Standbeine hat. Der Seniorchef, Franz Meyer, wurde erst kürzlich mit dem Unternehmerpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter in die Ideenfindung ein?

Wir leben den Innovationsgeist vor und unsere Mitarbeiter folgen begeistert. Sie sind aber auch von sich aus sehr aufgeschlossen, beinah hungrig, gegenüber Neuerungen und wirklich kreativ. Um diese Kreativität noch zu fördern haben wir vor 5 Jahren, zusätzlich zu unserer Serienfertigung, eine Sonderfertigungsabteilung eingerichtet. Das ist unsere Kreativabteilung. Neue Entwicklungen entstehen dort, werden erprobt und gegebenenfalls weiterentwickelt, bevor sie in die Serienfertigung gehen.

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?

Indem wir Ihnen Vertrauen schenken und sie ernst nehmen. Wir behandeln die Menschen bei uns alle gleich, unabhängig von der Arbeit, die sie machen. Wir unterscheiden in der Wertschätzung beispielsweise nicht zwischen Management oder Produktionsmitarbeitern. In gewisser Weise manipulieren wir unsere Mitarbeiter – im positiven Sinne. Wir sorgen dafür, dass sie über sich hinaus wachsen.

Was ist der besondere Geist, der die fm Unternehmensgruppe zu dem macht, was sie heute ist?

Wir sind ein Familienunternehmen, unsere Strukturen und unser Umgang miteinander sind entsprechend geprägt. Zu dem Großteil unserer Mitarbeiter haben wir engen Kontakt. Wenn jemand etwas auf dem Herzen hat, kann er zu uns kommen und wir setzen uns mit seinem Problem auseinander. Entscheidend ist sicherlich auch, dass unsere Mitarbeiter - viele sind schon 20, 25 Jahre bei uns – immer nur eine Geschäftsführung erlebt haben. Es hat zwar einen Generationswechsel gegeben, die Familie ist jedoch noch immer die Gleiche. So etwas schafft Identität.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview!


 

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