Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

mehr lesen 

 

 

 

Zoz GmbH

Interview mit Prof. Dr. Henning Zoz, Geschäftsführer der Zoz GmbH

Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der mechanischen Verfahrenstechnik ist die Zoz GmbH der global operierende Marktführer im Anlagen- und Gerätebau. Das Wendener Unternehmen entwickelt zudem nutzbringende prozesstechnische Lösungen und ökonomisch durchdachte Produkte und Bauteile, deren Anwendungsbereich von Schokolade über Treibstoffe bis hin zu Feststoffraketen reicht. Im September letzten Jahres wurde Geschäftsführer Prof. Dr. Henning Zoz für sein hohes gesellschaftliches Engagement, seine Innovationskraft und die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens von der Zeitschrift „Südwestfalen Manager“ mit dem Titel „Manager des Jahres“ ausgezeichnet.

Herr Dr. Zoz, was würden Sie sagen ist der Grund für Ihren Erfolg, was unterscheidet Ihr Unternehmen von den Wettbewerbern?

Wir haben Nischen gefunden und Expertisen erkannt. Wir haben die Möglichkeit genutzt, unseren Nischenmarkt global zu bedienen. In Zeiten in denen alle von Outsourcing reden, betreiben wir gewissermaßen Insourcing und generieren für uns somit ein Alleinstellungsmerkmal. Wir bewegen uns auf einem Geschäftsfeld, welches wir exklusiv versorgen. Wir stellen Anlagen und Geräte zur mechanischen Verfahrenstechnik her und bedienen gleichzeitig die dazugehörigen Prozesse. Mit unseren eigenen Anlagen produzieren wir zudem nanostrukturierte Werkstoffe. Diese verarbeiten wir schließlich zu Schichten, Lacken und Bauteilen.

Wie kam es dazu?

Früher haben wir im Vordergrund Maschinen zur Herstellung von Nanostrukturen gebaut. Diese lassen sich großtechnisch wirtschaftlich und nachhaltig produzieren. Das Problem ist allerdings, dass es sich, auch wenn die Technologie dahinter schon seit 50 Jahren besteht, in der wirtschaftlichen, industriellen Anwendung um eine Boardertechnologie handelt, die sich noch lange nicht durchgesetzt hat. Verkaufen konnten wir dementsprechend nur in der akademischen Forschung und Entwicklung. Dieser Markt war schnell gesättigt. Deutsche Maschinen halten viel zu lange und wir konnten keinen nachhaltigen Markt damit erzielen. Irgendwann standen wir vor der Entscheidung aufzugeben, oder aber die Produkte, die für diese Anlagen beabsichtigt sind selber herzustellen und uns auf diese Weise einen eigenen Markt zu schaffen.

Welche Auswirkungen hat eine solche Alleinstellung?

Alleinstellung ist nicht immer nur von Vorteil, sondern kann auch sehr problematisch und gefährlich sein. Man muss sorgfältig damit umgehen. Einerseits ist das Problem, dass wir Produkte verkaufen, mit denen der Kunde nicht gleich auf Anhieb etwas anzufangen weiß. Unser Vertrieb muss sich ins Zeug legen, dem Kunden vorrechnen und ihm zeigen können wie er mit dieser Technologie, mit unserem Produkt, Geld verdienen kann. Andererseits werden wir auf diese Weise für jeden potenziellen Kunden zu einem potenziellen Konkurrenten.

Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Wir begegnen unseren Kunden mit sehr viel Transparenz und sehr einfach gestrickten, klaren und exakt zu befolgenden Verträgen und Geheimhaltungsabkommen.
Unsere Kunden wissen das zu schätzen und schenken uns ihr Vertrauen. Die Kombination aus Anlagenbau, Werkstoffentwicklung und -herstellung führt zudem, zum Nutzen unserer Kunden, zu äußerst nutzbringenden prozesstechnischen Lösungen und ökonomisch durchdachten Anlagen und Geräten. Wir dienen dem Kunden unter anderem als verlängerte Werkbank und er hat immer die Möglichkeit zwischen dem Produkt, der Dienstleistung oder beidem zu wählen.

Auf diese Weise generieren Sie weiteres Wachstum?

Um ein Produkt wirtschaftlich bauen zu können, müssen bestimmte Stückzahlen vorhanden sein. Jedes Geschäftsmodell braucht eine entsprechende Infrastruktur. Man muss in Vorleistung treten und etwas in die Welt setzen. Wachstum muss also zuerst einmal bezahlt werden können. Dazu braucht man Basics, eine Plattform, von der aus man sich gewissermaßen austoben und das machen kann, was man wirklich gerne machen will.

Was verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter einer Plattform?

Synergien können eine solche Plattform sein. Wir fertigen zum Beispiel einen Superleichtbauwerkstoff, der in der Entwicklung sehr teuer war. Die Firma Bayer hat die Entwicklungskosten im Wesentlichen übernommen weil wir deren Produkt mit verwenden. Da wir die Entwicklungskosten nun nicht mehr tragen müssen, können wir vermutlich schon im nächsten Jahr Geld mit dem Werkstoff verdienen, das wäre sonst erst Jahre später der Fall gewesen.

Wie kam es zu der enormen Diversifizierung Ihres Portfolios?

Unsere Diversifizierung ist begründet in Opportunitäten und wirtschaftlichen Zwängen. Ich habe beispielsweise ein Reisebüro gegründet, weil wir - die Zoz GmbH - einfach selber unglaublich viel reisen und dieses sich dadurch bereits lohnt. Auf ähnliche Weise kam es zur Gründung weiterer Geschäftsbereiche. Im Hintergrund besteht also immer ein gewisser Bedarf. Der Sinn ist, die globale Infrastruktur unseres Unternehmens auch für andere Zwecke zu nutzen und mit Vorhandenem Synergie-Effekte auszubauen. Nicht zuletzt erhöhen wir so die Effizienz unseres Kapitaleinsatzes erheblich.

Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter der permanenten Entwicklung der Zoz Gruppe folgen können?

Wir brauchen gute Mitarbeiter. Entscheidend ist nicht unbedingt die Qualifikation auf dem Papier, sondern die Motivation – wer wirklich etwas will, der kann das auch schaffen. Die Motivation unserer Mitarbeiter ist der Schlüssel langfristigen Erfolgs. Wie wir uns in der Entwicklung unter unsere Kunden gemischt haben, müssen wir uns im Personalbedarf in die Personalentwicklung einmischen. Im Forschungsbereich haben wir einige Kooperationen und betreuen Studenten, darunter viele japanische Austauschstudenten, die Ihre Abschlussarbeiten bei uns schreiben oder an Projekten mitarbeiten.

Was ist Ihre Aufgabe, die Aufgabe des Unternehmers?

Es ist unter anderem die Aufgabe eines Unternehmers, sich verzichtbar zu machen und diese Philosophie an die Mitarbeiter weiterzugeben. Gute Mitarbeiter sind diejenigen, die Ihre Arbeit so planen und erledigen, dass Kollegen diese kurzfristig übernehmen können. Der Chef geht zwar als Leitfigur voran aber ein erfolgreiches Unternehmen ist niemals eine Person, vielmehr ist es eine Mannschaft, Kollegen, ein Team, indem jeder das macht, was er gut kann und gerne macht.

Sie sprachen zuvor von Motivation, was ist Ihre Motivation?

Ich möchte etwas tun, was andere nicht tun und dabei besser sein als diejenigen, die ähnliches tun. Wer erfolgreich sein will, darf niemals still stehen sondern muss sich permanent weiterentwickeln. Man muss seinen Verstand nutzen, bereit sein Grenzen zu überschreiten und auch mal quer zu denken. Meine Generation sollte bestrebt sein, unseren Kindern – ich selbst habe sieben – ein Vorbild zu sein. In Deutschland wurde die Wichtigkeit von Kindern noch nicht erkannt. Kinder sind unsere Zukunft und es ist an uns, als gutes Beispiel voran zu gehen. In all unserem Handeln und Tun sollten wir bemüht sein, stetig besser zu werden, dazu zu lernen und uns zu entwickeln.

Ein schönes Schlusswort, vielen Dank Herr Dr. Zoz.

Große Hamkenstraße 32 | 49074 Osnabrück | Fon: 0541 - 35 73 99 - 0 | Fax: 0541 - 35 73 99 5    essenzio Beratungsgesellschaft mbH   essenzio Beratungsgesellschaft mbH