Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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AMAZONEN-Werke H. Dreyer GmbH & Co. KG

Interview mit Christian Dreyer, Geschäftsführer der AMAZONEN-Werke H. Dreyer GmbH & Co. KG

1883 von Heinrich Dreyer gegründet, werden die Amazonen-Werke heute in vierter Generation von Christian und Dr. Justus Dreyer geführt. Amazone ist Spezialist für Land- und Kommunalmaschinen, die auch außerhalb des Stammwerks in Hasbergen-Gaste bei Osnabrück an weiteren deutschen sowie internationalen Standorten produziert werden. Über ein umfassendes Vertriebsnetz in der ganzen Welt gelangen die Produkte an mittelständische Kunden, Großbetriebe und Lohnunternehmer in über 70 verschiedenen Ländern. Internationalität ist für das Familienunternehmen eine herausragende Kernkompetenz: Der Exportanteil des von 1600 Mitarbeitern erwirtschafteten Umsatzes liegt bei ca. 80%. Mit 26 Medaillen bei den letzten 8 Agritechnica-Ausstellungen ist Amazone außerdem eines der innovativsten Unternehmen seiner Branche.

Herr Dreyer, was macht den Erfolg Ihres Unternehmens aus?

Einen bedeutenden Anteil zur Entwicklung unseres Unternehmens tragen, schon seit unserer Gründung vor 128 Jahren, die Innovationen über das Produktprogramm bei. Darüber hinaus nehmen bis heute die Beobachtung und Erschließung neuer Märkte einen enormen Stellenwert ein. Die Internationalisierung und der Aufbau weltweiter Vertriebsstandorte ermöglichen unser stetiges dynamisches Wachstum.

Demnach haben Innovationen eine traditionelle Verankerung bei Amazone?

Amazone steht bereits seit der Gründungszeit des Unternehmens für Innovationen, wobei sich diesbezüglich das Tempo beschleunigt hat. Entscheidende Innovationsschritte gab es immer wieder seit den 60er-Jahren, zu einer Zeit, in der die Landwirtschaft noch relativ klein strukturiert war. In diesem Zeitraum fand – als Folge des Trends zu größeren Betrieben und Lohnunternehmen - eine erhebliche Umstrukturierung hin zu immer größeren Maschinen statt. Dies bezieht sich sowohl auf Fassungsvermögen als auch auf Arbeitsbreiten. In den letzten Jahren konzentrieren sich die Innovationsschritte demgegenüber auf die Bereiche mehr Arbeitsgeschwindigkeit, mehr Komfort und mehr Intelligenz. Dies wiederum erfordert einen intensiven Einsatz von moderner Elektronik, wie GPS-Systemen. Entsprechend dieser Veränderungen ergaben sich neue Herausforderungen für unsere Branche. Bei konstanten Getreidepreisen und steigenden Kosten waren und sind wir gefordert, Rationalisierungsprozesse in der landwirtschaftlichen Produktion zu begleiten. Die unter hohem Kostendruck stehenden Landwirte müssen mit innovativer Technik versorgt werden. Dies schlägt sich in unserem 3C-Ackerbaukonzept (Cost Cutting Concept) nieder. Hier haben wir den Leitsatz „Mehr mit Weniger“ als Maxime für unsere Innovationen: Also mehr ernten mit weniger Einsatz, z.B. von Betriebsmitteln wie Kraftstoff.

Von der innovativen Idee bis zur Innovation bedarf es häufig eines zeitintensiven Umsetzungsprozesses. Wie konnten Sie diesen Schritt bisher so erfolgreich bewältigen?

Wir blicken kontinuierlich über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren voraus und legen zusätzlich viel Wert auf eine große Anzahl an Mitarbeitern, die sich mit der Entwicklung befassen. Wir, als Geschäftsleitung lassen neue Ideen zu und fördern diese. Der Weg bis zur Umsetzung einer Innovation muss mit voller Überzeugung bewältigt werden, aber auch Rückschläge müssen in Kauf genommen werden. Manchmal ist es notwendig, vor der Realisierung durch „das Tal der Tränen“ zu gehen, um später erfolgreich zu sein. Neben dem gewissen Durchhaltevermögen und der Überzeugung ist außerdem ein gutes Augenmaß für die Kunden und für den Markt eine Erfolgsvoraussetzung. Die Vision des innovativen Produkts muss realisierbar sein und dem Kundenbedarf entsprechen. Schließlich wird das neue Produkt drei Mal verkauft: an die eigenen Mitarbeiter, an die Vertriebspartner und zuletzt an den Kunden.

Woher kommen die Ideen für neue Innovationen? Wie verläuft diesbezüglich die interne Kommunikation?

Die Innovationen stehen in unserem Unternehmen auf einem breiten Fundament. Wir setzen unsere Produktmanager speziell nach Produktgruppen ein. Sie erfassen die Bedarfsentwicklung und die internationale Wettbewerbssituation auf den Märkten. Zudem berücksichtigen wir die Vorschläge und Erfahrungen aus dem Vertrieb und der Verkaufsförderung, der sowohl nachfrage- als auch zukunftsorientiert neue Ideen entwickelt. Des Weiteren haben wir unsere Entwicklungsingenieure, die die potentiellen Möglichkeiten des aktuellen technischen Niveaus überblicken und vorausschauend denken. Hinzu kommt eine intensive Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Praxis. Auf dieser Basis entstehen dann unsere Maschinen und Verfahren für den "Intelligenten Pflanzenbau" – unserer strategischen Positionierung. Allerdings bedarf es einer systematischen Integration, um diese verschiedenen Perspektiven zu vereinen. Außerdem haben wir gute Führungskräfte, die die Initiative für Innovationen ergreifen.

Welche Kernkompetenzen müssen Ihre Mitarbeiter vorweisen?

Unsere einzelnen Abteilungen sollen aus eigener Überzeugung und Motivation handeln. Wir wollen mit unseren verschiedenen Maschinen sowohl den Nebenerwerbslandwirt, den Großbetrieb als auch den Lohnunternehmer optimal bedienen und dabei durch eine Top-Qualität überzeugen. Dieses Ziel hat jeder Mitarbeiter verinnerlicht. Druck von höheren Führungsebenen würde nur Aktionismus bewirken, jedoch keine Innovation. Dadurch, dass wir eine internationale Familie sind, zählen auch die sprachlichen Kompetenzen zu den Voraussetzungen, um die internationalen Märkte optimal betreuen zu können.

Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?

Neben der innovativen haben wir eine familiäre Seite. Unsere Standorte sind regional geprägt, jedoch mit internationaler Ausrichtung. Unseren Mitarbeitern ist bewusst, dass die Internationalisierung eine große Chance, aber nicht eine Gefahr, bedeutet. Mittlerweile sind wir ein deutsches, französisches und russisches Unternehmen. Darüber hinaus pflegen wir eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Generationen. Die Erfahrung und eine gewisse Gelassenheit der älteren Generation verbinden sich mit der Geschwindigkeit sowie dem Blick für das Neue auf Seiten der jüngeren Generation. Aus dieser Kombination resultiert eine enorme Effektivität.

Wie begegnen Sie dem enormen Wachstumsschub, den Sie im Vergleich zum Vorjahr erzielen konnten?

Die Amazonen-Werke werden im Vergleich zu 2010 bei einem Umsatzplus von etwa 25 bis 30% liegen. Das ist ein erheblicher Schritt für ein Unternehmen. Dabei wachsen wir auch stark über Zulieferer. In der Hochkonjunktur kaufen wir mehr Teile zu und in der Rezession nehmen wir mehr Teile wieder in die eigene Produktion, um diese stärker auszulasten. Dadurch können wir konjunkturelle Schwankungen gut ausgleichen. Dies ist notwendig, da unser Markt erheblich durch die gesamtwirtschaftlichen Veränderungen geprägt ist. Wir wachsen zudem teilweise über die Einstellung von neuen Mitarbeitern sowie Zeitarbeitnehmern. Parallel dazu investieren wir zurzeit an allen Standorten in neue Produktionsanlagen. Ungeachtet unserer Weiterentwicklungen sind wir stets bodenständig geblieben. Mein Vater sagte einmal: „Ein Erfolgsrezept ist, dass man sich auch von den größten Erfolgen nicht aus der Ruhe bringen lässt.“

Ist es nicht schwierig, bei einem derartigen Wachstumsschub, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter einzustellen?

Vor einigen Jahren gestaltete sich dies weniger aufwändig. Heute ist es wichtig, als Arbeitgeber attraktiv zu sein und beispielsweise an Schulen, Hochschulen und in den Ausbildungsbereichen frühzeitig Kontakte zu potentiellen Mitarbeitern zu knüpfen. Zahlreiche neue Mitarbeiter übernehmen wir aus unserer eigenen Ausbildung, vor allem im Produktionsbereich. Insgesamt beschäftigen wir 80 Auszubildende. Häufig arbeiten auch die Töchter oder Söhne unserer Beschäftigten bei uns. Den weiteren Bedarf an Mitarbeitern akquirieren wir auf dem Markt. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass wir ein sehr gutes Image vorweisen können: Nach Umfragen der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft DLG steht Amazone derzeit auf Platz 5 im Imagebarometer der gesamten Landmaschinenhersteller-Branche.

Vielen Dank für das interessante Interview, Herr Dreyer.

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