Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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Hermann Paus Maschinenfabrik GmbH

Interview mit Wolfgang Paus, Geschäftsführer der Hermann Paus Maschinenfabrik GmbH

1968 von Hermann Paus gegründet, wird die Paus Maschinenfabrik GmbH heute in zweiter Generation von den Söhnen Wolfgang und Franz-Josef Paus geleitet. Das in Emsbüren beheimatete Unternehmen entwickelt und produziert innovative Maschinen und Fahrzeuge für besondere Aufgabenstellungen. Zum Kerngeschäft gehören sowohl Berg- als auch Tunnelbaufahrzeuge speziell auf die Anforderungen des Untertage-Einsatzes konzipiert. Baumaschinen, Lifttechnik und Industriefahrzeuge zählen ebenfalls zur Produktpalette.

Heute wird die ganze Welt aus dem Emsland beliefert. Im Jahr 2010 machte die Hermann Paus Maschinenfabrik GmbH einen Umsatz von ca. 41 Mio. Euro bei einem Exportanteil von über 70%.

Die Paus Maschinenfabrik hat seit Ende der 60er Jahre ein enormes Wachstum hingelegt, worauf ist das zurück zu führen?

Das Unternehmensgen und der Pioniergeist, also der frühe Drang zur Internationalisierung, die Offenheit gegenüber Neuerungen und der Mut meines Vaters haben unseren Erfolg maßgeblich geprägt. Ursprünglich kam er aus der Landmaschinenbranche, hat dann allerdings sein Unternehmen mit selbst entwickelten Produkten für die Bauindustrie gegründet. Während der Rezession in den 70er Jahren hat mein Vater sich umorientiert und nach zusätzlichen Kundenbereichen gesucht, um seine Dienstleistung, das Erstellen von technischen Kundenlösungen, auf andere Branchen auszuweiten. Über die Herstellung zunächst kleiner Baumaschinen sind wir in den Bergbaubereich eingestiegen, einen für uns neuen Markt, der uns international viele Türen geöffnet hat.

Was macht das Unternehmensgen im Kern aus?

Unternehmer kann man nicht lernen, man muss es sein, braucht eine Vision. Man muss Dinge angehen und gestalten wollen. Durch seine Leidenschaft für technische Finessen war mein Vater für Neuerungen immer zu begeistern. Er hat die Nähe zu den Kunden gepflegt um zusammen mit Ihnen an technischen Problemlösungen zu arbeiten. Bis heute ist diese Kundennähe der Grundstein unserer Firmenphilosophie. Ein Unternehmer braucht zudem eine gewisse Bereitschaft zum Risiko und die Vernunft, die einem das Risiko nicht zum Spiel werden lässt. Mein Vater mit seinem technischen Innovationsgeist und meine Mutter, die mit Ihrem kaufmännischen Wissen das Handeln meines Vaters in vernünftigen Bahnen gehalten hat, bildeten ein durchaus erfolgreiches Team.

Was ist erforderlich, um langfristig erfolgreich zu sein?

Wer kontinuierlich Erfolg haben will, kommt um Wachstum nicht herum. Unternehmen sind ständig gefordert, bestimmte Dinge vorzuhalten. Kompetenzen und Know-how müssen entwickelt und vorangetrieben werden. Oftmals geht ein Personalaufbau einher. Entsprechend müssen Umsatz und Volumen steigen, um weiterhin Gewinn zu erwirtschaften. Die Anforderungen an den Mittelstand und auch an uns als Maschinenbauer sind in der Vergangenheit stark gestiegen. Eine Vielzahl an Dokumentationen, Abnahmen und Kenntnissen sind erforderlich, unabhängig von der Anzahl der gefertigten Maschinen. Ohne das entsprechende Volumen wird es schwierig, die dafür notwendigen Synergien zu nutzen.

Was ist das besondere, das ihre Produkte für Kunden so interessant macht?

Der Grundkern unserer Firmenphilosophie ist die Nähe zu und Interaktion mit unseren Kunden, das ist inzwischen in der Branche bekannt. Wir entwickeln zusammen mit unseren Kunden Produkte auf individueller Basis und berücksichtigen spezielle vom Standard abweichende Anforderungen. Die Bergbaubranche, unser umsatzstärkster Bereich, fordert aufgrund der per se unterschiedlichen Gegebenheiten in Bergwerken eine individuelle Produktentwicklung. Wir halten eine hohe Kompetenz vor und haben inzwischen ein gewisses Volumen, welches uns eine entsprechende Reputation verschafft. Zudem haben unsere Kunden seit 44 Jahren die Verlässlichkeit mit einem „Paus“ zu sprechen.

Wie bewältigen Sie die Komplexität, die mit der individuellen Produktentwicklung einhergeht?

Unsere Kunden wollen individuelle Problemlösungen und erwarten Lösungsvorschläge vom Hersteller. Um den individuellen Anforderungen wirtschaftlich gerecht werden zu können, braucht man eine gewisse Struktur. Nicht nur von den Produkten, auch von der Produktionstechnik, kamen wir aus einem Nischenbereich. 1992 sind mein Bruder und ich in das Unternehmen eingestiegen und haben angefangen nach und nach Veränderungen umzusetzen, eine industrieorientierte Struktur aufzubauen. Entscheidend dabei war die Erstellung einzelner Module und die Definition interner Schnittstellen. Ziel war es, die individuellen Anforderungen unserer Kunden in irgendeiner Art und Weise baukastenmäßig zusammenbringen zu können. Wir haben sehr viel in strukturelle Veränderungen investiert, Nutzungen von entsprechenden Softwarepaketen, Veränderungen in der Mitarbeiterstruktur und Entwicklungen, was modulare Baukomponenten angeht, sodass entsprechend Synergien genutzt werden können. Heute ist der Aufwand im Rahmen der Konstruktion und Vorplanung höher, wir können aber mit gleicher Mannschaft den Ausstoß, das Volumen, erhöhen.

Sie sprachen von einer Änderung in der Mitarbeiterstruktur, gab es auch eine Änderung in der Führungsstruktur?

Wie in Familienunternehmen nicht unüblich, war auch bei uns die Führung zunächst recht patriarchalisch geprägt. Dennoch wurden wichtige Schlüsselpositionen schon immer mit guten Leuten besetzt. Mein Vater hat Vertrauen gehabt und Verantwortung abgegeben. Über die Jahre sind wir mehr und mehr zur Teamarbeit übergegangen, zu der Verbreiterung des Wissens und der entsprechenden Kommunikation. Unsere heutigen Führungsaufgaben sind vergleichbar mit den Aufgaben eines Trainers. Unter Berücksichtigung der individuellen Stärken unserer Mitarbeiter stellen wir Teams zusammen, strukturieren diese. Je größer ein Unternehmen wird, umso schwieriger wird es, herauszufinden, wer sich wann, wie und wo wohlfühlt. Das ist uns bisher gut gelungen, unter unseren Mitarbeitern herrschen eine gute Stimmung und Zusammenhalt.

Was sind entscheidende Faktoren für einen Mitarbeiter um sich wohlzufühlen?

Die Tendenz in der heutigen Gesellschaft geht zurück zu Familienunternehmen, die bestimmte Werte wie Fürsorge und Wertschätzung vermitteln. Es geht nicht mehr ausschließlich um Geld oder wenig Arbeitszeit, sondern mehr um Lebenswerte und Work-life-balance. Wir als Familiengesellschaft vertreten eine andere Philosophie als managementgeführte Unternehmen. Wir sind weniger auf Quartals- oder Jahresergebnisse angewiesen, sondern vielmehr generationsgetrieben. Unsere Aufgabe ist es unsere Werte zu erhalten, zu entwickeln und zu übergeben. Das kommt auch bei den Mitarbeitern an und schafft eine gewisse Ruhe und Verlässlichkeit.

Vielen Dank für das Interview, Herr Paus.

 

 

 

 

 

 

 

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