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31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
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Bernard Krone Holding GmbH & Co. KG

Interview mit Bernard Krone, Geschäftsführer der Bernard KRONE GmbH

Seit mehr als 100 Jahren trägt das als Schmiede- und Handwerksbetrieb gegründete Unternehmen mit einem außergewöhnlichen Spürsinn für zukunftsweisende Technologien maßgeblich zur Mitgestaltung und Entwicklung der Deutschen Landtechnik bei. Die Produktpalette reicht von Scheibenmähwerken über Ladewagen und Großpackenpressen bis hin zu Feldhäckslern mit über 1000 PS. Mit insgesamt 2000 Mitarbeitern und der richtigen Mischung aus Innovationsbereitschaft, Know-how und Kundennähe gehört das traditionsbewusste Familienunternehmen aus dem Emsland inzwischen zu den führenden Landtechnik-Herstellern Europas. Bernard Krone leitet heute in vierter Generation die Bernard KRONE Holding GmbH & Co. KG, die neben Land- und Maschinentechnik auch eine Gesellschaft für Nutzfahrzeuge umfasst.

Herr Krone, was macht den Erfolg Ihres Unternehmens aus?

Wir versuchen, den Dreiklang zwischen Qualitäts-, Kosten- und Technologieführerschaft herzustellen. Dabei sind der Kundenfokus und die Kundennähe bei uns ganz besonders wichtig. Die Landtechnik ist ein sehr materialintensives Geschäft. Die Existenz unserer Kunden – Familienunternehmen, Landwirte, Lohnunternehmen – kann an einer Investition, wie beispielsweise in einen 250.000 Euro teuren Häcksler, hängen. Diese Maschine muss funktionieren und es ist umso wichtiger, dass wir gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern von Anfang an ein richtiger Ansprechpartner sind sowohl im Angebotsverfahren als auch anschließend in der After-Sales-Betreuung, also bei Ersatzteillieferungen, technischen Problemen oder Schäden. Das wissen die Kunden zu schätzen und deshalb ist das Vertrauen in die Marke KRONE sehr groß.

Wie schaffen Sie es, dass diese Kundenorientierung im Unternehmen tatsächlich gelebt wird?

Man selbst muss als gutes Beispiel vorangehen. Das heißt, dass ich persönlich für Kunden erreichbar bin. Im Jahr verkaufen wir über 20.000 Maschinen. Natürlich kann man nicht jede Maschine selber verkaufen und auch nicht mit jedem Kunden sprechen. Wenn es jedoch wirklich ein Problem gibt, können wir im Rahmen unserer Möglichkeiten immer helfen. Das war schon bei meinem Großvater und bei meinem Vater möglich und wird auch zukünftig bei mir so sein.

In welchen Bereichen müssen Sie als Person Vorbild sein?

Als Familienunternehmer trete ich für unsere Prinzipien ein. Der Belegschaft gegenüber ist es wichtig, dass man seine Wertschätzung zeigt. Schon einfache Dinge, wie regelmäßige Jubiläumsfeiern, Ehrungen für gute Leistung oder die gelegentliche Zahlung von Boni drücken Wertschätzung aus. Ein weiterer Punkt ist Fürsorge für unsere Mitarbeiter. Wenn jemand erkrankt oder verunfallt bekommt er nicht nur einen anonymen Brief und einen Blumenstrauß, sondern wir als Familie machen uns dann Sorgen und erkundigen uns regelmäßig nach ihm. Für mich ist das ein Anruf von fünf Minuten, aber bei so einem Mitarbeiter hallt das sehr lange nach, spricht sich natürlich rum und schafft diese oft gerühmte Identität mit der Familie und dem Familienunternehmen.

Sie sprachen eingangs von Kundennähe, welche Rolle spielen die Kunden bei der Entwicklung neuer Produkte?

Die Kunden nehmen eine Schlüsselfunktion ein. Wir müssen Maschinen entwickeln, mit denen unsere Kunden einen Mehrwert generieren können. Arbeitsabläufe müssen verbessert oder es müssen sich gar ganz neue Betätigungsfelder erschließen lassen. In der Entwicklung verfolgen wir das Ziel, eine Maschine möglichst schnell zur Marktreife und Zuverlässigkeit zu bekommen und damit eine möglichst schnelle und hohe Akzeptanz beim Kunden zu erzeugen. Entwickelt werden die Maschinen im sogenannten Simultaneous Engineering Prozess. Das heißt, es gibt eine Idee, die aus verschiedenen Bereichen kommen kann. Das kann ein Kundenimpuls, ein Lieferantenimpuls oder eine Weiterentwicklung sein. Mit der Entwicklung starten wir zeitnah simultan mit den Lieferanten, der Produktion und dem Einkauf. Wir sprechen zudem mit Kunden, Servicepartnern, holen Erfahrungswerte und Feedback ein und schauen, welche Ersatz- oder Gleichteile weiterverwendet werden können. Wenn es in die Erprobung geht, arbeiten wir ebenfalls eng mit unseren Kunden zusammen.

Inwiefern haben sich die Anforderungen Ihrer Kunden über die Jahre verändert?

Sowohl in Deutschland als auch in vielen Teilen Europas und der Welt hat ein Strukturwandel stattgefunden. Wir mussten uns anpassen und als Unternehmen weiterentwickeln. Allein durch den Vertrieb einfacher Geräte an mittelständische landwirtschaftliche Betriebe können wir langfristig nicht eigenständig existieren. Heute ist unser Produktprogramm zweigeteilt. Wir haben sowohl die Kernprodukte, die nach wie vor auf die landwirtschaftlichen Betriebe kleiner und mittlerer Größe zugeschnitten sind, als auch die Profitechnik, sogenannte Commercial Products, für Großbetriebe, Maschinenringe und Lohnunternehmer im Sortiment.

Haben sich durch den Strukturwandel auch neue Märkte eröffnet?

In der Vergangenheit haben wir hauptsächlich Milchbetriebe bedient. Vor einigen Jahren kam die Stroherzeugung dazu. Aus Stroh werden heute Pilze kultiviert, es werden Pellets gemacht oder es wird Treibstoff, sogenannter Biomass-to-Liquid, daraus gewonnen. Renewable Energy ist ein weiteres Stichwort. Biogas und damit Mais, die Maisernte und das Häckseln von Mais werden immer interessanter. In Deutschland ist ein regelrechter Boom zu verzeichnen, den wir in ähnlicher Form auch in anderen europäischen Ländern erleben werden. Für uns ergibt sich daraus ein großes Wachstumspotenzial im Selbstfahrsegment Häcksler.

Wie sorgen Sie für die dafür notwendigen personellen Ressourcen?

KRONE ist in der deutschen Landtechnik ein attraktiver Name und wir haben ein gutes Image. Dennoch, wir sind in einer ländlichen Region beheimatet. Von daher ist es wichtig, dass wir die sogenannten High Potentials nicht nur versuchen, mit viel Geld und freundlichen Worten herzulocken, sondern wir bilden auch selber aus. Am Standort Spelle haben wir zum Beispiel etwa 30 eigene Studenten. Wir beschäftigen eine Vielzahl von Trainees im Unternehmen und bieten des Weiteren sowohl handwerkliche als auch kaufmännische Berufsausbildungen an. Unsere Ausbildungsquote liegt derzeit bei knapp unter 10 %. Um das Wachstum und den demografischen Wandel der nächsten Jahre abzufedern, brauchen wir zukünftig eine Ausbildungsquote, die in Richtung 12 bis 14% geht.

Wie wollen Sie diese Quote erreichen?

Aktuell fehlen fast 40.000 Ingenieure in Deutschland und wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass diese vom freien Markt kommen, sondern müssen uns selbst um den Nachwuchs kümmern. Wir haben eine gemeinnützige Stiftung, die Dr. Bernard Krone-Stiftung, gegründet und vergeben Stipendien zum Beispiel an den Hochschulen in Osnabrück. Ziel ist es junge Menschen dazu zu bewegen, sich für technische Berufe oder die Ingenieurswissenschaften zu begeistern. Wir arbeiten eng mit verschiedenen Gymnasien in der Gegend zusammen. Die Haupt- und Realschulen in der Region besuchen wir mit unserer Young Professional Tour. Das heißt, wir fahren, um Attention und ein gewisses Image zu erzeugen, mit einem großen selbstfahrenden Häcksler oder Mäher zu den Schulen und informieren über die Ausbildungsberufe bei KRONE.

Wäre die Verlegung eines Produktionsstandortes eine Alternative für Sie, um einem möglichen Fachkräftemangel zu entgehen?

In Deutschland kann man Produkte hoher Qualität sehr gut und auch wettbewerbsfähig fertigen. Wir haben aufgrund unseres ländlichen Standortes zudem viele Nebenerwerbslandwirte als Mitarbeiter, was für uns ein großer Vorteil ist. Sowohl unsere Ingenieure als auch die Mitarbeiter in der Fertigung müssen sich dennoch ständig weiterentwickeln. Gerade im Elektronikbereich haben sich die Berufsbilder deutlich verändert und sind vielfältiger geworden. Mechatroniker zum Beispiel sind hoch ausgebildete Fachkräfte, die bei uns auch Englisch sprechen müssen, weil wir sie zum Teil ins Ausland schicken, um Maschinen einzusetzen, Ersteinsätze zu begleiten und Wartungen oder Reparaturen durchzuführen. In den nächsten Jahren wollen wir ein Entwicklungszentrum aufbauen, um dieses Know-how, was wir hier haben, zu halten, weiterzuentwickeln und auszubauen und den sich ändernden Anforderungen auch weiterhin gerecht zu werden. Somit liegt unser Fokus in den kommenden Jahren vor allem auf dem Standort Deutschland und weniger auf Produktion im Ausland.

Vielen Dank für das interessante Interview, Herr Krone.

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