Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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Müller-Elektronik GmbH & Co.KG.

Interview mit Christian Müller, Geschäftsführer der Müller-Elektronik GmbH & Co. KG.

Das Familienunternehmen „Müller Elektronik“ kann mittlerweile auf eine 25 jährige Firmengeschichte zurückblicken. Durch die langjährige Erfahrung und das spezielle Know-how der Mitarbeiter ist das Unternehmen in der Lage effiziente und individuelle Lösungen für namhafte Kunden zu entwickeln. Von zentraler Bedeutung sind für Geschäftsführer Christian Müller zum einen die hohe Qualität der entwickelten Spitzenprodukte und zum anderen die strikte Ausrichtung ihrer Funktionen an den Kundenbedürfnissen.

Herr Müller, lassen Sie uns ganz an den Anfang gehen. Wie hat alles begonnen?

Im Jahr 1979 hatte mein Vater, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, die Idee, mit einfachen Mitteln einen Flächenmesser zu entwickeln. Er verwendete dazu u.a. den Mikroprozessor aus einem Taschenrechner. Das erste Gerät aus dem Hause Müller war der Hektarzähler FM 2002. Dieses stieß auf Interesse bei den Lohnunternehmern, denn durch den Hektarzähler konnte die exakte Arbeitsfläche berechnet werden, so dass der Lohnunternehmer nicht mehr auf die z.T. ungenauen Aussagen des Landwirts angewiesen war.

Wie ging es dann weiter? Konnte Ihr Vater die weiteren Aufgaben alleine bewerkstelligen?

Nein, Anfang der 80er Jahre hat mein Vater mit unserem Nachbarn Herrn Buschmeier das erste Gerät mit einem konventionellen Mikroprozessor entwickelt. Einige Jahre später bekamen die beiden den ersten Auftrag der Firma Claas. Das war für meinen Vater der Anlass, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. 1990 beschäftigte das junge Unternehmen bereits 32 Mitarbeiter. Anfang der 90er Jahre verschmolzen die Firmen Müller und Buschmeier. Bis heute sind beide Familien die Gesellschafter des Unternehmens.

Was sagten die Mitbewerber zu Ihren Ideen?

Wir sehen uns als First Mover im Bereich Agrarelektronik. Natürlich gab es auch Unternehmen, die auf das Pferd aufspringen wollten. Unser Vorteil war, dass wir durch unsere jahrelange Erfahrung ganz nah an den Bedürfnissen des Kunden waren und darüber hinaus eine konstant qualitativ hochwertige Technik geliefert haben.

Sie beliefern Landmaschinenhersteller und den Fachhandel. Warum?

Über 90% unseres Umsatzes erzielen wir mit unseren OEM-Kunden, den Landmaschinenherstellern. Diese integrieren unsere Geräte in ihre Maschinen. Andere Produkte haben wir speziell für die Nachrüstung konzipiert. Diese vertreiben wir über den Fachhandel an die Endkunden.

Für die Entwicklung neuer Produkte ist der Kontakt zu den Endkunden wichtig. Deshalb stellen wir u.a. auf der AGRITECHNICA aus, um den Landwirt und Lohnunternehmer persönlich zu erreichen.

Betrachten Sie die Bereiche Prozesse, Finanzen, Menschen, Kunden: welchen Bereich machen Sie als erstes für Ihr Wachstum verantwortlich?

Ganz klar den Bereich des Menschen. Um es kurz zu halten: die wachsende Weltbevölkerung muss ernährt werden. Dadurch entstehen hohe Anforderungen an die Pflanzenproduktion. “Precision Farming” ist hier das Stichwort. Elektronische Systeme sorgen für den sparsamen, zielgerichteten Umgang mit Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Treibstoff. Somit wird eine ökologische und ökonomische Pflanzenproduktion sicher gestellt. Mittlerweile werden 70% der deutschen Landmaschinen exportiert, besonders in den osteuropäischen Markt.

Diese Entwicklung ist nicht nur Ihnen bekannt. Wie halten Sie Ihre Wettbewerber in Schach?

Wir investieren extrem viel in Forschung und Entwicklung. Als Vergleich: wir haben hier am Standort 140 Mitarbeiter, davon 60 Ingenieure – alle für Forschung, Entwicklung und Implementierung. Dabei liegt unser Augenmerk auf dem eben erwähnten Precision Farming, d.h. auf der effizientesten Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen. Es werden heutzutage z.B. Felder begutachtet, und Karten erstellt um die Sä-, Dünge- und Pflanzenschutzvorgänge zu optimieren. Hier sind wir jetzt in dem Bereich der ISOBUS Normung. Ein Landwirt, der eine Maschine mit unserer Elektronik nutzt, hat die  Grundlage für Precision Farming nach dem ISOBUS-Standard. Wie groß der zeitliche Vorsprung zu unseren Mitbewerbern ist, kann ich schwer sagen.

Zum Thema Forschung und Entwicklung: Können Sie ein Beispiel nennen?

Gerne. Wir haben im letzten Jahr 20 Betriebe mit dem “Farmpilot” ausgerüstet und bekommen eine gute Resonanz. Ziel des Farmpilot ist, dass der Manager vom Büro aus in Echtzeit den Mitarbeitern auf dem Feld Aufträge erteilen kann; dass er nachvollziehen kann, was dieses Feld für Kosten verursacht und was für einen Ertrag es erwirtschaftet. - 100% Transparenz und Effizienz.

Wie gehen Ihre Mitarbeiter mit dem stetigen Wachstum um?

Unsere Mitarbeiter sind sehr flexibel. Sowohl in unserem Boom-Jahr 2008/2009  als auch in dem darauf folgenden schwierigen Geschäftsjahr 2009/2010 konnten wir uns dem Markt gut anpassen. Die Identifikation mit unserem Unternehmen ist sehr hoch, die Fluktuation ist dementsprechend niedrig. Wir danken unseren Mitarbeitern, indem wir sie mit einem variablen Anteil, der zwischen 10 und 15% des Gehaltes beträgt, am Gewinn beteiligen. Zu Beginn eines Jahres werden Ziele pro Mitarbeiter festgesetzt, die der Vorgesetzte am Ende des Jahres beurteilt. Diese Beurteilung fließt in die Berechnung der Zusatzprämie ein. Dabei kommen auf 140 Mitarbeiter 20 Führungskräfte.

Wie gehen Sie damit um, wenn unterschiedliche Meinungen zum Thema Zielerreichung entstehen?

Gesunde Diskussionen gehören dazu. Wir freuen uns, dass wir in den letzten drei Jahren bedingt durch die gute Ertragslage den variablen Anteil erheblich aufstocken konnten. Für mich persönlich ist das ein schönes Gefühl, wenn wir den Mitarbeitern von dem erwirtschafteten Gewinn etwas abgeben können.

Was tun Sie zusätzlich, um die Mitarbeiter in diesem guten Gefühl zu halten?

Wir pflegen ein sehr gutes, offenes Arbeitsklima und bieten unseren Mitarbeitern sehr flexible Arbeitszeiten. In unserem Betrieb haben wir einen wichtigen Rückzugsraum: die Cafeteria mit angenehmen Räumlichkeiten.

Für ein Unternehmen Ihrer Größenordnung ist es wichtig, Abläufe und Prozesse ganz klar zu gestalten. Haben Sie ein Projektmanagement oder ähnliches?

Grundsätzlich sind wir zertifiziert nach ISO 9001. Für größere Projekte haben wir eine Projektmanagementabteilung eingerichtet. Diese Abteilung rekrutiert aus verschiedensten Abteilungen Mitarbeiter und überwacht diese. Wird z.B. Mitarbeiter A für eine gewisse Zeit im Projekt gebraucht, steht er für seine Abteilung in dieser Zeit nur bedingt zur Verfügung. Damit das funktioniert, werden pro Mitarbeiter Monats- oder Zweimonatspläne im Voraus gemacht, in denen festgelegt wird, wie viel der Mitarbeiter im Projekt beschäftigt ist und wie viel Zeit ihm für die “normale” Arbeit bleibt.

Gibt es ein aktuelles Beispiel?

Ja. In einem aktuell gestarteten Projekt haben wir z.B. bis zum Ende komplett geplant, welcher Mitarbeiter was, wann und wo machen wird. Für den Kunden ist das wunderbar, denn wir können ihm bei Änderungswünschen direkt sagen, um wie viele Tage sich der Abgabetermin verschieben wird.

Wachstum ist teuer und kostet Geld. Wie sichern Sie sich ab, dass Sie nicht zu schnell oder falsch wachsen?

Wir versuchen die Kosten für das Wachstum zu reduzieren. Durch unser überdurchschnittliches Wachstum in den letzten Jahren konnten wir eine hohe Eigenkapitalquote erreichen. Zusätzlich sorgen wir dafür, dass das Geld, das wir z.B. für den Aufbau unserer Niederlassungen in Süd- und Nordamerika benötigen, günstig finanziert wird. Dabei greifen wir auf Euribor-Kredite zurück, die einen niedrigeren Zinssatz als Kredite auf Kontokorrent-Basis haben. Voraussetzung für einen günstigen Kredit ist ein gutes Banken-Rating. Dieses erreichen wir u.a. durch eine regelmäßige Dokumentation unserer Geschäftsentwicklung. Bevor strategische Wachstumsentscheidungen getroffen werden, müssen natürlich Marktpotentiale abgewägt werden.

Das heißt also, sie haben in guten Jahren gespart?

Ja. Grundsätzlich bleibt bei uns ein Großteil der Gewinne im Unternehmen, d.h. als Gewinnrücklagen oder Gesellschafterdarlehen.

Ein Blick aus der Vogelperspektive: wie schaffen Sie es, zusammen mit Ihrem Kompagnon Herrn Buschmeier sen., die verschiedenen Unternehmensperspektiven Finanzen – Mitarbeiterzufriedenheit – Kundenorientierung – Prozessoptimierung und deren Wechselwirkungen zu steuern?

Ich lege besonderen Wert auf eine gute Basis, d.h. die Kommunikation mit dem Kunden muss erstklassig bleiben. Hinsichtlich der allgemeinen Situation hier im Unternehmen versuche ich, dass eine offene Atmosphäre herrscht.

Sie investieren auch in die Aus- und Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter?

Ja. Erst kürzlich haben wir ein Führungsleiterseminar durchgeführt, um zu schauen, ob wir tatsächlich ein Team sind und an einem Strang und in dieselbe Richtung ziehen. Natürlich sind die Weiterbildungsnotwendigkeiten sehr verschieden. Wir versuchen dabei allen Anforderungen und Wünschen gerecht zu werden. Unsere aktuell acht Auszubildenden bilden ebenfalls eine wichtige Stütze des Unternehmens. Mit Stolz kann ich sagen, dass wir bis jetzt jeden Azubi übernommen haben. Zum Teil bekleiden diese ehemaligen Auszubildenden wichtige Führungspositionen.

Wo sehen Sie Ihre Firma in 2015?

Wir setzen alles daran, dass wir in Europa weiter Marktführer im Bereich Agrarelektronik bleiben und wollen unseren Export noch weiter ausbauen, d.h. neue Märkte erschließen.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie zum Thema “Gesundes Wachstum” sagen möchten?

Ja, manchmal muss man den Mut haben, etwas Gewagtes zu tun - allerdings ohne dabei leichtsinnig zu sein: Bauchgefühl gegen Ratio. Wie z.B. 2007, als der Markt für das Parallelfahren auf dem Feld bereits seit Jahren besetzt war und wir uns aus einem Bauchgefühl entschieden haben, doch noch in den Markt einzudringen. Unsere Produkte TRACK-Guide und TRACk-Leader haben dann europaweit einen sehr guten Erfolg gehabt – inzwischen schon in 22 Sprachen.

Herr Müller, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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