Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
Vortrags und Podiumsdiskussion in Meppen

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Walter Frommholz GmbH & Co. KG.

Interview mit Gero-Walter Frommholz, Geschäftsführer der Walter Frommholz GmbH & Co. KG.

Die Walter Frommholz GmbH & Co. KG feierte 2009 ihr 150-jähriges Firmenjubiläum und ist damit einer der ältesten Hersteller von Polstermöbeln in ganz Europa. Inzwischen wird der Betrieb in der sechsten Generation von einem Familienmitglied geführt. Die Walter Frommholz GmbH & Co. KG hat ihren Sitz traditionsgemäß in Spenge/Wallenbrück. Hier werden hochwertige Möbel hergestellt, die durch ihr innovatives Design und hohe Qualitätsstandards überzeugen. Großes handwerkliches Können und zukunftsorientierte Wachstumsstrategien ebnen diesem Traditionsunternehmen den Weg in die Zukunft.

Herr Frommholz, was sind die wichtigsten Ansätze Ihres Unternehmens, um gesundes Wachstum zu generieren?

Gesundes Wachstum hat damit zu tun, wie wohlüberlegt ich meine Produkte am Markt platziere. Wichtig ist, dass wir unser Marketingkonzept immer wieder überarbeiten und den Marktgegebenheiten anpassen. Das Wachstum des Unternehmens geschieht eigentlich nur im Vertrieb und vor allem damit, wie wir mit unseren Kunden umgehen. Wir führen viele Gespräche auf Messen oder auch bei Besuchen und wir haben regelmäßigen Kontakt zu unseren Handelsvertretern und Werksreisenden. Und dadurch generieren wir Informationen, die wir benötigen, um die Kunden zufriedenzustellen.

Sie haben das Unternehmen vor einiger Zeit von Ihrem Vater übernommen. Inwiefern ist er in die Unternehmensabläufe involviert?

Er ist täglich im Unternehmen. Aber er zieht sich nach und nach zurück. Die Hauptgeschäftsführung obliegt mir.

Sie leiten Ihr Unternehmen in der sechsten Generation, Frommholz besteht seit 152 Jahren. Was würden Sie Unternehmen empfehlen, die den ersten Generationswechsel vor sich haben?

Wenn die Chemie zwischen der Eltern- und Kindgeneration, so wie bei uns, funktioniert, dann sollte man immer ein offenes Gespräch führen und dafür sorgen, dass man seine Ziele abgleicht. Damit man an einem Strang zieht für das Unternehmen. Sollte das nicht der Fall sein, sollte man entweder Mitarbeiter als Berater hinzunehmen, oder externe Unternehmen zu Rate ziehen, die erfolgreich vermitteln und beraten können.

Hatten Sie jemals die Idee, was anderes zu tun?

Sicherlich kommt jedem einmal der Gedanke, etwas Eigenes aufzubauen. Während meines Studiums in den USA war das auch bei mir so. Ich bin jedoch mit dem Unternehmen und der Region hier so verbunden, darin so verwurzelt, dass es mein großer Traum ist, hier das Unternehmen stabil und erfolgsorientiert weiterzuführen. Und auch unseren Mitarbeitern eine Perspektive am Standort Spenge bieten zu können.

Wie gestaltet sich der Umgang mit Mitarbeitern, die Sie bereits als Kind kannten? Gibt es da eine Gefährdung des Respekts?

Also es gibt schon Situationen, da duzen mich altgediente Mitarbeiter und ich sieze zurück. Aber ein Problem mit dem Respekt gibt es trotzdem nicht. Man kennt mich hier von klein auf und das Verhältnis ist sehr gut.

Wie erhalten Sie sich diese sehr flachen hierarchischen Strukturen und würden Sie diese Art der Führung auch anderen Unternehmen empfehlen?

Das kommt auf die jeweilige Unternehmensphilosophie an. Je größer ein Unternehmen ist, desto schwieriger wird es sicherlich. Bei uns gibt es immer wieder verschiedene Events, wie beispielsweise Betriebsfeiern oder ein kleines Fest zum Start in die Sommerpause. Solche Aktionen fördern den Zusammenhalt.

Welche größeren Investitionen gab es bei Ihnen in den letzten Jahren?

In der Abteilung Gestellbau haben wir vor ungefähr drei Jahren zwei Maschinen angeschafft und ungefähr 600.000 Euro investiert. Das hat sich auf jeden Fall gerechnet, weil wir damit deutlich flexibler arbeiten und unsere Aufträge kommissionsweise zusammenfassen können. Vorher haben wir viel auf Lager produziert und das konnten wir nun abbauen. Auch hier gab es viele Umstrukturierungen. Der klassische Möbelmarkt hat sich insgesamt sehr verändert, eigentlich gibt es ihn in der Form bezogen auf die Modellentwicklung von vor zehn Jahren nicht mehr.

Können Sie diese Veränderungen näher beschreiben?

Das Design der Möbel und auch der Anspruch der Kunden haben sich verändert. Der 60-Jährige von heute lebt anders als der 60-Jährige es vor zehn Jahren getan hat. Eiche rustikal und den klassischen Volant oder die Schabracke-Garnitur, der Gelsenkirchener Barock, das ist alles vorbei. Auf diesem Bereich waren wir Marktführer und mussten hier also einen totalen Imagewechsel vollziehen.

Wie ist Ihnen dieser Imagewechsel gelungen?

Die Marktveränderungen an sich waren eklatant und nicht einfach zu kompensieren. Aber weder im letzten Jahr noch 2008 hatten wir Umsatzverluste. Zu dem Zeitpunkt als 2008 die Krise zuschlug, hatten wir uns bereits so sicher neu positioniert, dass wir den höchsten Auftragseingang des ganzen Jahres hatten. Vielleicht haben die Menschen gedacht, dass sie ihr Geld lieber in Gold oder gute Polstermöbel investieren, bevor das Geld weg ist. Und für bleibende Werte steht unser Unternehmen.

Die Veränderungen im Markt, wie sind Sie diesen konkret begegnet?

Wir mussten uns den veränderten Marktbedingungen anpassen. Die Modellentwicklung mit der Produkt- und Preispolitik war ein entscheidender Faktor. Darüber hinaus modernisierten wir unser Marketingkonzept und richteten es neu aus. Letztendlich war eine Kapazitätsanpassung gegeben.  >

Sie schreiben sich vor allem Qualität auf ihre Fahne. Wie sorgen Sie dafür, dass diese auch gehalten wird?

Wir haben ein hohes Maß an Individualität in unseren Produkten. Jeder Mitarbeiter ist für seine Arbeit verantwortlich, es gibt keine Massenproduktionen. Eine Kommission wird von einem Mitarbeiter betreut und bearbeitet. Es gibt niemanden, der beispielsweise nur Armlehnen macht. Wenn zum Beispiel in der Näherei ein Fehler passiert ist und der Polsterer merkt das, dann geht er zum Meister. Der spricht dann die entsprechende Dame in der Näherei direkt an und sucht nach der Ursache und stellt sie ab. So etwas kann auch ein strukturelles Problem sein, wenn beispielsweise Stoffe nicht in Ordnung sind oder ein Webfehler vorliegt.

Was unterscheidet Frommholz-Möbel von anderen Herstellern?

Wir stehen zu ungefähr 70 Prozent bei Kunden, die mehr als 20.000 oder 30.000 qm Verkaufsfläche haben und hier ist der Preiswettbewerb sehr hoch. Wir zeichnen uns durch besonders hochwertige Polstermöbel mit hervorragendem Sitzkomfort aus. Es ist wichtig für uns, die Verkäufer in den Möbelhäusern von unserem Produkt zu begeistern. Viele Qualitätsattribute sind von außen nicht sofort ersichtlich, wie beispielsweise das handwerkliche Können. Die Schwierigkeit im Verkauf liegt darin, dass Sie ein Polstermöbel nicht aufschneiden und reingucken können, um dies für den Kunden zu verdeutlichen. Deswegen ist es wichtig, dass die Verkäufer darin geschult sind, den Kunden diese Dinge zu erklären.

Wie organisieren Sie diese Aufklärung der Verkäufer?

Das ist beispielsweise ein Bereich, in dem mein Vater sehr aktiv ist. Wir veranstalten immer wieder Schulungen vor Ort in den Möbelhäusern, in diesem Jahr waren es fast 100 solcher Veranstaltungen. Dadurch, dass ein Firmeninhaber diese Schulungen selbst veranstaltet, werden sie viel persönlicher. Darin unterscheiden wir uns von unseren Wettbewerbern. Wir treten in den Dialog mit den Verkäufern und halten ihnen keine Vorträge.

Was macht das Unternehmen Frommholz aus?

Wir sind ein Traditionsunternehmen mit hervorragendem Service und gehören zu den Top-5-Premiummarken im Möbelhandel. Eine unserer wichtigsten Stärken sind die Sonderanfertigungen und unser Marketingkonzept. Wir vermitteln ein Image, in dem sich jeder wieder findet, der diesem Unternehmen angehört. Auch ich selbst. Dabei ist insbesondere die lange Zusammenarbeit, sowohl mit Mitarbeitern, als auch mit Kunden von Bedeutung.

Ist Tradition für Sie etwas, dass an Wert verliert oder an Wert gewinnt?

Ich glaube, es gibt im Polstermöbelbereich in Deutschland und vielleicht sogar in Europa, kein Unternehmen, das älter ist als 150 Jahre. Darauf sind wir natürlich sehr stolz. Nur brauchen wir eine Ausrichtung, die es uns erlaubt, auch in Zukunft davon leben zu können. Wir müssen beispielsweise mit dem enormen Preisdruck auf den Großflächen, die ich bereits erwähnte, zurechtkommen. Ich glaube, in diesen Zeiten ist Tradition eher ein Wert, der gewinnt. Denn jeder sucht irgendwo Halt, vor allem in Zeiten des Umbruchs. Tradition kann da sicherlich Orientierung bieten, aber sie ist nicht alles. Ich kann mir für meine Geschichte nichts kaufen, sondern ich muss sehen, dass ich das Unternehmen neu ausrichte, so wie wir es momentan tun.

Vielen Dank, Herr Frommholz, für dieses interessante Gespräch!

 

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