Gesundes Wachstum im Mittelstand
31.08.2016, 18.00 - 20.00 Uhr
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Artega Automobil GmbH & Co. KG.

Interview mit Peter Müller, Geschäftsführer der Artega® Automobil GmbH & Co. KG


Die Artega® Automobil GmbH & Co. KG ist ein junges Unternehmen, das sich in den letzten vier Jahren erfolgreich im Sportwagengeschäft bewährt hat. 2009 hat der mexikanische Privatinvestor Tresalia Capital das Unternehmen übernommen und somit die finanzielle Grundlage für langfristiges Wachstum geliefert. Der weltweite Vertrieb von Artega hat sein Zentrum am Firmensitz in Delbrück, wo alle Arbeitsschritte, vom Rohbau bis zur Endmontage der Fahrzeuge, in einer eigenen Manufaktur stattfinden.

 
Herr Müller, vor der Übernahme durch Tresalia Capital hatte Artega einige Schwierigkeiten. Wie fördern Sie das aktuelle Unternehmenswachstum?

Unser Hauptfokus liegt derzeit in den Bereichen Vertrieb und Marketing. Nach den Schwierigkeiten der vergangenen Jahre wussten viele gar nicht mehr, dass es Artega gibt. Wir mussten uns zunächst darauf konzentrieren, unser Händlernetz auszubauen. Momentan haben wir neun Händler in ganz Europa, sechs bis sieben wären in Deutschland, 20 bis 25 in Europa wünschenswert. Die Neugewinnung ist jedoch immer schwierig, da viele Händler selbst Probleme auf dem Markt haben und keine zusätzlichen Marken vertreiben wollen. Aufgrund dieser Problematik versuchen wir, auf die Kunden direkt zuzugehen.

Also steht der Kunde im Fokus der Aufmerksamkeit?

Genau. Viel läuft über die Berichterstattung von Messen, wo das Auto präsentiert wird und da wurde uns sehr viel – sagen wir mal – Sympathie entgegengebracht. Der Fokus liegt auch weiterhin darauf, ein Auto in der richtigen Qualität in Serie zu bringen. Hier haben wir in den Bereichen Entwicklung und Qualitätsmanagement schon viel erreicht: Das Auto ist jetzt serienreif. es ist die Visitenkarte des Unternehmens. In Bezug auf die Prozesse in der Produktion und der Entwicklung ist jedoch weiterhin Potenzial. Aber im Moment ist es am wichtigsten, das Interesse der Kunden neu zu generieren. Wenn Sie mit einem Artega fahren, verursachen Sie an jeder Tankstelle beinahe einen Menschenauflauf. Die Leute interessieren sich also für das Auto, aber wir sind einfach nicht im allgemeinen Bewusstsein. Hier ist noch viel Handlungsbedarf. Für den Kunden  versuchen wir unter Anderem, ein rundes Paket zu bieten. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, einen 24-Stunden-Notdienst oder Leasingangebote in Anspruch zu nehmen.

Welche Rolle nehmen hier die Händler ein?

Die Händler werden aktiv in die Kundenbetreuung mit einbezogen. Uns nützen keine Händler, die einfach einen Artega im Showroom haben möchten. Bei unserer kleinen Stückzahl und aufgrund der Unbekanntheit des Produkts, brauchen wir jemanden, der sich 100 % für Artega einsetzt und gut vermarktet. Es gibt für mich nicht den idealen Händlertyp  Er muss in jedem Fall voll und ganz hinter dem Produkt stehen. Wir haben sehr unterschiedliche Händlertypen, aber diese haben alle einen guten Blick auf unser Produkt und sind gewillt, den Artega gut zu vermarkten. Im nichtdeutschsprachigen Ausland haben wir einen Verkaufsrepräsentanten, der im jeweiligen Land gut vernetzt ist. In Deutschland haben wir einen Verkaufsleiter und werden jetzt zusätzlich einen Junior-Verkäufer einstellen, weil wir hier in Delbrück auch noch ein Vertriebszentrum haben. In Bezug auf PR und Marketing versuchen wir, das Auto sinnvoll zu platzieren. Das können große Motorsport-Events oder andere gesellschaftliche Ereignisse sein. Die IAA in Frankfurt ist ein Muss, genau wie Genf. Die Hauptsache ist immer, dass potenzielle Kunden auf diese Weise Zugang zu dem Produkt bekommen.

Was macht einen Artega aus?

Unsere stärkste technische Aussage ist das Gesamtkonzept, einen Sportwagen zu produzieren, der trotz seiner Exklusivität in die heutige Zeit passt. Bei optimalem Leistungsgewicht kann er unter 10 Litern verbrauchen, was eine gewisse soziale Akzeptanz nach sich zieht, denn ein Artega hat damit weniger Durchschnittsverbrauch als eine vergleichbare Mittelklasse. Nach außen sind die deutsche Qualität und das Design sehr wichtig. Henrik Fisker, der den Artega entworfen hat, hat schon für BMW und Aston Martin gearbeitet und hat hier ein Modell entwickelt, das einfach sehr gut ankommt. Wir haben die Hoffnung, dass der Artega irgendwann genauso ein Klassiker werden kann wie ein Käfer oder ein Porsche 911. Zudem ist das Auto sehr komplett ausgestattet. Wir haben serienmäßig vier Airbags, eine Klimaanlage und ein Doppelkupplungsgetriebe.

Ihr Unternehmen steht noch am Anfang. Wie sieht es da mit dem Innovationsmanagement aus?

In Bezug auf den Leichtbau haben wir einige Dinge entwickelt, wie zum Beispiel einen Aluminium-Wabenboden, der sonst im Flugzeugbau bekannt ist. Zwei Platten werden durch eine Wabenstruktur verbunden, auf der der Sitz montiert wird. Leichtbau ist eines der USP´s des Wagens. Außerdem stehen wir in regem Austausch mit dem Fraunhofer Institut: Wir unterstützen mit Know-how und Fahrzeugen und das Institut kann wiederum Forschungen durchführen, die uns in diesem Umfang unmöglich wären. Aufgrund der geringen Stückzahl ist es für uns generell schwierig, im Bereich Innovationsmanagement führend zu sein. Wir sind eher ein Fast Follower und definieren uns über das gerade erwähnte Gesamtkonzept.

Wie gestaltet sich die Finanzplanung mit Tresalia Capital?

Jeder Investor ist selbstverständlich immer auf seinen Profit konzentriert und es ist wichtig, dass wir möglichst schnell in die Gewinnzone kommen. Wir haben jedoch das Glück, dass unser Investor weiß, dass es gewisse Durststrecken gibt, bis wir die Prozesse installiert und das Auto fertig entwickelt haben. Das Problem war ja nie, dass das Auto insgesamt nicht funktioniert hätte. Das Konzept war gut, es hat nur Know-how gefehlt, um es wirklich in der richtigen Qualität und Zuverlässigkeit in Serie zu bringen. Es ist oft so, dass 90% des Konzepts stehen und dann bei den restlichen 10% eine Menge an Fehler abgearbeitet und abgestellt werden müssen. Und dabei ging dem vorherigen Management die Luft aus. Wir haben Glück, dass der Investor auch an einem mittel- bis längerfristigen Engagement interessiert ist.

Welche längerfristigen Entwicklungen streben Sie an?

Wir beschäftigen uns, wie viele andere auch, mit Elektromobilität und Hybrid. Wir können natürlich kein völlig neu konzipiertes Elektroauto bauen, das wäre viel zu teuer, aber in unser Konzept kann ein Elektromotor mit relativ wenig Aufwand integriert werden. Wir müssten dafür nicht das gesamte Auto umbauen. Das ist ein Riesenvorteil und das sieht natürlich auch unser Investor. Längerfristig streben wir die Erweiterung unserer Modellpalette an, wie zum Beispiel ein Rechtslenker und Roadster.

Woher beziehen Sie das Know-how für den Bau des Artega?

Wir haben hier wirklich junge, gute und talentierte Ingenieure. Unsere Entwicklung besteht aus sechs Personen  die ein ganzes Auto konstruiert haben. Das findet man heute kaum mehr. Das heißt, wir haben einen Konstrukteur, der mit einer Mannschaft von drei Leuten das komplette Auto entwickelt Hat. Genauso in der Elektronik, dort haben wir einen, der für die Hardware und einen anderen der für Software zuständig ist. Die können vom Layout bis zum Löten alles selber machen.. Und das ist mit Sicherheit der Asset von uns, dass wir weniger Spezialisten haben, sondern Mitarbeiter, die ganze Bandbreite beherrschen. Hier durchdringt jeder das Auto auch im technischen Bereich. Wir haben eine motivierte, aber auch sehr qualifizierte Mannschaft in der Fertigung. Die sind auch in den schwierigen Zeiten fast alle bei der Stange geblieben, denn sie stehen absolut hinter Artega und seinem Produkt. Bei eventuellen Problemen kommen Sie auch ganz offen zu uns.

Welche Rolle nehmen Sie als Chef bei Artega ein?

Ich habe bereits als Entwicklungschef bei BMW Motorrad sehr stark in der Technik mitgearbeitet, aber dort kamen zusätzlich noch viele andere Themen auf einen zu, wie die Auseinandersetzung mit dem Controlling oder mit anderen Themen. Bei Artega kann man auch wieder an der Basis arbeiten. Ich sitze hier teilweise wieder selbst am CAD-Bildschirm, schaue mir die Sachen an und diskutiere mit den Mitarbeitern. Das ist einfach wieder schön naher am Produkt zu sein. Und wenn man nicht überall gleichzeitig sein kann, ist es wichtig, dass man gute Mitarbeiter hat. Durch die vielen Direktkontakte in einem so kleinen Unternehmen sind die Wege und Rückmeldungen auch wesentlich kürzer und schneller.

Wo sehen Sie Artega in fünf Jahren?

Artega ist eine sehr emotionale Automarke, darin unterscheiden wir uns von den großen Konzernen. Wir stellen individuelle Produkte her für Kunden, die nichts von der Stange wollen, sondern etwas Spezielles. Für die Zukunft wären hier bestimmt auch Hybrid oder Elektrofahrzeuge sowie eine offene Variante möglich. Wichtig ist, dass wir eine kleine, edle Manufaktur bleiben. Made in Germany ist vor allem im Ausland ein Kaufkriterium. Sobald wir größer werden, um mehr Kunden anzusprechen, geraten wir in die Großserienprozesse hinein und werden damit auch vergleichbarer.

Wie verbinden Sie dies mit unternehmerischem Wachstum?

Wachstum würde bedeuten, dass wir nächstes Jahr anstatt 70 oder 80 zwischen 200 und 300 Autos produzieren, wenn es der Markt hergibt und die Kapazität. Die Stückzahl sollte nach und nach erhöht werden. Es ist wichtig, an erster Stelle als Marke zu wachsen. Hier geht es weniger um die reine Volumensteigerung sondern, als vielmehr darum, die Begehrlichkeit für Artega zu steigern

Vielen Dank, Herr Müller, für dieses interessante Gespräch!

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