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„Lieber bleiben wie man ist und untergehen, anstatt sich zu verändern“

von Dr. Stefan Meinsen

 

Unlängst sorgte ein ungeheuerlicher Aufreger aus dem westfälischen Münsterland für mediales Aufsehen. Ein homosexueller Schützenkönig wollte seinen Lebenspartner mitregieren lassen. Für den Schützenverband ein absolutes Unding. Unter Berufung auf christliche Werte und das heilige Sakrament der Ehe wurde der Lebenspartner in den Hintergrund verbannt.

Der Rest der Welt nahm das Ganze kopfschüttelnd zur Kenntnis. Es war von „gestriger Intoleranz“ oder einer „Provinzposse“ die Rede. Angesichts stark sinkender Mitgliederzahlen – in Westfalen seit 1997 ein Rückgang der Schützenbrüder und -schwestern um 30% - erscheint diese Entscheidung auf höchster Verbandsebene umso befremdlicher. Aber, man hatte sich entschieden lieber so zu bleiben wie man schon immer war.

Zur gleichen Zeit wurde bekannt, dass der Fotopionier Kodak Insolvenz beantragte. Mit aller Macht hatten die Manager versucht die Zeitläufe einzufrieren. Über viele Jahre hinweg wurden im eigenen Haus entwickelte Innovationen bewusst unter Verschluss gehalten. Sie hätten das altgediente und einstmals erfolgreiche Geschäftsmodell in Frage gestellt.

Die Parallelen sind offensichtlich: zwei Organisationen, die über lange Zeiträume als Institutionen in ihrem Umfeld wahrgenommen wurden, scheinen sich selber abschaffen zu wollen.

Ein Blick in die Systemtheorie gibt konkrete Hinweise über die Hintergründe und was wir daraus lernen sollten.

Systemtheoretisch betrachtet ist jede Form von Kultur dazu verdammt, in sich selbst zu erstarren. Denn letztendlich ist die Unternehmenskultur das Abbild derjenigen Verhaltensweisen im Unternehmen, die sich im weitesten Sinn bewährt haben - und in erfolgreichen Unternehmen außerdem entscheidend für den Erfolg mitverantwortlich waren. Eine Duz-Kultur kann z.B. helfen auftretende Probleme unkompliziert und kollegial zu klären. Konsequent zu Ende gedacht ist Kultur dann aber auch all das, was wir nicht mehr bereit sind ernsthaft zur Disposition zu stellen – denn es hat sich ja bewährt! Eine Kultur zu pflegen bedeutet immer alle anderen kulturellen Optionen draußen zu halten. Da Draußen ist das Andere, das Fremde, Irritation , aber auch neue Möglichkeiten, die Zukunft.

Das In-Sich-Selbst Erstarren ist ein Prozess, der sich früher über lange Zeiträume entwickelt hat. Mittlerweile scheint es so, dass wir alle in unserem Leben viele solcher kulturellen „Sterbeprozesse“ persönlich miterleben, weil die Zyklen drastisch verkürzt sind.

Wie passt das zusammen, wenn einerseits Unternehmen fast zwangsläufig dazu verdammt sind in sich zu erstarren und sich gleichzeitig schnelleren Zyklen des Wandels stellen müssen?

Unternehmer und Entscheider sind in Unternehmen die maßgeblichen Kulturstifter. Sie sind aufgefordert, sich selbst und ihr Unternehmen im Laufe ihres Wirkens mehrmals neu zu erfinden. Nur so können sie es schaffen, dem systemtheoretisch programmierten kulturellen Niedergang entgegenzuwirken. Eins zur Warnung: Es scheint so, dass der mittelständische Generationswechsel alle dreißig Jahre kein adäquates Zeitfenster für Kulturwandel mehr darstellt.

Der Schlecker-Niedergang wäre zu verhindern gewesen – kulturell in sich selbst erstarrt!

Der Karmann-Niedergang wäre zu verhindern gewesen – ebenfalls kulturell in sich selbst erstarrt!

Und viele weitere, denen es so ergangen ist oder die auf dem Weg sind.

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