Ferber-Software GmbH.
Interview mit Matthias Ferber, Geschäftsführer der Ferber-Software GmbH.
Ferber-Software wurde 1990 von Matthias Ferber in Lippstadt gegründet. Seitdem entwickelt und vertreibt das Unternehmen kaufmännische Software. In diesem Jahr wird es 20 Jahre alt, und es befindet sich auf einem ständigen Wachstumskurs. Die Inkasso-Software IKAROS wird mittlerweile von über 150 Unternehmen in ganz Deutschland und im europäischen Ausland mit großem Erfolg eingesetzt. Ferber-Software beschäftigt zurzeit 65 Mitarbeiter.
Was ist für Sie das Wichtigste, damit Ihre Firma wachsen kann?
Einer der wichtigsten Aspekte des Wachstums ist der Kundennutzen. Der Kunde wird bei uns eng in die Weiterentwicklung der Produkte eingebunden.
Das fing schon damit an, dass die erste Idee, eine Software für das Forderungsmanagement zu entwickeln, nicht meine Idee, sondern eine der ersten beiden Kunden war. Ich habe die Entwicklung zunächst nebenberuflich betrieben, parallel zum Studium. Von daher war es in den ersten Jahren eine wachsende, aber noch überschaubare Anzahl von Kunden, mit denen ein enger Austausch stattfand. Um den Austausch dann bei stärker zunehmender Anzahl an Kunden zu fördern, wurde vor zehn Jahren ein Anwenderbeirat gegründet. Dieser besteht aus zehn Kunden, die aus verschiedenen Unternehmen verschiedener Größen und verschiedener Regionen kommen und von unseren Anwendern gewählt werden. Quartalsweise werden Treffen abgehalten, um über Produktstrategie, aktuelle Gesetzesänderungen und sonstige Anforderungen zu sprechen. Der Anwenderbeirat bildet ein Bindeglied zwischen der Anwenderschaft insgesamt und uns.
Welchen Mehrwert bringt Ihre Software für ein Unternehmen?
Wenn Sie Forderungsmanagement betreiben, dann haben Sie zunächst zwei wesentliche Ziele. Sie wollen zum einen natürlich Erfolg haben. Das heißt, Sie wollen Schuldner dazu bringen, dass sie berechtigte Forderungen ausgleichen. Auf der anderen Seite wollen Sie möglichst wenig weitere Kosten produzieren. Diese beiden Ziele können auf den ersten Blick zunächst konträr erscheinen, da gerade Erfolg versprechende Maßnahmen, z. B. ein gerichtliches Mahnverfahren, oftmals mit Kosten verbunden sind.
Die Antwort darauf, wie man diese beiden Anforderungen optimal lösen kann, ist Prozessoptimierung. Mit IKAROS können Sie dynamische Prozesse grafisch definieren, die in jedem Fall die optimale Strategie verfolgen. Diese Prozesse entscheiden nach Ihren Regeln anhand der Bewertung des Falls, des Kunden, ob es sinnvoll ist, bestimmte Kosten in die Hand zu nehmen.
Sie sind jetzt vom Bereich der Kunden in den Bereich der Prozesse hineingegangen. Darf ich das so aufnehmen, dass das eine Rangfolge ist? Zuerst die Kunden, dann die Prozesse sind wichtig in Bezug für das Wachstum?
Ich würde es ungern als Rangfolge betonen, denn wenn wir nicht durch die Prozessoptimierung den Kundennutzen stiften könnten, hätten wir auch keine Kunden. Beide Aspekte sind elementar wichtig. Und ich habe dabei noch nicht von unseren eigenen Prozessen gesprochen, sondern von den Prozessen der Kunden, die wir ihnen zu optimieren helfen.
Inwieweit sehen Sie Ihre eigenen Prozesse als wichtig für Wachstum?
Ganz wichtig! Wenn wir wachsen, müssen wir natürlich auch unsere Strukturen und Prozesse anpassen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir angesichts der hohen Anforderungen, die an uns gestellt werden, eine gute Qualität ausliefern. Und wir müssen als wachsendes Unternehmen effizient bleiben.
Wie sehen Sie den Aspekt „Mensch“ in Ihrem Unternehmen?
Die Menschen sind ganz wesentlich für ein Unternehmen, für die Weiterentwicklung eines Unternehmens. Ohne Menschen geht es nicht. Menschen prägen das Unternehmen. Das gilt für die Kunden, für die Mitarbeiter und für Geschäftspartner.
Ich glaube, dass wir eine besondere Unternehmenskultur haben. Wir haben auf der einen Seite einen freundschaftlichen Umgang miteinander, gleichzeitig sind wir aber auch leistungsorientiert. Aus meiner Sicht ist das kein Widerspruch. Wir gehen freundschaftlich miteinander um, wir duzen uns im Team. Wir feiern gern miteinander, wir feiern auch unsere Erfolge. So haben wir z. B. jetzt eben den 1. Lippstädter Wirtschaftspreis im Team mit einem kleinen Event gefeiert. Gleichzeitig gilt bei uns aber eben auch die Leistungsorientierung. Es hat bei uns zum Beispiel jeder Mitarbeiter eine Zielvereinbarung und auch einen variablen Gehaltsbestandteil.
Sie nannten vorhin das Stichwort „Unternehmenskultur“ und hier als Beispiel den freundschaftlichen Umgang miteinander, die Duz-Kultur – gibt es noch andere Aspekte, die diese Kultur beschreiben oder unterstreichen?
Ich lege großen Wert auf eine Kultur des offenen Umgangs mit Fehlern. Es ist zulässig, dass man Fehler macht. Jeder Mensch macht Fehler. Dafür wird auch niemandem der Kopf abgerissen. Was nicht akzeptiert wird, ist, Fehler zu verschweigen, weil man dadurch die Folgen, gerade für unsere Kunden, unter Umständen deutlich verschlimmern würde.
Sie haben hier ein beeindruckendes Gebäude gebaut. Wenn man gleichzeitig an die Wirtschaftskrise denkt, frage ich mich, woher Sie den Mut genommen haben, das hier zu machen?
Es ist ja keine kurzfristige Entscheidung, wenn man ein Gebäude baut. Das macht man nicht, weil man sagt: „In den nächsten sechs Monaten werden wir unseren Umsatz steigern“, sondern das bezieht sich auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens. Und wir sehen ganz klar das weitere Wachstum. Wir sehen das Potenzial zu wachsen in verschiedenen Bereichen, durch Internationalisierung, weitere Branchen, weitere Unternehmenstypen, die wir für uns erschließen können. Von daher – sicherlich, ein wenig Mut gehörte dazu, aber es gab keinen Zeitpunkt, an dem wir die Entscheidung bereut hätten.
Wie sehen Sie Ihre Person in der Wichtigkeit für das Unternehmen? Nehmen wir mal an, Sie fahren morgen für sechs Monate in den Urlaub. Was würde passieren?
Das Unternehmen würde weiterlaufen. Es würde – bei längerer Abwesenheit nach Umschichtung einiger Aufgaben – sicher auch gut weiterlaufen. Meiner Auffassung nach ist eine zentrale Aufgabe eines Geschäftsführers, dafür zu sorgen, dass auch ohne ihn das Unternehmen operativ funktioniert. Mein Beitrag zum langfristigen Unternehmenserfolg besteht darin, strategische Impulse zu setzen, gemeinsam mit dem Führungsteam dafür zu sorgen, dass wir den richtigen Kurs finden und halten. Gleichzeitig sehe ich mich als Ansprechpartner für die Kunden und für die Mitarbeiter.
Ich habe einen Mitgesellschafter, Herrn Jochen Schneiders, der seit dem vergangenen Jahr zweiter Geschäftsführer ist. Ich schätze mich glücklich, mich voll und ganz auf Jochen Schneiders verlassen zu können.
Herr Ferber, gibt es noch irgendetwas, was Sie zu diesem Gesamtthemenkomplex gerne sagen möchten? Woran können sich andere Unternehmen ein Beispiel nehmen, um auch zu wachsen?
Ich glaube, dass eins ganz wichtig ist – und da spreche ich jetzt nicht nur für mich, sondern für viele mittelständische Unternehmer: eine auf Nachhaltigkeit angelegte Unternehmensstrategie. Das klingt abgedroschen, ist aber unverzichtbar. Man sollte nicht auf den kurzfristigen Erfolg schielen, sondern auf langfristigen Erfolg, auf gesundes Wachstum. Dazu gehört etwa, dass man langfristige Kundenbindung und Vertrauen zu den Kunden aufbaut. Kunden müssen wissen, dass sie sich auf ein Wort oder einen Handschlag genauso sehr verlassen können wie auf einen schriftlich abgeschlossenen Vertrag. Und natürlich gehört dazu ein qualitativ hochwertiges Produkt, das, um noch einmal den Bogen zu schlagen, eben auch wirklich für den Kunden einen echten Mehrwert bringt.
Ich halte das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns für ganz wichtig. Dieses Leitbild muss hochgehalten werden und auch wieder mehr in den Vordergrund rücken, als es möglicherweise in der Vergangenheit manchmal der Fall war. Wir sehen das gerade in der Wirtschaftskrise, die insbesondere auch durch kurzfristiges Erfolgsdenken verursacht wurde. Und ich denke, für einen Unternehmer ist es existenziell, nicht nur schöne Worte zu machen und über Dinge zu reden, sondern sie dann auch wirklich umzusetzen.
Herr Ferber, wir danken Ihnen herzlich für das Interview.
Matthias Ferber
Geschäftsführer
Ferber-Software GmbH
